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Steingewordene Erinnerung: Mendel-Monument vor dem nach ihm benannten Museum in der Masaryk-Universität von Brünn
Foto: imago images/Volker PreußerSteingewordene Erinnerung: Mendel-Monument vor dem nach ihm benannten Museum in der Masaryk-Universität von Brünn

Vererbungslehre

Der forschende Abt von Brünn

Vor 200 Jahren wurde Gregor Johann Mendel geboren – Ein Festival in Tschechien feiert im Juli den „Vater der Genetik“

Veit-Mario Thiede
17.07.2022

Die 1902 am Feuerwehrhaus von Gregor Johann Mendels Geburtsort Heinzendorf (Hynčice) angebrachte Gedenktafel nennt ihn „Klassiker der Botanik“. Der Begriff „Genetik“, unter dem man die wissenschaftliche Vererbungslehre versteht, war damals noch nicht geläufig. Heute aber wird Mendel als „Vater der Genetik“ bezeichnet, da er die Grundprinzipien der Vererbung entdeckte. Im Juli wird sein 200. Geburtstag gefeiert.

Rätselhaft ist, wann genau der Klassiker der Botanik geboren wurde, wie Vladan Lazecký berichtet. Er ist stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde, zu der Heinzendorf gehört, Der erst 1832 ausgestellte Taufschein Mendels nennt den 20. Juli 1822 als Geburtsdatum. Auf der Gedenktafel des Feuerwehrhauses, das Mendel seinem Geburtsort stiftete, wird der 22. Juli 1822 genannt. Dieses Datum bezeichnete auch Mendel als seinen Geburtstag.

Das Gehöft, in dem er zur Welt kam, steht unweit des Feuerwehrhauses. Mithilfe einer deutsch-tschechischen Stiftung hergerichtet, dient es als Begegnungsstätte und Mendel-Museum. Es stellt anhand von Objekten, Fotografien, Dokumenten und Texttafeln Mendels Leben und Wirken vor. Er war der einzige Sohn einer deutschsprachigen Bauernfamilie im „Kuhländchen“, das zu Österreichisch-Schlesien gehörte.

„Meine Zeit wird noch kommen!“

Der begabte Bauernsohn studierte am Philosophischen Institut von Olmütz. Nicht zuletzt wegen seiner schlechten Finanzlage, die ihn auch psychisch stark belastete, trat Mendel 1843 in die Augustinerabtei von Alt Brünn ein. Er studierte sodann in Brünn (Brno) Theologie sowie Ökonomie, Obstbaumzucht und Weinbau. Anschließend hörte er in Wien Vorlesungen über Mathematik, Statistik, Physik und Botanik. So gerüstet, lehrte er ab 1854 rund 14 Jahre lang an der Oberrealschule in Brünn.

Nebenher beschäftigte er sich mit Bienenzucht, Wetterkunde und dem Klostergarten. Hier nahm er 1854 seine Kreuzungsexperimente mit Erbsen auf. Seine Erkenntnisse trug er im Februar und März 1865 in den Räumen der Oberrealschule den Mitgliedern des Naturforschenden Vereins vor. Im Jahr darauf erschienen seine beiden Vorträge unter dem Titel „Versuche über Pflanzen-Hybride“ im Druck.

Mendels Forschungsergebnisse machten auf die Fachwelt jedoch keinerlei Eindruck. Er soll geäußert haben: „Meine Zeit wird noch kommen!“ Ihm selbst blieb jedoch keine Zeit mehr für die Fortsetzung seiner Forschungen, da die Mitbrüder ihn 1868 zu ihrem Abt wählten. Die letzten zehn Lebensjahre des am 6. Januar 1884 gestorbenen Abtes überschattete der Konflikt mit dem Staat über Steuererhöhungen, die Mendel als die Existenz des Klosters bedrohend verweigerte.

Kurioserweise waren es im Jahre 1900 gleich drei Botaniker, nämlich Carl Correns, Hugo de Vries und Erich Tschermak von Seysenegg, die Mendels „Versuche über Pflanzen-Hybride“ wiederentdeckten und deren enormen wissenschaftlichen Wert propagierten. Das originale Manuskript wird anlässlich von Mendels 200. Geburtstag anstatt des im Mendel-Museum der Augustinerabtei sonst ausgestellten Faksimiles präsentiert und reist im Oktober weiter nach Brüssel und Paris, wie Philipp Böhm berichtet.

Böhm gehört dem Komitee an, das das Mendel-Festival organisiert. Das mit Wissenschaft, Glauben und Unterhaltung aufwartende Festival findet vom 17. bis zum 24. Juli auf dem Gelände und in den Räumen des Augustinerklosters statt, das darüber hinaus auf Dauer im Mendel-Museum sowie dem Abteimuseum den Wissenschaftler, Augustiner und Menschen Mendel vorstellt.

Mendels verräterisches Haar

Den Bogen in unsere wissenschaftliche Gegenwart wiederum schlägt das im Bischofshof angesiedelte Mendelianum. Im Saal und in den angrenzenden Räumen, in denen sich früher Mendel und die anderen Mitglieder der Ackerbaugesellschaft trafen, werden Persönlichkeit und Werk in Beziehung zur heutigen Genetik gesetzt.

Die Brünner Masaryk-Universität ehrt Mendel vom 20. bis 23. Juli mit der „Mendel Genetics Conference“, auf der Sárka Pospíšilová die Ergebnisse von Mendels Genomanalyse vorstellen wird. Die Vizerektorin der Universität leitete archäologische, anthropologische und genetische Untersuchungen, die der Grabanlage der Augustiner auf dem Zentralfriedhof und insbesondere den sterblichen Überresten Mendels galten. Diese vermuteten die Wissenschaftler in einem Zinnsarg. Das bestätigte ausgerechnet ein DNA-Abgleich. Dem „Vater der Genetik“ kam man also mit einer Genanalyse auf die Spur. Seine DNA entnahm man einem Haar, das die Forscher in einem von Mendels Büchern entdeckten. Seit November letzten Jahres ist er wieder bestattet.

Für Herbst ist die Vollendung zweier Großprojekte zu Ehren Mendels vorgesehen. Im Abteigarten wird eine Rekonstruktion des Gewächshauses errichtet, in dem er seine Erbsenexperimente ausführte. Und auf dem neu gestalteten Mendelplatz wird das Monument eingeweiht, das die drei Mendelschen Regeln der Vererbung veranschaulicht. Das von Jaromír Gargulák entworfene und hauptsächlich aus Bronze angefertigte Kunstwerk heißt „Hrachovina“ (Erbsen). Bodenreliefs veranschaulichen die Uniformitätsregel und die Spaltungsregel.

Spektakulärer, fast fünf Meter aufragender Höhepunkt sind die 16 Erbsenpflanzen der Neukombinationsregel. Wer mindestens 50.000 Euro als Spendengeld gibt, darf seinen Namen auf eine der 16 Erbsen gravieren lassen und in ihr seine DNA-Probe deponieren. Bislang hat Böhm drei Spender dafür gewonnen. Auch Mendels DNA kommt in eine der Erbsen. Damit er mal geklont wird?

• Informationen zum Mendel-Festival (auf Deutsch): www.sochapromendela.cz/de, zum Geburtshaus (nur auf Tschechisch): www.mendel-rodnydum.vrazne.cz



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Kommentare

sitra achra am 17.07.22, 11:59 Uhr

Soviel mir bekannt ist, war der gute Mann Österreicher und kein Tschusche. Eigentlich hätten die Ösis den Auftrag, einen der ihren zu feiern. Aber die lassen sich ja beinahe alles gefallen, sehr bedauerlich.

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