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Der Wochenrückblick

Die richtige Sicht

Warum Framing immer wichtiger wird, und wieso die Linken immer die Guten bleiben

Hans Heckel
10.01.2026

Das neue Jahr hat keine Zeit verschwendet, um uns mit aufwühlenden Nachrichten aus der Feiertagsruhe zu schubsen. Meldungen, die geeignet sind, heftige Emotionen bei den Menschen auszulösen. Gerade in solchen Zeiten ist es die Aufgabe verantwortungsvoller Medien, dafür zu sorgen, dass diese Emotionen nicht in die falsche Richtung gehen.

Eine dieser Nachrichten war der Terroranschlag auf das Stromnetz im Südwesten Berlins. Die „Tagesschau“-Redaktion war hier zunächst redlich bemüht, schädlichen Emotionen vorzubeugen. In ihrer Nachmittagsausgabe erwähnten die öffentlich-rechtlichen Fernsehmacher daher mit keiner Silbe die politische Ausrichtung der Attentäter, die tausende Haushalte in eine für manche Leute lebensgefährliche Kälte und Dunkelheit gestoßen hatten, obschon deren ideologische Herkunft zu dem Zeitpunkt schon allgemein bekannt war. Es lag längst ein offenkundig authentisches Bekennerschreiben vor.

Daher musste die „Tagesschau“ dann noch am selben Tag zu ihrer 20-Uhr-Ausgabe auch tragischerweise die Segel streichen und die Tatsache preisgeben, dass es sich wohl um „eine linksextreme Gruppe“ handele. Schade. Dennoch würdigen wir den mutigen Versuch des Staatssenders, dieses störende Detail solange es ging unter der Decke zu halten.

Wir waren schließlich schon einmal viel weiter. Die Grünen-Fraktion im Bundestag hatte seinerzeit die Einführung eines „Demokratiefördergesetzes“ auch damit begründet, dass „Antifa-Gruppen“ dann nicht mehr „immer um ihr Geld ringen“ müssten. Mithilfe jenes Gesetzes gingen bereits Millionen oder Milliarden Euro in die Kassen auch extrem linker Organisationen. Wie viel sie bekommen haben und wofür, weiß keiner. Die Union hatte vor einem Jahr bekanntlich 551 Fragen zu diesem Komplex gestellt und nach der Wahl ganz schnell wieder vergessen – wie so manches ihrer Wahlversprechen.

Den Anschlag auf die Berliner Bevölkerung könnten kritische Bürger zum Anlass nehmen, sich nun doch wieder dafür zu interessieren, wer hier alles mit Steuergeldern gefördert wird. Die linksextremen „Vulkangruppen“ verüben seit 15 Jahren schon Anschläge auf Bahn- und Kabeltrassen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat daher versprochen, nun ganz verstärkt gegen diese Gruppen zu ermitteln. Nun, in 15 Jahren müssten ja schon so einige Erkenntnisse zu den Linksterroristen zusammengekommen sein, ist ja eine ganz schön lange Zeit! Tatsächlich ermittelten die Behörden bislang – nichts. Gar nichts. Null. Weder, ob es sich um eine oder mehrere Gruppen handelt, oder ob es gar nur eine einzelne Person ist. Noch, ob es immer dieselben Leute sind oder jeweils andere, die sich lediglich mit demselben Namen zieren.

Für die Behörden müssen wir da allerdings Verständnis aufbringen. Wann soll man das denn bitte schön alles untersuchen, wenn man dauernd damit beschäftigt ist, Leute zu verfolgen, die einen Witz über einen Politiker gemacht haben oder satirische Bemerkungen über die „Woke“-Bewegung. Irgendwann ist das Pensum eben überschritten. Da müssen Prioritäten gesetzt werden, und die frierenden Berliner wissen jetzt, wo die liegen.

Außerdem darf ja nicht vergessen werden, dass sich die Genossen von den „Vulkangruppen“ als Speerspitze der Klimabewegung verstehen, was ihnen gewiss Pluspunkte in bestimmten politischen Milieus einbringt, die in diesem Land nicht ohne Einfluss sind. Da greift die übliche Beißhemmung: Ja, ja, die Anschläge sind natürlich schon irgendwie übel – aber man muss doch auch die eigentlich edlen Absichten berücksichtigen!

