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Analyse

Der Weg der Attentäter von Krasnogorsk

Bodo Bost
27.03.2024

Tadschiken dominieren immer mehr den Islamischen Staat (IS) und den islamischen Terror in Europa. Auf ihrem Weg von Tadschikistan und Afghanistan nach Europa durchqueren sie auch Russland, die ehemalige Kolonialmacht. Das Massaker von Krasnogorsk bei Moskau mit mindestens 137 Toten verübten womöglich Durchzügler, die weiter in die Ukraine wollten, um in die EU zu gelangen.

Nirgendwo begann nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 schneller ein regionaler Bürgerkrieg islamischer Akteure als in Tadschikistan. Das Land teilt die längste gemeinsame Grenze ehemaliger Sowjetrepubliken mit Afghanistan. Während der sowjetischen Besatzung Afghanistans lief der sowjetische Nachschub durch dieses Land. Auch der Widerstand gegen die Taliban in Afghanistan hatte unter den Tadschiken im Pand-schschir-Tal in der Nähe von Tadschikistan seinen größten Rückhalt.

Die Rolle der Tadschiken
Auf beiden Seiten der afghanisch-tadschikischen Grenze leben Tadschiken, die mehr als 20 Prozent der Bevölkerung Afghanistans ausmachen und die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe des Landes stellen. Unter den Asylsuchern aus Afghanistan in der EU und Deutschland stellen die Tadschiken bereits die Mehrheit.

Russlands Präsident Wladimir Putin ist es in den 20 Jahren seiner Herrschaft, zum Teil sogar mit US-Hilfe gelungen, die ehemalige Sowjetrepublik Tadschikistan zu befrieden, indem unter anderem Russland dort wieder eine Militärbasis errichtete. Allerdings konnte auch Putin nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im Sommer 2021 nicht mehr kontrollieren, was hinter der früheren sowjetischen Grenze vorgeht. Dort haben sich auch viele Tadschiken mit den neuen Machthabern aus dem Volk der Paschtunen arrangiert und profitieren davon, indem die Taliban einer immer größeren Anzahl von Tadschiken erlauben, in den Westen zu migrieren, wo Afghanen zu fast 70 Prozent als asylberechtigt anerkannt werden, ganz egal über welche Wege sie in die EU gekommen sind. Nicht nur Putin lässt die Tadschiken fast unkontrolliert ins Land, um sie an die EU-Außengrenze und nach Belarus weiterziehen zu lassen.

Über Russland in den Westen
Bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 durften Tadschiken auch noch weiter in die Ukraine reisen, von wo sie seit damals unkontrolliert auch nach Westeuropa gelangen können, und zwar als Ausländer aus der Ukraine. Dabei hatte man lange nicht gemerkt, dass sich auch der IS nach seiner Niederlage in Syrien und dem Irak 2017 in Afghanistan daran machte, mithilfe der Tadschiken sich ein neues Herrschaftsgebiet mit Terror zu erobern.

Die IS-Provinz Khorasan wurde so geboren. Die nach der Region benannte Gruppierung islamischer Terroristen ist jetzt der mit Abstand gefährlichste aller IS-Ableger weltweit. Das hat auch mit der Politik Putins und seines Krieges gegen die Ukraine zu tun, weil dadurch für Tadschiken die Tore sowohl Moskaus als auch der EU weit offenstehen. Das hat das Massaker von Krasnogorsk bei Moskau bewiesen, die schlimmste islamische Terrortat in Russland seit 20 Jahren.

Schon 2023 war es den Tadschiken aus Afghanistan gelungen, die Balkanroute wirtschaftlich und militärisch zu übernehmen, dank eines florierenden Waffenhandels und eines visafreien Flugverkehrs zwischen Moskau und Belgrad, einem EU-Beitrittsland. Während sich die Paschtunen mit Opium finanzieren, leben die Tadschiken vom Asylgeschäft.

Ein Geheimdienstdossier über Verbindungen zwischen Immigration und Terrorismus befindet sich auf der Webseite des ungarischen Parlaments. Seit Oktober 2023 wird zudem davor gewarnt, dass auch die palästinensische Terrorgruppe Hamas versucht, die Migrationsroute über den westlichen Balkan zu nutzen, um Mitglieder nach Westeuropa zu schleusen, als Rückzugsgebiet im Kampf gegen Israel. In derselben Zeit spähten Tadschiken auch Terrorziele in der Bundesrepublik, Österreich und Schweden aus.

In Deutschland war der Kölner Dom ein Ziel, in letzter Minute konnte ein islamisches Attentat zu Weihnachten 2023 verhindert werden. In Moskau konnten die Tadschiken hingegen jetzt zuschlagen. Die Fluchtroute der Attentäter Richtung ukrainischer Grenze deutet darauf hin, dass sie eigentlich in die EU wollten, wo sie dank Asylmöglichkeiten einen sicheren Hafen gehabt hätten.

Risiken für die Fußball-EM
In dem ungarischen Bericht wird auch auf die Bedeutung einer „Verbindung“ zwischen Moskau und Belgrad hingewiesen, die für die Budapester Regierung politisch heikel ist. Moskau ist nämlich auch eine Drehscheibe in der Balkanroute. Weil die Grenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan praktisch unkontrolliert ist, können sich Afghanen tadschikischer Herkunft leicht tadschikische Pässe besorgen, mit denen sie ohne Visum nach Moskau und dann ohne Visum von Moskau nach Belgrad reisen können.

Orbáns nationaler Sicherheitsberater György Bakondi sagte im Oktober im ungarischen Fernsehen: „Aufgrund der gescheiterten Migrationspolitik der EU entscheiden jetzt der Geheimdienst der Taliban und die afghanische Regierung, wer nach Europa einreisen darf.“ Für Deutschland entstehen während der Fußball-Europameisterschaft ungeahnte Sicherheitsrisiken. So ist etwa Nordrhein-Westfalen, wo die meisten Spiele stattfinden, auch das Zentrum der Tadschiken in Deutschland.


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