08.01.2026

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Verstehen sich gut: Michaela Schelshorn mit einem ihrer Lamas
Bild: Erlenwald Lamas, Michaela SchelshornVerstehen sich gut: Michaela Schelshorn mit einem ihrer Lamas

Oberbayern

Die Lama-Flüsterin vom Tölzer Land

Eine Züchterin der südamerikanischen Kameltiere lädt Familien zu Wanderungen durch die winterliche Landschaft an der Isar ein

Harald Tews
06.01.2026

Große runde Augen, beneidenswerte Wimpern und ein sanfter Blick: „Kasimir ist ein Traum von einem Lama“, sagt Michaela Schelshorn lachend und tätschelt dem jungen grauen Hengst liebevoll den Hals. Mit zweieinhalb Jahren kommen die Tiere in die Pubertät, mit sieben Jahren sind sie ausgewachsen und dann bis zu stolze 250 Kilogramm schwer. „Dann sind sie die perfekten Begleiter für Wanderungen“, weiß die 38-Jährige, die mit den männlichen Tieren und ihrer Familie auf einem Hof in Ascholding im Tölzer Land wohnt. Die Stuten dagegen stehen auf einer Weide an der Isar – einem der letzten Wildflüsse Deutschlands – und kommen nur zum Decken einmal im Jahr in Kontakt mit den Hengsten.

Lamas züchten, scheren, die Nägel schneiden, das Vlies zur Wolle spinnen – Michaela macht alles selbst, und das mit Leidenschaft. Jedes Tier ruft sie beim Namen, krault hier einen Hals, tätschelt dort ein Hinterteil. Vor 14 Jahren hat sich die gelernte Restauratorin auf einer Baustelle in die Lamas verliebt, die nebenan grasten. Ein Jahr später hatte sie selbst die ersten zwei Tiere, inzwischen ist die Herde auf mehr als 20 angewachsen.

Außerdem bietet die Lama-Expertin Spinn-Kurse an. Manche Kunden suchen sich ihre Wolle sogar am Tier aus – diese ist von der Qualität ganz unterschiedlich. „Die sogenannten Classic Lamas sind am nächsten an der Wildform dran und haben kratzigere Fasern. Die lassen wir zu Einlegesohlen, Kissen und Betten verarbeiten.“ Die Wooly-Lamas dagegen sind stark bewollt, auch an den Füßen – die warmen und flauschigen Fasern eignen sich super für dicke Winterpullis. Besonders fein sind die glatten Locken der Suri Lamas – sie fühlen sich fast wie Seide an. „Daraus lassen sich besonders feine Sachen stricken. Wir verkaufen fertige Produkte oder eben die Wolle.“

Vieles hat sich bei der Lama-Liebesgeschichte einfach so ergeben. Während der Coronazeit lernte Michaela das Scheren von einem amerikanischen Profi-Scherer – inzwischen ist die zweifache Mutter so geübt darin, dass sie einmal im Jahr im Frühjahr auf große Schertour geht, so nach Wien, Thüringen, ins Allgäu und in den Schwarzwald. Rund 500 Tiere befreit sie dabei vom Fell, die Tiere bekommen einen „Lions Cut“ – am Hals bleiben die Haare dran, am Bauch kommen sie ab, damit die Organe im Sommer nicht überhitzen. Ist die Power-Frau daheim, bietet sie Lamatouren für alle Anlässe und Altersstufen an, auch im Herbst und im Winter. Das geht von der Familientour mit Babys über Spaziergänge ab sechs Jahren bis zur zweieinhalbstündigen, und über vier Kilometer langen Wanderung ab 15 Jahren. „Firmenevents, Kinder- und runde Geburtstage, Ferienprogramm, Junggesellinnenabschiede – viele Leute freuen sich auf ein paar Stunden mit den Tieren.“ Je nach Gruppe gibt es dann abends ein Lagerfeuer dazu, und je nach Zusammenstellung dieser werden die Tiere ausgewählt: für die Manager die sportlicheren Tiere und für die Familien die kuschelfreudigen.

Wie sie das alles schafft? Indem die ganze Familie mit anpackt. „Wir betreiben eine ganz normale Landwirtschaft, nur eben mit Lamas“, sagt Michaela.

Tölzer Land Tourismus, Prof.-Max-Lange-Platz 1, 83646 Bad Tölz. www.toelzer-land.de ;lama.bayern


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