Wo Politfolklore jede Wahrheit schlägt
Mit dem Argument haben sich noch alle fanatischen Bewegungen der Politikgeschichte und sämtliche brutalen Gewaltregime aus dem moralischen Dreck zu ziehen versucht: ihre vermeintlich guten Absichten. Linke Regime und Bewegungen sind ihrem rechten Gegenüber in dieser Disziplin allerdings haushoch überlegen.

Kaum irgendwo lässt sich das so gut studieren wie in Lateinamerika. Von Ernesto „Che“ Guevara bis zu Venezuelas Nicolás Maduro ist die jüngere Geschichte des Erdteils durchzogen von finsteren linken Fanatikern und skrupellosen, erzkorrupten Gewaltherrschern unter roter Fahne. Doch ihre Spur von Tod, Verarmung und Unfreiheit wird bis heute übertönt vom romantischen Gitarrenklang linker Politikfolklore, hinter dem die Schneise der Verwüstung und des Leids vollständig zu verschwinden scheint.

Wer muss da nicht respektvoll den Sombrero ziehen vor diesem Ausmaß umfassender Rabulistik! Im Fernsehen brachte es ein „Experte“ sogar fertig zu behaupten, dass die Demokratie in Venezuela auch deshalb unter die Räder gekommen sei, weil „die rechte Opposition“ immer so heftig opponiert habe gegen die linken Machthaber Hugo Chávez und Maduro. Mit anderen Worten: Hätten die Andersdenkenden einfach die Klappe gehalten, wäre die sozialistische De-facto-Diktatur bestimmt viel netter zu ihnen gewesen. Selber schuld!

Nun trommelte die Linkspartei zusammen mit anderen „Antifaschisten“ bundesweit gleich ein paar Demonstrationen zusammen. „Freiheit für Venezuela“ forderten die Linken in Hamburg, München und anderswo. Da wären die Venezolaner, von denen jeder vierte bereits vor den Sozialisten außer Landes geflohen ist, gewiss sofort dabei. Nur dürften die Demonstranten und die geknechteten oder geflohenen Venezolaner unter „Freiheit“ etwas Grundverschiedenes verstehen. Besonders sorgen sich die roten Protestler um das Völkerrecht, sagen sie, und warnen vor dem „Recht des Stärkeren“. Derweil schwenkten sie ein Transparent mit den Umrissen des Landes, auf dem zwei Drittel des kleinen Nachbarn Guayana plötzlich venezolanisch sind. Das Maduro-Regime hatte das Gebiet unlängst per Federstrich einfach für annektiert erklärt. Das hat merkwürdigerweise keine Proteste hervorgerufen.

„Recht des Stärkeren“? Solange das rote Maduro-Regime gegenüber dem viel schwächeren Guayana diese Rolle auskostete, störte das niemanden. Nun, da Maduro es mit einem noch Stärkeren zu tun bekam, ist es ein Skandal. Das zum Thema „Völkerrecht“. Kommt halt immer darauf an, wie man's gerade braucht.

Beim Framing der Ereignisse geht die „Tagesschau“ auch in die Vollen, wenn es um die Reaktion der lateinamerikanischen Nachbarn geht. So hat man uns von den lauten Protesten „links“ geführter Länder wie Kolumbien oder Brasilien berichtet. Begrüßt habe den US-Angriff dagegen das „ultra-rechte“ Argentinien. Entweder man ist also „links“ oder gleich „ultra-rechts“, wobei die argentinische Regierung von Javier Milei in Wahrheit ultra-liberal ist. Aber das sollte man den Leuten lieber nicht verraten, wo es derzeit doch um die ideologisch richtige Eintütung der Vorgänge geht. So funktionieren „Nachrichten“ in Deutschland heute. Und da fragt man sich in den Redaktionen, wie das Vertrauen der Zuschauer nur so einbrechen konnte.


