25.10.2020

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Vor dem Verfall gerettet: Der Turm der Kirche in Warpuhnen
Foto: privatVor dem Verfall gerettet: Der Turm der Kirche in Warpuhnen

Jubiläum

Die Orgel in Warpuhnen wird wieder erklingen

Der Verein Freunde Masurens will sein zehnjähriges Bestehen in der renovierten Kirche feierlich begehen

Fryderyk Tegler
12.07.2020

Als ich im Juni 2010 auf meiner 28. Studienfahrt in meine Heimat Masuren mit der Reisegruppe wieder einmal, wie jedes Jahr, vor der Kirche in Warpuhnen stand, in der ich getauft, konfirmiert, getraut und meine älteste Tochter Romy ebenfalls getauft worden war, da wurde mir schwer ums Herz. Es ist für einen Heimatverbundenen und dann noch Pastor, besonders schwer zu sehen, wie ein Gotteshaus dem Verfall preisgegeben ist. Einige Mitreisende sprachen mich an etwas zu tun und Kerstin Harms, die ihre Liebe zu Masuren entdeckt hatte, sagte: „Wir werden die Kirche nicht retten können, aber wenn wir nichts machen, wird auch nichts besser!" Dieser Satz war wie ein Samenkorn, das auf fruchtbaren Boden fällt. Wir setzten den von mir schon länger gehegten Plan, einen Verein zu gründen, in die Tat um. 

Am 1. August 2010 gründeten wir im Gasthaus Rose in Scharnebeck den Verein Freunde Masurens. Auf der konstituierenden Sitzung schlug ich Kerstin Harms als Erste Vorsitzende vor, da ich viel Potenzial in ihr sah. Gemeinsam haben wir mit vielen engagierten Mitgliedern viel für Masuren erreicht, was auch in dortigen politischen und sozialen Organisationen offiziell anerkannt wurde. Wir haben Patenschaften für Kirchen, Privatpersonen und Schulen übernommen, in denen die deutsche Sprache unterrichtet wird. Jedes Jahr zu Weihnachten bekommen alle Kinder Geschenke, Süßigkeiten, Spielsachen und Schulmaterial. Hierfür werden wir immer mit wunderbaren Programmen der Lehrer und Aufführungen der Kinder belohnt, die sich viel Mühe geben und deutsche Weihnachtslieder singen, Gedichte aufsagen und Theaterstücke oder Tänze vorführen. 

Dreimal im Jahr organisieren wir Hilfstransporte mit Rollstühlen, Rollatoren, Pflegebetten, Hilfsmitteln, Süßigkeiten, Kleiderspenden und vielem mehr. Es wurden Denkmäler und Grabsteine auf ehemaligen evangelischen Friedhöfen in Rhein und Steinwalde errichtet. Nie haben wir die Kirche in Warpuhnen aus den Augen verloren. Ein Geschäftsmann aus Sensburg war auf die Arbeit unseres Vereins aufmerksam geworden und kannte die Bemühungen, diese evangelische Kirche vor dem Verfall zu retten. Als 2014 Alfred Siwik Kontakt mit uns aufnahm, keimte wieder Hoffnung auf, dass wir nach längerem Warten den ursprünglichen Anlass zur Vereinsgründung wieder aufnehmen würden. In Gesprächen, die wir mit ihm führten, erklärte er seine Beweggründe. „Ich möchte etwas zurückgeben und dir ein Denkmal setzen", sagte er, „und ein Zeichen für die deutsch-polnische Freundschaft." 

