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Warum den Deutschen langsam mulmig wird, und wie die Politik von sich selbst ablenkt
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten! Vergangenen Herbst erst haben zahlreiche Zuschauer voller Entzücken die Sprengung der Kühltürme des stillgelegten Kernkraftwerks im bayerischen Gundremmingen gefeiert. Nun kamen auch die Menschen in Lausitz auf ihre Kosten. Beim brandenburgischen Jänschwalde wurde eine mehr als 500 Meter lange Förderbrücke für den Braunkohletagebau in die Luft gejagt. Es war die größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt. Daher soll es bis zum Herbst dauern, bis der ganze Stahl des Kolosses, der ob seiner Ausmaße als „liegender Eiffelturm“ bewundert wurde, verschrottet sein wird.
Etwas war allerdings anders: In Gundremmingen haben viele Leute das „Event“ der Sprengung regelrecht zum Volksfest erhoben. Im Hinblick auf die Stimmung in Jänschwalde berichtet der Sender rbb dagegen nur über „betretene Stille“ unter den Anwesenden. Also doch keine gute Nachricht?
Es hat den Anschein, dass die Zahl der Deutschen wächst, die den klimaschutzbegeisterten Abriss ihrer heimischen Energieversorgung nicht mehr so rundum bejubeln möchte, wie sie das vielleicht vor ein paar Jahren noch getan haben. Es dämmert ihnen wohl, dass da eine Brücke nach der anderen niedergebrannt wird, ohne dass die grünen Feuerteufel und deren schwarze und rote Helfershelfer auch nur einen Schimmer davon haben, woher sichere und bezahlbare Energie realistischerweise kommen soll am verheißungsvollen Ufer der „erneuerbaren“ Klimaneutralität. So stehen sie da herum und gucken „betreten“. Kann man verstehen.
Politiker sind da sehr viel elastischer. Wenn die Falle ihrer falschen Politik zuschnappt, stellen sich die meisten von ihnen nur eine einzige Frage: Wie kann ich sicherstellen, dass mich keiner verantwortlich macht für den ganzen Quatsch, den ich angestellt habe?
Bei dieser Übung ist Dreistigkeit der beste Ratgeber. Davon besitzt Michael Kellner eine ganze Menge. Der Grünen-Politiker war selbst Staatssekretär beim Energie-Abrissminister Robert Habeck. Nun wirft er der CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche doch tatsächlich vor, dass ihr zu den leerlaufenden Gasspeichern nichts Hinreichendes einfalle. Anders gesagt: Erst haben sie die Energieversorgung mit Schmackes in die Grütze gefahren, und nun werfen sie den Nachfolgern vor, dass die aus dem grünen Schlamassel keinen Ausweg fänden. Hut ab!
Aber Schwarz-Rot kann das auch: In Berlin zeigt der CDU/SPD-Senat seit Kurzem mit dem Finger auf den Naturschutzbund Deutschland (Nabu), wenn sich die Hauptstädter beschweren, dass sie doch kein Streusalz auf den Gehwegen ausbringen dürfen. Der Nabu habe das Verbot schließlich vor Gericht erstritten, obwohl der Senat das Salzstreuen erlauben wollte. Selbst die bekannte Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang schimpft über die erfolgreiche Nabu-Klage: „Sorry, aber was für ein Wahnsinn.“
Da kann man ihr nur zustimmen. Allerdings muss Frau Lang zwei heikle Punkte unerwähnt lassen, damit ihre Schuldzuweisung nicht auf sie selbst zurückfällt: Einerseits konnte der Nabu nämlich nur auf der Basis von Gesetzen klagen, welche die Politik zuvor selbst beschlossen hatte, wobei die Grünen für Verbote wie jenes gegen das Salzstreuen immer in vorderster Front gekämpft haben. Außerdem hat der mächtige Umweltverband seit 2020 mehr als 50 Millionen Euro an Zuschüssen aus Steuermitteln geschenkt bekommen, weil die herrschenden Politiker es so wollten. So viel Geld im Rücken macht einen auch vor Gericht stärker.
