25.05.2022

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Ostpreußische Sprache

Das Johannes-Evangelium neu gelesen

Mit seiner Übersetzung des Bibeltextes hat Werner Gitt etwas Einzigartiges geschaffen

Bärbel Hansen
20.03.2022

Das gab es noch nicht. Das Johannes-Evangelium und ausgewählte Psalmen auf Ostpreußisch. Der Naturwissenschaftler Werner Gitt hat diese Teile der Bibel in seine Muttersprache übersetzt, um die ostpreußische Sprache vor dem Vergessen zu bewahren und das Interesse am Evangelium zu beleben. Und in der Tat, bis heute gibt es keine Übersetzung der Heiligen Schrift oder auch nur Teilen davon ins Ostpreußische.

Ostpreußisch bewahren

In Raineck [Simonowka], Kreis Ebenrode, Kirchspiel Kattenau ist Gitt aufgewachsen. In seinem nördlich der Remone und zehn Kilometer nordwestlich von Ebenrode liegenden Dorf wurde nur ostpreußisches Platt gesprochen. Auch nach der Flucht aus der Heimat 1944 sprachen Vater und Sohn zu Hause in ihrer vertrauten Muttersprache. Obwohl viele Jahre vergangen sind, so schreibt er in seinem Vorwort, blieben Sprachklang, Sprachempfinden und die Wörter in guter Erinnerung.

Dass er sich für den Evangelisten Johannes entschieden hat, liegt an der Besonderheit des Evangeliums. Nur hier kommen die „Ich-bin-Worte“ Jesu vor: „Ich bin das Brot des Lebens“, „Ich bin das Licht der Welt“, „Ich bin die Tür“, „Ich bin der gute Hirte“, „Ich bin die Auferstehung“, „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, „Ich bin der wahre Weinstock“. Auch empfinde er das Johannes-Evangelium als das Tiefsinnigste und leicht Verständlichste, wie er schreibt.

Bekannte Texte in einer fremden Sprache zu lesen, verschafft dem Leser oftmals einen neuen Zugang zum Text, und/oder es hilft zu einem tieferen Verständnis. So schreibt Margrit H. aus der Schweiz, welche die ostpreußische Übersetzung bereits gelesen hat: „Mir ist vieles im Johannes-Evangelium deutlich geworden, was ich zuvor überlesen habe.“ Der noch in Ostpreußen geborene Dietrich M. ist dankbar für die Übersetzung und freut sich, das Evangelium erstmals in seiner Muttersprache lesen zu dürfen.

Ohne Muttersprache keine Heimat

Es ist kein Geheimnis, dass alles, was nicht gepflegt wird, in Vergessenheit gerät. Muttersprache und Heimat sind hier ein gutes Beispiel. Vernachlässigt man das eine, hat es auch Folgen fürs andere. Um die Erinnerung an die Heimat wachzuhalten, kann die ostpreußische Sprache ein guter Helfer und Begleiter sein. Im vorliegenden Fall macht es auch Freude. Jede und jeder kann es ohne Voraussetzung lesen. Der Autor hat sich nämlich dazu entschlossen, die Übersetzung in einer Art Lautschrift anzufertigen. Zwei Beispiele auf Seite 7 sollen das verdeutlichen. Die Stadt „Bordeaux“ würde demzufolge „Bordo“ geschrieben und das englische Wort „tough“ in gleicher Weise „taff“.

Diese Übersetzung ist aus Liebe zum Wort Gottes und aus heimatlicher Verbundenheit entstanden. Sie ist eine Einladung, sich mit der Bibel und ihrer Botschaft zu beschäftigen.

• Professor Werner Gitt wurde am 22. Februar 1937 in Uschdeggen, ab 1938 Raineck, einem kleinen Dorf im Nordosten Ostpreußens, geboren. Seit einer Evangelisationsveranstaltung in Braunschweig gehört Gitt zur Braunschweiger Friedenskirche, einer evangelisch-freikirchlichen Baptistengemeinde. Der Informatiker und Vertreter des Kreationismus ist Mitglied der Studiengemeinschaft Wort und Wissen und tritt in ganz Deutschland auf Evangelisationen als Vortragsredner auf. Er ist Autor zahlreicher Bücher.

Werner Gitt: „Johannes-Evangelium und ausgewählten Psalmen opp Ostpreußisch“, Lichtzeichen-Verlag, Lage 2021, gebunden, 114 Seiten, 5,90 Euro

 



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