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150 Jahre Bismarckhering aus Stralsund. Dem Reichskanzler mundete diese Spezialität, sodass er gerne seinen Namen dafür gab
Foto: Christian Rödel150 Jahre Bismarckhering aus Stralsund. Dem Reichskanzler mundete diese Spezialität, sodass er gerne seinen Namen dafür gab

Kulinarisches

Echter „Bismarck-Hering“ kommt nur aus Stralsund

Vor 150 Jahren entwickelte ein patriotischer Händler in der Hansestadt am Strelasund die noch heute beliebte Fischmarke

Christian Rödel
31.12.2021

Vor Kurzem feierten die Stralsunder das Jubiläum „150 Jahre Bismarck-Hering“ mit einem Straßenfest. Sie haben richtig gelesen: Im Jahre 1871 wurde in der Hansestadt am Strelasund die Marke „erfunden“. Verantwortlich dafür war der aus Redebas gebürtige Kaufmann Johann Christoph Friedrich Wiechmann. Er erwarb am 1. Mai 1853 das Haus Neuer Markt 6 und eröffnete eine „Materialwarenhandlung“ mit Schankgenehmigung für Bier und Branntwein. Hauptsächlich verkaufte er aber Fische und Produkte, die er, vielmehr seine Ehefrau, aus ihnen herstellte. Unter einem Schuppendach auf dem Hof nahm Carolina Wiechmann Heringe, Hornfische, Flundern, Aale und Lachse aus. In der Küche wurden sie gebraten, sauer eingelegt und danach lose oder in Fässchen verkauft. 

Verehrer Bismarcks 

Geräucherten Lachs soll es seit 1860 gegeben haben. Johann Wiechmann war ein großer Verehrer Otto von Bismarcks. Nicht umsonst hatte er einem seiner Söhne den Vornamen Otto gegeben. Zu seinem Geburtstag am 1. April 1871 übersandte Kaufmann Wiechmann dem Reichskanzler ein Fässchen mit entgräteten und in einem sauren Aufguss eingelegten Heringen. Bismarck war bekanntlich kein Kostverächter. Er verschmähte auch den Hering nicht. Von ihm soll folgender Spruch überliefert sein: „Wenn Heringe genauso teuer wären wie Kaviar, würden ihn die Leute weitaus mehr schätzen.“ Mit einem persönlichen Handschreiben bedankte er sich beim Stralsunder Händler für das Geschenk. Wichmann hatte nunmehr eine einfache, aber wie sich späterhin herausstellen sollte, grandiose Idee. Er schickte Bismarck wiederum ein Fässchen mit Heringen. In einem beigefügten Schreiben bat er nunmehr „untertänigst“, dem köstlichen Produkt den Namen „Bismarck-Hering“ geben zu dürfen. 

Der Reichskanzler übermittelte hocherfreut sein Einverständnis. Somit ist Stralsund der Ort, an dem der in ganz Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus bekannte „Bismarck-Hering“ erstmals verkauft wurde. Zugegeben, es gibt noch andere Erklärungen, wie der „Bismarck-Hering“ zu seinen Namen kam. Aber diese lassen wir mal außen vor. 

Geheimes Originalrezept 

Nach der Wende erfuhr der Stralsunder Fischhändler Henry Rasmus von dieser Begebenheit. Er setzte sich mit den Nachfahren von Johann Wiechmann in Verbindung, die ihm das verschollen geglaubte Originalrezept überließen und die Erlaubnis zur Vermarktung des echten „Bismarck-Herings“ erteilten. 

Anfang des Jahres verabschiedete sich Henry Rasmus in den Ruhestand und übergab seinen Laden und das Rezept zur Herstellung des „Bismarck-Herings“, das natürlich geheim ist, an Mathias Schilling, einst bekannt geworden durch den Hiddenseer Kutterfisch. Somit ist auch weiterhin gesichert, dass der einzig echte „Bismarck-Hering“ in der Hansestadt Stralsund hergestellt wird. 

Bismarck-Hering für George Bush 

Viele prominente Politikerinnen und Politiker kamen schon in den Genuss des Stralsunder Produkts. Beim G7-Gipfel 2007 in Heiligendamm, aber auch 2006 beim Besuch des amerikanischen Präsidenten George Bush in Stralsund gab es den legendären „Bismarck-Hering“ als Geschenk per Fässchen. 

• Info Hier können Fischspezialitäten aus Vorpommern bestellt werden, natürlich auch den Bismarckhering im Fässchen. www.fischhandel-rasmus.de

 



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