04.07.2022

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Vor dem Bild seines Onkels Adalbert Zink, der posthum geehrt wurde: Heinrich Hoch hält die Urkunde zur Ehrenbürgerschaft in den Händen
Foto: U.H.Vor dem Bild seines Onkels Adalbert Zink, der posthum geehrt wurde: Heinrich Hoch hält die Urkunde zur Ehrenbürgerschaft in den Händen

Dietrichswalde

Ehrung eines standhaften Ermländers

Der infulierte Prälat Adalbert Zink wurde im Rahmen des 670. Jubiläums seiner Wahlheimat posthum zum Ehrenbürger ernannt

Uwe Hahnkamp
09.06.2022

Mit einer feierlichen Sitzung des Gemeinderats im Kulturhaus eröffnete die Gemeinde Dietrichswalde bei Allenstein die Feierlichkeiten zu ihrem 670-jährigen Bestehen in diesem Jahr. Ein wichtiger Punkt der Tagesordnung war die posthume Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Gemeinde an den dort bestatteten infulierten Prälaten Adalbert Zink. Die Urkunde nahm Heinrich Hoch, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, als nächster Verwandter Zinks entgegen.

Die Begründung zum Antrag trug Leszek Orciuch vor, der Direktor des Adalbert-Zink-Gymnasiums in Dietrichswalde, das der Schulreform zum Opfer gefallen ist. Unter anderem zitierte er eine Äußerung von Kardinal Stefan Wyszyński: „Es verteidigten mich nur ein Deutscher und ein Hund.“ Damit bezog sich der polnische Primas und Förderer des späteren Papstes Johannes Paul II. darauf, dass Zink als damaliger Generalvikar der Diözese Ermland im Jahr 1953 als einziger Vertreter des Episkopats Polens die Einverständniserklärung zur Verhaftung von Kardinal Wyszyński nicht unterzeichnet hatte. Nicht umsonst sagt man Ermländern Standfestigkeit nach.

Gefängnis für Standhaftigkeit

Doch auch schon vorher stand er den Schwächeren zur Seite, predigte vor dem Zweiten Weltkrieg auf Deutsch und Polnisch und setzte sich danach für die Ermländer beider Muttersprachen und die deutsch-polnischen Beziehungen ein. Für die nicht geleistete Unterschrift landete er selbst im Gefängnis. Zink starb 1969 in Allenstein und wurde in Dietrichswalde bestattet. Die Schüler des dortigen Adalbert-Zink-Gymnasiums waren Mit-Antragsteller für die Ehrung Zinks mit einem Baum und einem Gedenkstein im „Garten der Gerechten“ in Warschau im Juni 2018. Im September 2018 folgte die Aufstellung einer Büste des Geistlichen vor der Jacobi-Kirche in Allenstein und ein Jahr später die eines Gedenksteins auf dem Bischofsweg in Balden bei Allenstein, den Helga und Herbert Monkowski von der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land gestiftet hatten (die PAZ berichtete).

Zink kaufte ein Haus in Dietrichswalde

Nun gab der Rat der Gemeinde Dietrichswalde in öffentlicher Abstimmung einstimmig die offizielle Zustimmung zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Zink; Gemeindevorsteher Jan Kasprowicz überreichte Hoch das entsprechende Diplom. Der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren erinnert sich noch an die regelmäßigen Treffen seines Vaters mit Zink insbesondere aus Anlass der Kirchweihen in Dietrichswalde. Dort hatte Zink eigentlich leben und wirken wollen, er hatte sich sogar ein Haus gekauft, aber es blieb ihm wegen seiner Laufbahn und den geschichtlichen Ereignissen, die ihn in Allenstein festhielten, verwehrt.

Seit dem 19. Mai ist Zink aber wenigstens posthum Ehrenbürger der Gemeinde und bleibt den heutigen und kommenden Einwohnern somit im Gedächtnis.



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Kommentare

sitra achra am 09.06.22, 15:55 Uhr

Herzergreifend. Stamme auch aus einer ermländischen Familie.

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