Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Wenn diejenigen, die können und wollen, enttäuscht gehen, ist ein verarmter, handlungsunfähiger Staat das Resultat. Ein Alarmsignal für Deutschland
Es ist längst mehr als ein Gefühl, und viel mehr als nur ein Raunen in Vorstandsetagen oder unter Selbstständigen, unter Erfolgshungrigen sowie unter jungen Akademikern. Deutschland erlebt eine wachsende Abwanderung top ausgebildeter, leistungsbereiter sowie -fähiger Menschen: Unternehmer verlagern Investitionen, Fachkräfte nehmen Angebote im Ausland an, Gründer bauen ihre Firmen gleich dort auf, wo sie bessere Bedingungen vermuten. Wer das als zufällige Bewegung in einer globalisierten Welt abtut, macht es sich zu einfach. Die Entwicklung hat Ursachen – und sie wird Folgen haben, böse Folgen mit heftigen Nebenwirkungen. Denn Menschen gehen nicht nur wegen des Wetters oder der Landschaft. Sie gehen, wenn sie glauben, dass sie und ihre Arbeit anderswo mehr zählen, dass Leistung dort eher belohnt als problematisiert wird, dass Aufstieg, Karriere und Erfolg möglich sind und der Staat ihnen nicht permanent als Bremser, Belehrer oder Umverteiler gegenübertritt.
Die Gründe sind vielschichtig. Eine hohe Steuer- und Abgabenlast, ebenso eine ausufernde Bürokratie, umständliche Genehmigungsverfahren und eine Verwaltung, die im internationalen Vergleich träge und ineffektiv wirkt. Wer ein Unternehmen gründet oder erweitert, braucht in Deutschland Geduld wie ein Mönch und Nerven wie Drahtseile.
Hinzu kommt ein gesellschaftliches Klima, das viele als ambivalent erleben. Einerseits wird nach Innovation, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit gerufen. Andererseits begegnet man wirtschaftlichem Erfolg oft mit Skepsis. Gewinne gelten schnell als verdächtig, Vermögen als moralisches Problem, unternehmerische Freiheit als potentielle Gefahr. Wer viel leistet, genießt kaum noch hohes Ansehen – sondern gilt als der Dumme oder muss sich rechtfertigen.
Wenn besonders Qualifizierte gehen, verliert ein Land mehr als nur Köpfe. Es verliert Dynamik, Steuereinnahmen, Innovationskraft und Vorbilder. Leistungsträger sind überdurchschnittlich oft Arbeitgeber, Ausbilder, Steuerzahler, Mäzene, Vereinsgründer. Sie investieren in neue Ideen, ziehen weitere Talente an und sie investieren und reinvestieren vorhandenes Geld, das sonst abfließen oder in die wirtschaftlich schlechtesten Hände geraten würde: in die des Staates, der es nur dorthin verteilt, wo es versickert und verloren geht.
Weniger Unternehmensgründungen bedeuten zudem weniger neue Jobs. Weniger Investitionen führen zu geringerer Produktivität. Sinkende Steuereinnahmen engen den finanziellen Spielraum des Staates ein – ausgerechnet in einer Zeit, in der enorme Mittel für Transformation, Verteidigung, Bildung und Infrastruktur benötigt werden. Gleichzeitig wächst die Belastung für diejenigen, die bleiben. Eine fatale Spirale droht: nämlich höhere Lasten, geringere Attraktivität, weitere Abwanderung. All das hat Konsequenzen. Gesellschaften leben vom Vertrauen, dass Anstrengung sich lohnt. Wenn jedoch der Eindruck entsteht, genau das funktioniert nicht mehr, während es im Ausland immer einfacher wird, erodiert dieses Versprechen.
In diese Lage hinein fallen dann auch noch politische Signale, die viele Leistungsbereite als überaus irritierend empfinden. Besonders deutlich zeigt sich das aktuell bei der SPD. Sie arbeitet an einem neuen Grundsatzprogramm, mit dem sie sich erneut als Schutzmacht des Sozialstaats profilieren will – ausgerechnet in dem Moment, in dem Reformen, Prioritätensetzung und Kürzungen unvermeidlich wären, um den Staat wieder handlungsfähig und die Wirtschaft wettbewerbsfähig zu machen.
Defensive statt Reformkraft
Die SPD setzt damit auf das völlig falsche Pferd. Statt die Grundlagen des Sozialstaats zu sichern, indem Wachstum ermöglicht, Leistung belohnt und Beschäftigung geschaffen wird, vertieft sie die Logik der Umverteilung und Ausweitung staatlicher Ansprüche. Das ist nicht sozial, sondern extrem kurzsichtig. Ein überdehnter Sozialstaat ohne ausreichende Wertschöpfung ist kein Schutzversprechen, sondern ein Risiko – vor allem für kommende Generationen.