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Kommentare

sitra achra am 12.01.26, 14:25 Uhr

@ Christian Jäger
Der sogenannte "demokratische Rechtsstaat" ist auch nur Teil der idyllischen Alpenfilmkulisse, aber sein Klimbim scheint die Hirne der Massen verkleistert zu haben. Der Pöbel ist sich nicht bewußt, dass er größtenteils aus mehr oder weniger nützlichen Sklaven besteht. Wie gut, dass er das nicht weiß!

Jan Kerzel am 11.01.26, 14:13 Uhr

Ob die Linken immer die Guten bleiben , weiß ich nicht. Ich weiß aber , dass das Land seit 1982 praktisch ohne Unterbrechung von der CDU/CSU regiert wird. Die kurzen SPD-Zeiten wurden durch Länderregierungen und politischer Zustimmung usw. quasi neutralisiert. (43-10). Der herrschende Zeitgeist ist das Ergebnis einer grundlegenden ethischen und politischen Übereinstimmung. Es hat also kein Putsch stattgefunden, sondern er ist ordentlich und durchaus organisiert gewachsen. Man wusste immer ,wo und wen man im Netzwerk zuverlässig platzieren konnte. Fast alle waren in den letzten Jahrzehnten mit dem Ergebnis hoch zufrieden. Unsere Demokratie erfreute sich großer Beliebtheit und die regelmäßig stattfindenden Wahlen bestätigten dies. Aufgrund gewisser ideologischer Einseitigkeiten und Fehlentscheidungen wächst der Unmut spürbar. Ein neuer Zeitgeist ist dies aber noch nicht.

Christian Jäger am 10.01.26, 23:33 Uhr

Wir DDR-Abiturienten hatten einen harmlosen Witz über unsere westdeutschen Pendants:
Warum braucht der Wessi 13 Jahre bis zum Abitur?
Weil dort noch ein Jahr Schauspielunterricht dazukommt.

Damals war das ein Scherz. Heute wirkt er eher wie eine Beschreibung gesellschaftlicher Kompetenzverschiebung.

Denn was wir derzeit erleben, ist weniger ein Streit um Wahrheit als um Darstellung. Nicht der Inhalt entscheidet, sondern der Rahmen. Genau das hat Tobias Beck offen ausgesprochen – und damit viel Geld verdient. Seine zentrale Botschaft lautet: Der Rahmen ist wichtiger als der Inhalt. Menschen wollen nicht wissen, was ist, sondern was es für sie bedeutet, wie es sich anfühlt, in welche Geschichte es eingebettet wird. Der Zuhörer ist egozentrisch, emotional, auf Erlebnis programmiert.

Diese Logik ist längst nicht mehr auf Bühnen beschränkt. Sie hat Journalismus, Politik und öffentliche Debatte vollständig durchdrungen.

Was wir heute „Framing“ nennen, ist nichts anderes als professioneller Schauspielunterricht auf gesellschaftlicher Ebene. Informationen werden nicht geliefert, sondern inszeniert. Ereignisse nicht erklärt, sondern eingeordnet, bevor sie verstanden werden können. Gewalt ist nicht Gewalt, sondern „Protest“. Sabotage ist nicht Sabotage, sondern „Aktivismus“. Entscheidend ist nicht, was passiert ist, sondern wie es erzählt wird.

Das erklärt auch, warum bestimmte Wahrheiten kaum noch gefragt sind. Wahrheit ist sperrig, widersprüchlich, oft unangenehm. Der Rahmen dagegen ist tröstlich. Er ordnet, beruhigt, entlastet. Er sagt dem Publikum, auf welcher Seite es stehen darf, ohne sich selbst prüfen zu müssen.

In diesem Sinn gleicht unsere Gegenwart erstaunlich stark einem alten kulturellen Muster: dem deutschen Heimatfilm der 1950er-Jahre. Diese Filme wurden häufig in Österreich gedreht – in Tirol, in den Alpen –, weil dort die Kulisse stimmte. Die Berge lieferten das, was die Geschichte brauchte: Reinheit, Ordnung, Überschaubarkeit. Die Stadt war verdorben, die Heimat heil. Konflikte lösten sich moralisch, nicht realistisch. Die Landschaft war nicht Hintergrund, sie war Botschaft.

