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Wissenschaftler beider Nationen arbeiten ohne Vorbehalte in einem Handbuch die Okkupation aus diversen Perspektiven auf
In einem Polenstädtchen, da lebte einst ein Mädchen, das war so schön. Sie war das allerschönste Kind, das man in Polen find't. ,Aber nein, aber nein', sprach sie, ,ich küsse nie'“ – so heißt es in einem bekannten deutschen Volkslied. Doch wie war es denn nun wirklich? Wie sah die deutsche Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg aus? Wie erlebten sie die deutschen Soldaten und Zivilangestellten, wie kamen die polnischen Familien zurecht?
Mit diesen Fragen wird sich das Handbuch der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg beschäftigen, das derzeit erstellt wird. An der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder stellten die Autoren Prof. Dr. Paweł Machcewicz von der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt von der Touro University Berlin ihre geplante Publikation vor. Moderiert wurde das öffentliche Podiumsgespräch von Prof. Dr. Werner Benecke von der Universität Viadrina.
Klerikale Versöhnung
In ihrer Begrüßung erinnerte Dagmara Jajesniak-Quast, Leiterin des Viadrina Center of Polish and Ukranian Studies an der Frankfurter Universität, daran, dass vor 60 Jahren – nämlich am 18. November 1965 – zum Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils die polnischen Bischöfe ihren deutschen Amtsbrüdern mit den Worten „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ die Hand zur Versöhnung reichten. Polen war das erste Opfer des von den Nationalsozialisten im Osten Europas entfesselten Vernichtungskrieges. Auf deutscher Seite prägten Flucht und Vertreibung von Millionen Menschen aus den östlichen deutschen Siedlungsgebieten die Erinnerung – dabei wurden mehr als 1,3 Millionen Deutsche gefoltert, vergewaltigt und ermordet.
Die polnischen Bischöfe beschrieben diese deutsche Okkupationszeit damals als eine „furchtbare finstere Nacht“; über sechs Millionen Polen, darunter ein Großteil jüdischer Herkunft, wurden umgebracht. Und in der Tat war diese deutsche Besatzerzeit eine schreckliche Epoche – die nichts mit dem eingangs erwähnten fröhlichen Lied zu tun hatte.
Eines der Ziele des neuen Handbuchs sei es, „die deutsche Besatzungsgeschichte in Polen als gesellschaftliche Alltagserfahrung zu schreiben“, erläuterte Jajesniak-Quast. Sie persönlich halte dies auch für den richtigen Ansatz – „um – auch in einer breiteren deutschen Öffentlichkeit – entsprechend Empathie für das nachvollziehbare Kriegstrauma der polnischen Zivilbevölkerung zu wecken.“
In dem Podiumsgespräch machten die Autoren einleitend deutlich, dass es das eine und einheitliche Polen nicht gab. Da sind zunächst einmal jene polnischen Gebiete, die nach 1939/1940 in das Reichsgebiet eingegliedert wurden – namentlich Westpreußen und die Provinz Posen. Dann muss man die Situation im Generalgouvernement betrachten; der Großteil des besetzten Polens – mit Krakau, Warschau, Radom und Lublin – wurde zum sogenannten Generalgouvernement zusammengefasst. Die Zivilverwaltung dort übernahm Generalgouverneur Hans Frank. Das entstehende rücksichtslose Besatzungsregime trug maßgeblich seine Handschrift. Er war mitverantwortlich für Zwangsarbeit, Menschenverschleppung sowie für die Ermordung der polnischen Führungsschicht. Die deutschen Besatzer stellten in Polen schnell ein Klima von Angst und Uneinschätzbarkeit her. Ein Menschenleben galt wenig. Besatzungsterror, Willkür und Enteignungen gehörten für die ihrer Rechte beraubten Polen in den annektierten Gebieten sowie im „Generalgouvernement“ zum Alltag. Mit einer Flut von Anordnungen und Verboten reglementierten die deutschen Besatzer das Leben der polnischen Bevölkerung. Widerstandsaktionen ahndeten die Besatzer mit der Todesstrafe, die zumeist auch schon bei kleineren Vergehen verhängt wurde.
Deutsch-polnische Perspektive
Der Terror in Polen richtete sich in besonderem Maße gegen die jüdische Bevölkerung. Juden wurden öffentlich gedemütigt und gequält, Synagogen entweiht und zerstört, jüdische Wohngebiete geräumt und ihre Bewohner insbesondere nach 1940 in Ghettos zusammengepfercht. Morde waren an der Tagesordnung. Diese unmenschlichen Aktionen bildeten den Auftakt für die 1941 einsetzende systematische Ermordung der Juden in Polen.
Und schließlich gab es da noch die östlichen polnischen Gebiete wie Wilna und Lemberg – auch dort lebten viele polnische Familien. Dabei betonten die Autoren mehrfach, dass man sich entschieden habe, diese östlichen polnischen Gebiete nicht in das Handbuch aufzunehmen – denn sie nahmen eine gesonderte Entwicklung, waren sie doch seit Herbst 1939 sowjetisches Besatzungsgebiet und wurden erst ab Sommer 1941 deutsches Besatzungsgebiet. Das neue Handbuch solle nur ein kurzes, etwa 20-seitiges Vorwort zur Vorgeschichte des Weltkrieges enthalten, dann wolle man gleich mit dem September des Jahres 1939 starten.