Es stellte sich heraus, dass ich ihn früher, als er ein kleiner Junge war und mit seiner Familie aus Weißrussland ins südliche Ostpreußen gekommen war, die polnische Sprache gelehrt und ihm die Liebe zu Literatur und Kunst nahegebracht hatte. Über Jahre hinweg hatte Siwik das Bemühen des Vereins, die Kirche zu retten, verfolgt, und dann kam er auf die Idee, etwas Gutes zu tun. Er ließ vor dem Winter 2015/2016 das Dach reparieren, 200 Fenster neu einsetzen und den Turm sichern. Es war somit der erste Schritt getan, die Kirche vor dem gänzlichen Verfall zu retten. Nun war das Gebäude erst einmal notdürftig dicht, was Kerstin Harms auf die Idee brachte, die Kirche innen von Unrat, Laub, Vogelkot und einer dicken Schicht Staub zu befreien. Das wurde an einem Wochenende im April 2016 von einer Gruppe aus der Bundesrepublik angereister Vereinsmitglieder gemeinsam mit Dorfbewohnern aus Warpuny und Sorkwity durchgeführt. 

Rettung in höchster Not 

Als im letzten Jahr die Gefahr bestand, dass der immer noch stark beschädigte Turm der Kirche den bevorstehenden Winterstürmen nicht mehr standhalten könnte, und bereits Blechteile heruntergefallen waren, versuchten wir auf die Schnelle, Gelder für eine gründliche Sanierung zusammenzubekommen. Als die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in Bonn alle Prüfungen abgeschlossen hatte, kamen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass eine Zuwendung aus Fördermitteln zur Sicherung und Erhaltung deutschen Kulturguts in den historischen Siedlungsgebieten im östlichen Europa gerechtfertigt sei. Die Kirche in Warpuhnen wurde als dringend erhaltenswürdig eingestuft. Darüber waren wir alle sehr froh und glücklich über den Zuschuss. Den nicht unerheblichen Rest legten wir aus Spendengeldern von Organisationen und Privatpersonen dazu, und so konnten die Arbeiten im April beginnen und wurden Ende Juni 2019 abgeschlossen. Seitdem strahlt die Kirche schon von Weitem sichtbar mit einem neuen stolzen Turm. 

In diesem Jahr wurden die restlichen Dacharbeiten ausgeführt. Ebenfalls wurde das untere Mauerwerk neu verfugt und Ziegelsteine ersetzt, so dass keine Feuchtigkeit mehr in die Kirche eindringen kann. Zurzeit läuft noch das Genehmigungsverfahren zur Restaurierung der drei kaputten Türen bei der Denkmalpflege in Allenstein, aber auch diese sollen noch im laufenden Jahr fertiggestellt werden. 

Das größte Ereignis in diesem Jahr soll das zehnjährige Bestehen des Vereins Freunde Masurens am 1. August sein, das wir an dem Ort, der der Ausgangspunkt und erste Anstoß zur Vereinsgründung war, feiern: die alte Kirche in Warpuhnen. Aber vorher wollten wir noch etwas Wichtiges erreichen: Die Orgel sollte wieder erklingen. Im Januar stellte sich allerdings heraus, dass die wertvolle Orgel aus der Terletzki-Werkstatt aus Elbing nicht unter Denkmalschutz steht. Es konnten keine Fördermittel für dieses Technikdenkmal, das Teil des Orgelweltkulturerbes der UNESCO ist, beantragt werden und auch die Deutsch-Polnische Stiftung zog ihre Zusammenarbeit mit uns zurück. 

Doch nach Kerstin Harms' Motto „Geht nicht, gibt's nicht!" setzten wir uns zum Ziel, die zirka 35.000 Euro für die Orgelreparatur aus Spendengeldern zusammenzubekommen. Mit viel Engagement haben wir das große Ziel erreicht. Im Februar begann der Orgelbaumeister Andrzej Kowalewski aus Braunsberg mit seinen Helfern mit den Reparaturarbeiten. Die Orgel wird pünktlich zum Jubiläum fertig sein. Dann wird mit einem festlichen Dankgottesdienst am 1. August um 16 Uhr gefeiert. Die Orgel wird von Bischof Pawel Hause geweiht und dann wieder zur Ehre Gottes die Kirche mit ihrem vollen schönen Klang erfüllen. 

• Weitere Informationen unter https://www.freunde-masurens.de



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