11.02.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Der Epstein-Skandal in England

Der Premierminister steht vor dem Abgrund

Claudia Hansen
11.02.2026

Anderthalb Jahre nach seiner Wahl ist Premierminister Keir Starmer in die schwerste Krise seiner ohnehin glücklosen Amtszeit gestürzt. Der Fehler, den er mit der Berufung von Peter Mandelson zum Botschafter in Washington vor gut einem Jahr machte, hängt dem sozialdemokratischen Regierungschef nun wie ein Mühlstein um den Hals. Denn Mandelson, das hat sich inzwischen herausgestellt, steckt tief im Skandalsumpf um Jeffrey Epstein, den verstorbenen US-Finanzier und Kinderschänder. Auch nach dessen Verurteilung wegen Prostitution minderjähriger Mädchen hatte Mandelson über Jahre einen freundschaftlichen Kontakt gehalten – und Epstein sogar mit Insider-Wissen aus der britischen Regierung versorgt. Die Polizei ermittelt jetzt gegen ihn wegen Amtsmissbrauch.

Nun fragt sich ganz England: Warum hat Starmer den Labour-Veteran überhaupt zum Botschafter gemacht, wo es doch schon klare Hinweise auf die Ep­stein-Verstrickung gab? Am Sonntag opferte sich sein Stabschef Morgan McSweeney und trat zurück. Der engste Berater Starmers übernahm „die volle Verantwortung“ dafür, dass er die Berufung Mandelsons empfohlen habe. Dennoch sieht Starmer sehr schlecht aus. Die frühere stellvertretende Labour-Parteivorsitzende Harriet Harman sagte, der Premier wirke „schwach, naiv und blauäugig“, wenn er immer nur sage, er sei von Mandelson getäuscht worden. Die oppositionellen Tories werfen Starmer vor, er schiebe die Verantwortung nur auf andere. Für die rechte Partei Reform UK des ehemaligen Brexit-Frontmanns Nigel Farage ist die Ep­stein-Mandelson-Affäre nur der letzte Beweis dafür, dass die Labour-Regierung im Inneren verrottet sei.

Über Jahre war Lord Peter Mandelson – wie er seit der Ernennung in den Adelstand offiziell heißt – die Graue Eminenz der Labour-Partei und einer der mächtigsten, wenn auch umstrittensten Politiker des Landes. „Mandy“, so der Spitzname des homosexuellen Politikers, war entscheidend an den Wahltriumphen von Tony Blair beteiligt. Nach Skandalen und Rücktritten kam er immer wieder zurück. Er amtierte als Wirtschaftsminister und EU-Handelskommissar. Doch seine Beziehung zu Epstein bedeutete nun das finale Aus seiner Karriere. Der heute 72 Jahre alte Ex-Minister ist jetzt völlig diskreditiert. Er ist aus dem Oberhaus und der Labour-Partei ausgetreten.

Mit ihm aber ist auch der Premier nahe an den Abgrund geraten. Einzelne Labour-Abgeordnete nannten Starmers Position „unhaltbar“. Der Labour-Regionalchef in Schottland, Anas Sarwar, forderte den Premier und Parteichef zum Rücktritt auf, doch der lehnte einen Rückzug ab.

Starmer hat es vorerst geschafft, sein Kabinett zu einer Wagenburg auszubauen. Doch die Bruchlinien sind klar. Einige Rebellen könnten ihn stürzen. Im Hintergrund sinnt die frühere Vize-Regierungschefin Angela Rayner, die vom linken Parteiflügel unterstützt wird, auf Rache. Sie musste vor einem halben Jahr wegen einer Steuerhinterziehungsaffäre zurücktreten. Labour befindet sich in einer schlechten Lage. Die Umfragewerte sind katastrophal. Ende Februar dürfte die Partei eine Nachwahl in einem Wahlkreis im Großraum Manchester verlieren. Und im Mai droht Labour bei den Regionalwahlen in Schottland und Wales sowie den Kommunalwahlen in England ein Desaster. Viele in Westminster glauben, dass spätestens dann die Zeit für Premierminister Starmer abgelaufen ist.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS