29.08.2025

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Am 2. September 1945 auf der „Missouri“: Japans Außenminister Shigemitsu Mamoru unterschreibt die Kapitulationsurkunde
Bild: US-Bundesregierung/WikimediaAm 2. September 1945 auf der „Missouri“: Japans Außenminister Shigemitsu Mamoru unterschreibt die Kapitulationsurkunde

Zweiter Weltkrieg

Das Völkerringen endete auf einem Schlachtschiff

Vor 80 Jahren kapitulierte Japan auf der „Missouri“. Nippons Ausschaltung als Machtfaktor hatte erhebliche Auswirkungen auf das politische Antlitz Asiens

Wolfgang Kaufmann
29.08.2025

Der Zweite Weltkrieg endete nicht am 8. Mai, sondern am 2. September 1945. An diesem Tage kapitulierte das Kaiserreich Großjapan. Die Unterzeichnung der entsprechenden Urkunde erfolgte auf dem Vordeck des US-amerikanischen Schlachtschiffs „Missouri“ in der Sa­gami-Bucht bei Tokio. Für Japan unterschrieben Außenminister Shigemitsu Mamoru und der Armee-Oberbefehlshaber Umezu Yoshijiro, während die Gegenseite durch neun hochrangige Militärs aus den USA, China, Großbritannien, der Sowjetunion, Frankreich, Australien, Kanada, den Niederlanden und Neuseeland sowie dem Oberkommandierenden der Alliierten Mächte (SCAP), General of the Army Douglas MacArthur, vertreten war.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wollte Japan zunächst bis zum letzten Mann weiterkämpfen. Doch der weitgehende Verlust der kaiserlichen Marine, die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die Zerstörung fast aller anderen japanischen Großstädte mit konventionellen Mitteln und der Einmarsch der Sowjetunion in der Mandschurei unter Verletzung des bilateralen Neutralitätsabkommens ließen der Führung in Tokio schließlich keine andere Wahl mehr als aufzugeben. Also verlas Kaiser Hirohito am 14. August 1945 einen „Erlass zur Beendigung des Großostasiatischen Krieges“, weil die „Fortsetzung des Kampfes ... zum endgültigen Zusammenbruch und der Vernichtung der japanischen Nation führen“ würde.

„Unsinkbarer Flugzeugträger“
Analog dazu, dass der Zweite Weltkrieg nicht am 8. Mai, sondern am 2. September 1945 endete, lassen einige Historiker diesen Krieg auch nicht mit dem Angriff Deutschlands auf Polen am 1. September 1939, sondern mit dem Beginn der japanischen Besetzung der Mandschurei am 18. September 1931 beginnen. Dem japanischen Angriff auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 folgte eine Ausweitung der Kampfhandlungen auf große Teile des Pazifiks und Südostasiens. Dabei besetzte Japan auch mehrere europäische Kolonien und die unter der Kontrolle Washingtons stehenden Philippinen, um an die dortigen Rohstoffe zu gelangen. Nach ihrem anfänglichen Siegeslauf gerieten die Streitkräfte des Kaiserreiches ab Mitte 1942 Stück für Stück in die Defensive. Das lag zum einen an der materiellen Überlegenheit der Alliierten und zum anderen an der Überdehnung des japanischen Machtbereiches.

Die Kämpfe im Pazifikraum fanden meist zur See und in der Luft statt. Das zeigen auch die entsprechenden Verluste. So wurden insgesamt 16 Schlachtschiffe, 37 Flugzeugträger, 53 Kreuzer, 219 Zerstörer und 194 U-Boote der kriegführenden Mächte versenkt. Dazu kam der Abschuss von rund 70.000 Flugzeugen. Außerdem forderte der äußerst brutal geführte Krieg, in dem die Japaner auch chemische und biologische Waffen einsetzten, während die USA ihrerseits zwei Atombomben abwarfen und Flächenbombardements durchführten, um die 36 Millionen Menschenleben. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten innerhalb des japanischen Machtbereiches wird sich aber nie feststellen lassen.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Fernost hatte erhebliche Auswirkungen auf das politische Antlitz Asiens. So büßte Japan alle seine Besitzungen auf dem asiatischen Festland ein und wurde damit wieder zu einem reinen Inselstaat. Dieser geriet darüber hinaus unter die Kontrolle der USA, die damit einen „unsinkbaren Flugzeugträger“, wie der 45. Premierminister Japans von 1982 bis 1987, Nakasone Yasuhiro, es nannte, vor der Küste des kommunistischen Machtbereiches in Ostasien gewannen. An der US-amerikanischen Präsenz änderte auch der am 28. April 1952 in Kraft getretene Friedensvertrag von San Francisco zwischen Japan und 48 Staaten auf alliierter Seite nichts. Ebenso verlor Japan seine militärische Schlagkraft, weil es nur noch über Selbstverteidigungsstreitkräfte verfügen durfte, die allerdings während des Kalten Krieges aufgrund des Drucks aus Washington kontinuierlich verstärkt wurden.

Dekolonisation in Asien
Massive Veränderungen fanden gleichermaßen in den von Japan annektierten Kolonien der Briten, Franzosen und Niederländer sowie auf den von den USA dominierten Philippinen statt. Nach dem Rückzug der japanischen Besatzer wehrten sich die Einheimischen flächendeckend gegen die Wiedereinführung des Status quo ante.

In Französisch-Indochina rief der Führer der Viet-Minh-Rebellen, Ho Chi Minh, noch am Tage der Unterzeichnung der japanischen Kapitulation die Demokratische Republik Vietnam aus, die das ganze Land umfassen sollte. Mit ihrem Widerstand hiergegen scheiterten erst die Franzosen im Indochinakrieg und dann die US-Amerikaner im Vietnamkrieg.

Bereits vor der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde am 2. September durch Japan, nämlich am 17. August des Jahres, begann der indonesische Unabhängigkeitskampf mit der Unabhängigkeitserklärung von Niederländisch-Indien. Auch hier leistete die plötzlich wieder präsente Kolonialmacht Widerstand, musste jedoch im Dezember 1949 das Feld räumen.

Etwas weniger gewaltsam verlief die Entwicklung auf den Philippinen, wo die letzten im Dschungel untergetauchten kaiserlich-japanischen Soldaten erst 1974 kapitulierten. Die USA entließen die Inselgruppe am 4. Juli 1946 in eine Unabhängigkeit, die nachfolgend durch zahlreiche innere Konflikte geprägt war.

Ansonsten hatte das Ende des Zweiten Weltkrieges auch gravierende Auswirkungen auf Britisch-Indien. Das „Kronjuwel des Empire“, dessen Ureinwohner seit 1857 in immer stärkerem Maße gegen die Kolonialherrschaft opponierten, erlangte 1947 seine Unabhängigkeit von London, wobei die Aufspaltung der Kolonie in Indien und Pakistan insgesamt vier Kriege auf dem Subkontinent nach sich zog.

Eine weitere Konsequenz der Niederlage Tokios war die Teilung der ehemaligen japanischen Kolonie Korea entlang des 38. Breitengrades, an welcher der Koreakrieg von 1950 bis 1953 nichts Wesentliches änderte.

Schließlich konnten die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong infolge des sowjetischen Einmarsches in der Mandschurei über ihre bürgerlich-nationalistischen Gegenspieler triumphieren. Das führte 1949 zur Gründung der Volksrepublik China, die sich anschickt, sich zum Hauptkonkurrenten der einzigen verbliebenen Supermacht zu mausern.


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