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Gazakonflikt

Die Hamas, der Erzfeind Israels

Der Nahost-Experte Joseph Croitoru beschreibt die Entwicklung der radikalislamischen Bewegung bis zum Anschlag vom 7. Oktober

Dirk Klose
25.05.2024

Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 ist die Hamas ein Faktor in der internationalen Politik. Das Bild von der mörderischen Terrororganisation ist richtig und doch wieder nur halb, wie diese höchst instruktive Darstellung des Nahost-Experten Joseph Croitoru in seinem Buch „Die Hamas. Herrschaft über Gaza. Krieg gegen Israel“ zeigt.

Die 1988 aus der radikalislamisch geprägten Muslimbrüderschaft hervorgegangene Hamas hat sich von Anfang an die Feindschaft zu Israel und dessen Vertreibung aus Palästina auf die Fahnen geschrieben. Ursprünglich ein Teil der das Westjordanland und den Gazastreifen regierenden Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) hat sie sich rasch im Gazastreifen festgesetzt, in teils blutigen Kämpfen die gemäßigte Fatah aus Gaza vertrieben und dort ihre diktatorische Herrschaft etabliert.

Der Autor zeigt, dass die Hamas gleichermaßen eine politische, eine radikal-islamische und auch soziale Bewegung ist, was sich etwa im Krankenhauswesen und einem umfassenden Bildungssystem für die ursprünglich 400.000, heute annähernd 2,3 Millionen Bewohner äußert. Rigorose radikalislamische Vorstellungen wie etwa die Gerichtsbarkeit nach der Scharia konnte sie allerdings nach Protesten nicht durchsetzen. Alle Bestrebungen gingen auf den Aufbau schlagkräftiger militärischer Einheiten, etwa der berüchtigten Quds-Brigaden. Der seit Langem eskalierende Kleinkrieg mit Israel mündete – ohne dass Israel die nicht zu übersehenden Vorbereitungen sonderlich ernst genommen hätte – im Massaker vom 7. Oktober, das der Autor in allen Einzelheiten rekapituliert, und im seitdem erfolgten „Vernichtungskrieg“, so nennt Croitoru Israels Operation im Gazastreifen mit all ihren Folgen für die inzwischen existentiell bedrohten Einwohner.

Verkannte Gefahr
Die Fronten seien verhärtet, auch durch die Politik von Israels Premier Netanjahu und seiner rechtsgerichteten Regierung, dessen Verhalten der Autor kritisiert. Israel, so hat der Leser mitunter den Eindruck, scheint die Zeit für friedliche Lösungen um Gaza davonzulaufen. Die Hamas hat nicht nur große innerarabische Solidarität wecken können, sondern mit dem Iran und an der Nordgrenze Israels mit der Hisbollah zwei mächtige Verbündete gefunden. Des Autors (Anfang Februar) gezogenes Fazit: die Hamas wird Israel den Gazastreifen „nie wieder“ überlassen. Eine politische Lösung werde es nur geben, wenn die Palästinenser selbst über ihre Zukunft entscheiden können.

Joseph Croitoru: „Die Hamas. Herrschaft über Gaza, Krieg gegen Israel“, C.H. Beck Verlag, München 2024, gebunden, 224 Seiten, 18 Euro


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