Diese Filme wollten keine Wirklichkeit zeigen, sondern ein Gefühl erzeugen. Genau das leistet heute Framing. Es erschafft eine moralische Bergwelt, in der alles klar ist, während die reale Gesellschaft komplex, widersprüchlich und konflikthaft bleibt. Der Rahmen ersetzt die Auseinandersetzung.

Auch deshalb bleiben „die Linken“ im öffentlichen Narrativ so oft die Guten. Nicht wegen ihrer Ergebnisse, sondern wegen ihrer Rolle im Stück. Sie stehen für Absicht, für Moral, für das „große Warum“. Ob ihre Politik wirkt, scheitert oder Schaden anrichtet, ist nachrangig. Entscheidend ist, dass der Rahmen stimmt. Wie im Heimatfilm: Die Alm bleibt sauber, selbst wenn unten im Tal alles brennt.

Das eigentliche Problem ist also nicht Manipulation im bösen Sinn. Es ist ein kollektiver Wunsch nach Kulisse. Unsere Gesellschaft will gar nicht primär wissen, was ist. Sie will wissen, wie sie sich dazu fühlen soll. Framing liefert diese Antwort zuverlässig.

Und genau hier liegt die Gefahr für einen demokratischen Rechtsstaat. Wo der Rahmen wichtiger wird als der Inhalt, wird Durchsetzung durch Erzählung ersetzt. Maßstäbe werden flexibel, Gewalt relativierbar, Verantwortung verhandelbar. Nicht weil jemand lügt, sondern weil das Schauspiel überzeugender ist als die Wirklichkeit.

Vielleicht sollten wir uns weniger fragen, wer falsch framed, und mehr, warum wir dieses Theater so bereitwillig akzeptieren. Denn am Ende ist Framing nur Angebot. Die Nachfrage kommt aus der Mitte der Gesellschaft.

Peter Freimensch am 10.01.26, 14:50 Uhr

In der DDR ging es medial deutlich pluralistischer zu als im besten Deutschland aller Zeiten™ aktueller Prägung. So einen gleichgetakteten Gleichklang wie heute gab es wohl zuletzt nur im Dritten Reich. Denn in der DDR gab es Westfernsehen. Wo nicht, meistens wenigstens Westradio.

Das zu sehen oder zu hören war für normale Leute übrigens zu keiner Zeit verboten. Wurde staatlicherseits eben nur nicht gern gesehen ...

Gregor Scharf am 10.01.26, 13:15 Uhr

Es ist genau dieser „böse“ Donald Trump, der das Tor zur Freiheit für halbseidene Typen verschlossen hat, die Unterwanderung der USA vor ihrem 250sten Geburtstag stoppte, den Menschen schonungslos die Wahrheit ins Gesicht schmettert und damit dem sozialistischen Traum und der Verbrüderung mit China vorerst einen Riegel vorgeschoben hat, dass das Weinen und Zähneknirschen in den Redaktionen des ÖRR und der Linken bis zur ISS zu hören ist. Und anstatt diese für heutige Zeiten heroischen und mutigen Taten unter Einsatz seines Lebens zu würdigen und ihm das Rückgrat zu stärken, geschieht weltweit das Gegenteil. Getroffene Hunde bellen. Einen besseren Beweis kann es nicht geben, dass nahezu allesamt Falschspieler sind. Trump hat den geplanten, geradlinigen Weg zum kommunistischen Paradies verstellt. Da laufen alle zur Hochform auf, selbst die verblendeten Massen in seinem eigenem Land. Wie ist es doch schön, einen Buhmann zu haben, der Schuld an der eigenen Unfähigkeit zum Leben ist. Und wenn das nicht reicht, um die Bevölkerung von der Abkehr der kapitalistischen, falschen Demokratie zu bewegen, muss man als Aktivist unbedingt mit Terror gegen die Bevölkerung nachhelfen. Im Klassenkampf zählen keine Menschenleben. Sind heutige Linke somit links oder link oder beides? Irgendetwas habe ich da wohl falsch verstanden in dem Buch „Der Sozialismus Deine Welt“.
Letzteres wurde den Jugendlichen zu ihrer Jugendweihe in der DDR überreicht.
Ein bisschen weniger von links und rechts und es liesse sich wesentlich ruhiger und gut leben. Die Zweiteilung ist das Gift für die Gesellschaft.

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