Das ganze Buch und alle seine Kapitel wolle man in einer gemeinsamen deutsch-polnischen Perspektive schreiben, es soll also keine Abschnitte mal mit einer deutschen und dann mal mit einer polnischen Sicht geben. Der Beitrag der Frankfurter Universität wird in den Zuarbeiten von Frank Grelka, Historiker an der Viadrina, bestehen. Die Forschungen zur deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg sind selbst für Spezialisten kaum mehr überschaubar. Debatten verlaufen häufig entlang nationaler Grenzen, und viel zu oft begrenzen Sprachkenntnisse die Perzeption der jeweils anderen wissenschaftlichen Befunde. Zugleich ist der Bedarf an kompetenter Orientierung groß – nicht nur in der Lehre, sondern auch in der musealen Vermittlung und selbst für politische Debatten, die sich auf außenpolitischer Ebene nicht selten um mangelndes historisches Wissen, Schuld und Verantwortung drehen.
Vor diesem Hintergrund erarbeiten die Polnische Akademie der Wissenschaften und die Touro University Berlin, eine jüdische Hochschule in Berlin, gemeinsam ein Handbuch zur deutschen Besatzung Polens, das den Forschungsstand bündelt und einer kritischen Bewertung unterzieht. Es wird die erste integrierende Gesamtdarstellung seit 1970 werden, die antipolnische Politik, den Holocaust, deutsche Täter, Widerstand und Alltag sowie nicht zuletzt die Bildwelten der Okkupation untersucht.
An dem Band wird bereits seit zwei Jahren gearbeitet. Wie die Autoren auf Nachfrage aus dem Publikum mitteilten, läuft das Projekt noch bis November 2026, dann sollen auch alle Manuskripte vorliegen, sodass der Band in polnischer und in deutscher Sprache gedruckt 2027 vorliegen kann.
In dem Band werde man sich nicht auf die ethnisch polnischen Familien beschränken, sondern auch die Juden, die Ukrainer sowie die Sinti und Roma mit einbeziehen. Auch die jüdischen Familien werden „gleichberechtigt“ neben den polnischen Einwohnern präsentiert, erläuterte Machcewicz.
Für mehr Wissen und Toleranz
Wichtig sei ihnen das Schlusswort, betonten die Autoren, dieses wolle man gemeinschaftlich verfassen und auch die Gegenwart der deutsch-polnischen Beziehungen berühren. Auf diese Gegenwart bezog sich eine Wortmeldung aus dem Publikum. Der Redner erinnerte daran, dass der polnische Staatspräsident erst vor wenigen Wochen in seiner Rede zum 1. September 2025 auf der Westerplatte erneut deutsche Reparationen in Höhe von 1,3 Billionen Euro gefordert hat. Auf deutsche Seite fehle sehr oft vielen das Wissen zum historischen Hintergrund, daher sei dieses Handbuch wichtig, um dieses Wissen aufzubauen, so der Redner. Die beiden Autoren gingen aber auf die Frage der Reparationen in ihren Ausführungen nicht weiter ein.
Gleichwohl müssen die Forscher auf beiden Seiten sehr aufpassen, dass ihr Handbuch nicht ungewollt zu einer Steilvorlage für die unberechtigten polnischen Reparations-Forderungen wird und dass ihr Handbuch letztlich der historischen Untersetzung dieser Forderungen dient – und dass sie somit die klar definierte bundesdeutsche Regierungsposition komplett unterlaufen und untergraben.
sitra achra am 19.02.26, 19:00 Uhr
@markus krämer
Ihre billige, von keiner Sachkenntnis getrübte Polemik möchte ich übergehen.
Historische Quellen, u.a. das Bundesarchiv machen hingegen eine erschreckende Bilanz.
Aufgrund der Versailler Schandverträge wurde zig Millionen Deutschen die Heimat graubt. Obwohl die Polen im Vertrag dazu verpflichtet wurden, die Minderheiten zu schützen, geschah das genaue Gegenteil. Unter massiver Gewaltandrohung und nach gezielten Pogromen mussten über 2 Millionen Volksdeutsche ihre Heimat verlassen.
Zwischen 1919 und 1938 wurden 60000 Volksdeutsche durch polnische Pogrome auf fürchterlichste Weise ermordet. Allein zwischen Mai bis September wurden wiederholt 15000 Volksdeutsche offiziell massakriert. Nach dem Befreiungsschlag durch die Wehrmacht wurden wieder deutsche Zivilisten deportiert und auf dem Rückzug der polnischen Truppen von diesen und polnischem Pöbel aufs grausamste ums Leben gebracht. Der Bromberger Blutsonntag stehe für die grausame Unmenschlichkeit der polnischen Bevölkerung.
Auch in dieser Periode kamen tausende Deutsche ums Leben.