So wird die SPD zunehmend zur Abrissbirne von Wohlstand und Zukunft. Ihr Programm ist kontraproduktiv zu dem, was jetzt nötig wäre: wirtschaftliche Erneuerung, Produktivitätsgewinne, Investitionen. Stattdessen droht zusätzlicher Streit mit dem Koalitionspartner, den führende Sozialdemokraten – allen voran SPD-Co-Chefin Bärbel Bas – bereits offen in Aussicht stellen. Mehr wird davon nicht bleiben. Eine Partei, die die ökonomischen Grundlagen ihres eigenen Politikversprechens zerstört, handelt politisch suizidal – nicht umsonst sprechen manche bereits hinter vorgehaltener Hand von der „Suizidalen Partei Deutschlands“.
Aber auch die Union trägt durch ihr aktuelles Verhalten zur politischen und wirtschaftlichen Lähmung bei. Statt sich als klare Reformkraft zu positionieren, agiert sie zunehmend defensiv. Aus wahltaktischen Gründen – insbesondere mit Blick auf die Landtagswahlen in diesem Jahr – meidet sie unpopuläre, aber dringend notwendige Positionen. Diese feige Strategie hat Folgen. Wo Reformen ausbleiben, werden bestehende Strukturen konserviert. Wo Konflikte gescheut werden, setzen sich bestehende politische Leitlinien fort. Indem die Union zentrale wirtschafts-, energie- und sozialpolitische Fragen nicht offensiv angeht, überlässt sie das Feld jenen Kräften, die stärker auf Regulierung, staatliche Steuerung und Umverteilung setzen – also dem linken politischen Spektrum des Landes.
Paradoxerweise rückt die Union so selbst nach links – nicht aus Überzeugung, sondern aus Anpassung. Wer versucht, durch programmatische Unschärfe möglichst wenige Wähler zu verprellen, übernimmt implizit die Deutungsrahmen politischer Gegner. So werden grüne und linke Positionen normalisiert. Das Ergebnis ist eine politische Asymmetrie.
Nick Neumann am 23.02.26, 21:46 Uhr
"Wo Reformen ausbleiben, werden bestehende Strukturen konserviert."
Ich glaube das Wort welches sie suchen, Herr Eichler, um die CDU zu beschreiben ist... "Konservativ" und bei aller Missgunst muss man ihnen dies lassen, sie ist und bleibt Konservativ.
Wer urkonservative Werte hochhält, ohne sie auf aktuellen Nutzen oder Sinn zu prüfen, muss sich nicht wundern, wenn ein Land dadurch zurückfällt.
Dr. Dr. Hans-Joachim Kucharski am 16.02.26, 10:36 Uhr
Unter Berufung auf ‚Gerechtigkeit‘ werden den ‚Besserverdienenden‘ und den mit den angeblich ‚breiten Schultern‘ (bislang war mir nicht bekannt, daß zwischen der Einkommenshöhe und der Schulterbreite ein Zusammenhang besteht) immer höhere Steuern aufgeladen. Ständig wird gefordert, daß sie endlich mal etwas zur Gerechtigkeit beitragen sollen, obwohl diese das längst tun.
Aber wie wäre es, wenn die angeblich Reichen sich mal auf das beschränkten, was zu ihrem Lebensunterhalt unbedingt nötig ist? Dann gäbe es nichts mehr umzuverteilen, was aber gravierende Nachteile für den Sozialstaat hätte. Hat man sich das wirklich gut überlegt?
Jan Kerzel am 12.02.26, 08:52 Uhr
Eine strukturelle Reform an Haupt und Gliedern ist undenkbar und wird es auch nicht geben. Die Sozialpolitik ist hierbei nur ein Problemfeld. Die Wirtschaft kann v.a. die defizitäre Energiepolitik nicht kompensieren. Der Staat erhöht im Gegenzug via Schuldenaufnahme den Staatskonsum, z.B. durch das Erstellen von Rüstungsgütern. Die schaffen aber keinen Mehrwert, abgesehen von den Waffenverkäufen. . Die beklagten Ausgleichsabwanderungen sind , global und europäisch betrachtet, systemimmanent. Ein BRD-Nationalismus ist hier fehl am Platze. Der bundesdeutschen Gesellschaft , der Bundesrepublik insgesamt, fehlt die große Sinnklammer. Deswegen gehen die Dinge schnell mehr auseinander als zusammen. Über Russenangst und Militär versucht man zur Zeit seitens der Politik hier etwas, quasi im klassischen Sinne, zu bewerkstelligen.. Der Verfassungspatriotismus ist darin verwoben , aber er wird interessanterweise zurückgestellt .Was aber letztlich zählt , ist die möglichst große Freiheit des Individuums. Was dagegen spricht, ist abzulehnen und wird letztlich scheitern. Freiheit , Kreativität und Leistung bedingen sich gegenseitig. Die alte Vorstellung , das Anhäufen von Arbeit sei Leistung , ist passe.
Rolf Pagel am 11.02.26, 19:17 Uhr
So manche Mitglieder der CDU sind selber links, siehe Frau Prien, Henrik Wüst und Daniel Günther. Letzterer wurde schon von Frau Merkel gebeten, eine Koalition mit der Linken auszuloten!