Opium für die Linke
Mit diesen beiden Details im Blick wirkt Langs Ärger schon ein bisschen aufgesetzt, denn die eigene Mitschuld an den Missständen lässt sie unerwähnt. Im Grunde sollten und wollen wir Politikern ja hoch anrechnen, dass sie dazugelernt haben. Wenn sie sich jedoch voller Empörung über die Resultate ihrer eigenen Politik beschweren, ohne jemals einzuräumen, dass sie Mist gebaut haben, dann hinterlässt das bei uns einen faden Beigeschmack.
Dann sollen sie doch lieber bei ihren Irrtümern bleiben. So wie das Schifffahrtsamt in Hamburg, das seine Strahlenschutzbeauftragte gefeuert hat, weil sie nicht durchgängig gendern wollte.
Wo Gendern „vom Aufgabengebiet ablenkt“, sei es unangebracht, argumentiert die Frau. Werde „zum Beispiel der juristische Begriff ‚ermächtigter Arzt' durch ‚fachärztliche Person' ersetzt, ist das Klarheitsgebot verletzt“, erklärte die Beauftragte und bekam vor Gericht recht.
Leider produziert Gendern eben nicht nur gelegentliche Unschärfen, sondern auch regelrechten Blödsinn. Denken wir nur an den „Radfahrenden“, der gendersprachlich an die Stelle des „Radfahrers“ treten soll. Nur: „Radfahrend“ ist der Radfahrer eben nur in dem Moment, in dem er den Drahtesel auch wirklich fährt. Wenn der Radfahrer dagegen einen Bus besteigt, bleibt er zwar immer noch Radfahrer. „Radfahrender“ wäre er dann aber nur, wenn er im fahrenden Bus dauernd den Mittelgang rauf und runter radelte, was ihm die Missbilligung des Busfahrers einbringen und in einem robusten Rauswurf gipfeln dürfte.
Auch ein Sportschwimmer, der in seinem Bett ruht, ist kein „Schwimmender“. Es sei denn, er hat sich in übermenschlichem Maße eingenässt und schwimmt nun zwischen den Federn in seinem – igitt. Wir hatten ja keine Ahnung, wie schmutzig diese Genderei werden kann!
Vielleicht auch deshalb könnte es mit dem Unsinn ebenso schnell vorbei sein wie mit anderen linken Irrwegen. Ob es danach besser wird mit den Roten, steht allerdings dahin. Am linken Rand entdeckt man nämlich einen neuen Leitstern, der mit der klassischen Vorstellung von Linkssein so viel gemein hat wie die Mullahs mit Frauenrechten.
Im Bundestag konnten wir neulich den Linkspartei-Protagonisten Ferat Kocak beobachten, wie er einen Vorstoß der parlamentarischen Gegenseite wörtlich als „haram“ und „gottlos“ zurückwies. Ein Kommunist argumentiert mit der Religion? Hätte er sich aufs Christentum bezogen, wäre wohl ein Raunen durch die eigenen Reihen gegangen. So sahen wir bloß ein zufriedenes Grinsen bei den Genossen. Islam ist in Ordnung.
In New York ging der linksradikale neue Bürgermeister Zohran Mamdani noch einen Schritt weiter: Sein Amt für Einwanderer feierte am „Welt-Hijab-Tag“, dem 1. Februar, die muslimische Frauenverschleierung als „kraftvolles Symbol der Hingabe“ der Frauen und Mädchen zum „muslimischen Erbe“, weil sie mit der Verhüllung ihren „Glauben, ihre Identität und ihren Stolz“ zelebrierten.
Hatte Karl Marx die Religion nicht als „Opium für das Volk“ angeprangert und verworfen? So gesehen verwandelt sich die radikale Linke gerade weltweit in eine gigantische Drogenhölle. Allerdings muss man wohl auch ganz schön starkes Zeugs nehmen, um auf derart bizarre Abwege zu geraten.