Nach dem Ende des 2.Weltkriegs nahm der rassistische Verfolgungswahn kein Ende. Bis 1949 wurden systematisch alle Deutschen vertrieben sowie in Vernichtungslager wie Lamsdorf getrieben, wo die meisten von ihnen einen fürchterlichen Tod fanden.
Was für ein charakterloser und unempathischer Mensch müssen Sie sein, dass Ihnen das Leid der Ostdeutschen, zu deren Nachkommen ich mich auch zähle, nur eine "Fußnote" wert ist.
Stecken Sie sich doch Ihre deutsche Schuld sonstwohin und küssen diesen scheinheiligen Polen doch die Füße!
Für mich sind und bleiben die Polen ein verbrecherisches, uneinsichtiges Tätervolk, mit dem keine Freundschaft zu schließen ist, bevor die polnische Schuld nicht gesühnt ist.
H. Gerlach am 19.02.26, 16:51 Uhr
@sitra achra
Danke für Ihren wertvollen Beitrag.
ALLEIN FÜR DEN LANDRAUB nach dem Versailler Zwangsdiktat (siehe auch die berühmte Rede des jüdischen Insiders Benjamin Freedman) sollten die Polen UNS entschädigen.
Markus Krämer am 17.02.26, 17:27 Uhr
Der Kommentar von sitra enthält ausser Polemik keine Sachkenntnis. Er schreibt, "deutsche Minderheit vor dem 1. 9.39 sei abgeschlachtet worden". Dies ist unzutreffend! Selbst das NS-Leitmedium Völkischer Beobachter führt 68 ermordete Volksdeutsche vor dem 1.9. an. Westpreußen wurde in Versailles viergeteilt- das Mittelstück bildete den sogen. "Polnischen Korridor"- diese Bezeichnung lehnt die polnische Geschichtsschreibung mit einiger Berechtigung ab! Nur im Westen der preuss. Provinz Posen besaßen die Deutschen eine knappe Mehrheit. Polens Ziel war es in Versailles die Grenzen ihres Staates von 1772 zu erhalten- dies war unverhandelbar. Der deutsche Delegationsleiter, Brockdoff-Rantzau, erklärte- Gebiete mit unbestreitbarer polnischer Bevölkerungsmehrheit abzutreten. Der Seezugang Polens sollte über die Weichsel gehen. Es kam anders und zweifellos wurde die Grenzziehung zu Gunsten des wiederstandenen Polen gezogen. Der Verweis auf den polnischen Antisemitismus soll wohl die Ermordung der polnischen Juden durch den NS-Terror verharmlosen. Zweifellos wird in dem "Handbuch" der Leidensweg der Volksdeutschen in Polen sicherlich mit einer Fußnote abgefertigt werden! Dem Redaktionsmitglied, Dr. W. Kaufmann, liegt ein umfangrreiches Skript mit zahlreichen Bildern und Graphiken bzgl. den Massenmorden an den Volksdeutschen im September 39 vor- diese Morde geschahen, bevor sich der NS-Besatzungsterror entfaltete. Vielleicht bringt die PAZ dazu mal einen ausführlichen Beitrag!
sitra achra am 16.02.26, 20:36 Uhr
Es wird wieder einmal die Kriegsschuld allein auf Deutschland abgewälzt, obwohl doch bekannt sein sollte, dass es in Polen eine deutsche Minderheit gab, welche vor dem Beginn des Krieges auf grausamste Weise abgeschlachtet worden ist. Zudem hatten die Polen völkerechtswidrig deutsches Land aufgrund des Versailler Schandvertrags geraubt. Sie mussten wissen, dass dies nicht ungesühnt bleiben würde. Aber welche Chuzpe, deutsche Territorien wie Westpreußen und das Posener Gebiet als polnisch zu bezeichnen. Zudem hatte Generaloberst Beck mit den Briten heimlich ein Beistandsabkommen abgeschlossen, um die durchaus berechtigten moderaten Forderungen Hitlers abzulehnen.
Aber wenn Geschichte auf Lügen undEinseitigkeiten basiert, kommt so etwas wie das hier vorgestellte Machwerk zustande.
Dass eine jüdische Universität aus Berlin dabei kooperiert, kann einen nur wundern, sind doch die polnischen Juden bereits vor dem Krieg polnischerseits diskriminiert und verfolgt worden. Es sei auch an die polnischen Massaker an den jüdischen Mitbürgern weit nach dem Krieg zu erinnern. Diese nationale Schande ist in Polen nie aufgearbeitet worden.
Gregor Scharf am 15.02.26, 07:55 Uhr
Es existieren zahlreiche Bücher von Zeitzeugen, Originaldokumente und Filme aus dieser Zeit. Alles wurde akribisch längst aufgearbeitet vor allem auch die Zeit vor Kriegsbeginn, so dass ich die Schlussbemerkung für ein Feigenblatt halte. Jedes „Neuaufarbeiten“ der Geschichte wird zu weiteren Verzerrungen und Fehldeutungen führen. Das ist gefährlich.