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Unter Europas Erde brodelt eine glühende Gefahr: Vulkane und riesige Magmakammern lauern auf ihre Explosion. Auch in Deutschlands Eifelregion braut sich etwas zusammen
Europa ist nicht nur politisch instabil, sondern auch ein geologisches Pulverfass, welches jederzeit explodieren kann. Das zeigte sich gerade wieder im Verlauf der vergangenen Monate.
Zuerst rumorte es am 22. Januar auf der zu Spanien gehörenden Kanaren-Insel Teneriffa. Eine Erdbebenserie am südlichen Fuß des 3715 Meter hohen Vulkans Pico del Teide weckte Erinnerungen an die drei letzten Ausbrüche des feuerspeienden Berges in den Jahren 1706, 1798 und 1909, bei denen es teilweise zu schweren Schäden kam. Und auch der Vulkan Tajogaite auf der Nachbarinsel La Palma hatte erst kürzlich gezeigt, dass die Kanaren keineswegs bloß ein harmloses Urlaubsparadies sind. Er stieß vom 19. September bis zum 13. Dezember 2021 Lava, Asche und Gase aus und zerstörte dabei 1600 Gebäude.
Zwei Tage nach den Erschütterungen auf Teneriffa setzte eine Serie von Erdstößen auf der kleinen malerischen griechischen Insel Santorin ein, welche pro Jahr von 3,5 Millionen Touristen besucht wird. Dabei zählten die Geophysiker innerhalb von vier Wochen 21.500 Erdbeben bis zur Stärke 5,3. Nun befürchten sie eine Aktivierung des großen Unterwasservulkans Kolumbo zwischen Santorin und Amorgos, unter dem sich schon seit Längerem flüssiges Magma anstaut.
Sollte der Kolumbo ausbrechen, droht ein ähnliches Szenario wie bei der letzten Eruption im September und Oktober 1650. Damals tauchte der Berg plötzlich aus dem Wasser auf und schleuderte glühende Gesteinsbrocken und Asche auf die umliegenden Inseln. Dann kollabierte der Krater, woraufhin bis zu 20 Meter hohe Tsunamiwellen durch die Ägäis rasten und noch in 150 Kilometern Entfernung Schäden verursachten. Besonders betroffen war das nur sieben Kilometer entfernte Santorin, wo viele Menschen starben.
Flutwellen und Gesteinsregen
Ein weiterer geologischer Paukenschlag ging im Frühjahr 2025 von den Phlegräischen Feldern am Golf von Neapel aus. Unter dem Gelände liegt ein Supervulkan mit einer gigantischen Magmakammer, welche unablässig wächst, wodurch sich der Boden in der Region anhebt. Hieraus resultieren immer wieder Erdbeben, wie die vom 13. März und 30. Juni, deren zunehmende Stärke die Experten alarmiert. Sollte der Supervulkan tatsächlich ausbrechen, müssten rund 500.000 Menschen evakuiert werden, wobei es derzeit aber sogar an geeigneten Fluchtwegen mangelt.
Zusätzlich zu den Phlegräischen Feldern tickt noch eine weitere vulkanische Zeitbombe vor der Südwestküste des italienischen Stiefels. Auf dem Grund des Tyrrhenischen Meeres zwischen Neapel und Sizilien liegt der höchste Unterwasservulkan Europas namens Marsili. Dieser ragt beeindruckende 2200 Meter auf und nimmt eine Fläche von 2000 Quadratkilometern ein. Die jüngsten Eruptionen des Marsili fanden vor etwa 2100 und 3000 Jahren statt und lösten ebenfalls verheerende Tsunamis aus. Die Mitarbeiter des Institutes für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Rom befürchten nun einen plötzlichen Einbruch der steilen Flanken des Berges und hierdurch ausgelöste Flutwellen, welche die Küsten von Kampanien, Kalabrien und Sizilien verwüsten würden.
Gefahr durch Vulkane droht allerdings nicht nur auf den Kanaren oder im Mittelmeerraum, sondern auch in Deutschland, das ebenfalls einige vulkanisch aktive Regionen aufweist. Hierzu zählen das Vogtland, Oberfranken, der Raum nördlich des Bodensees und die Eifel. Ernsthafte Sicherheitsrisiken bestehen jedoch allein in dem letztgenannten Mittelgebirge zwischen Aachen, Trier und Koblenz. Der Vulkanismus prägt die Eifel bereits seit 50 Millionen Jahren. Er hat eine Kette von rund 800 Aschevulkanen oder Schlackenkegeln sowie 70 Maaren geschaffen. Die Ursache des Eifelvulkanismus ist Magma, das entweder direkt zur Erdoberfläche aufsteigt oder sich in unterirdischen Kammern sammelt und dann in unregelmäßigen Abständen nach oben durchbricht und Krater erzeugt. Letztmalig geschah dies vor 13.000 und 11.000 Jahren.
Eine Katastrophe für das Rheinland
Vor 13.000 Jahren entstand dadurch der fast kreisrunde Laacher See, 2000 Jahre später das Ulmener Maar. Unter beiden dieser Gewässer liegen noch heute in zehn bis 30 Kilometern Tiefe Magmakammern, wobei die im Bereich Ulmen, Kelberg und Bad Betrich erst im vorigen Jahr von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie entdeckt wurde. Die Frage ist nun, ob es hier erneut zu einer Eruption kommen könnte.
Dazu haben Vulkanismus-Experten wie der Geologie-Professor Ulrich Schreiber, der an der Universität Duisburg-Essen gelehrt hat, eine klare Meinung: Normalerweise dauere es ziemlich lange, bis sich genügend Magma für einen Ausbruch in der Eifel anstaue, jedoch könnten Erdbeben oder kleinere Verschiebungen der Erdkrustenblöcke unter dem Gebirge auch innerhalb von Wochen oder gar Tagen Kanäle für das aufsteigende Magma öffnen. Deshalb stehe fest: „Ein Ausbruch wird kommen. Nur der Zeitpunkt ist ungewiss.“ Das sei „auch der Konsens unter Fachleuten“.
Die Statistik liefert einen Hinweis, wann es wieder so weit sein könnte: Während der vergangenen 450.000 Jahre brach in der Eifel im Durchschnitt alle 5000 bis 10.000 Jahre ein Vulkan aus – somit besteht aktuell durchaus Grund zur Sorge. Deshalb hat das rheinland-pfälzische Landesamt für Geologie sein Netz von Messstationen, welche die schlummernde Gefahr in der Tiefe der Vulkaneifel überwachen sollen, deutlich ausgebaut. Denn wenn das Magma zur Oberfläche steigt oder sich der Druck in der unterirdischen Kammer explosionsartig nach oben entlädt, dann hätte das verheerende Folgen für 200.000 Menschen in der Eifel sowie die Infrastruktur und Umwelt in der Region und darüber hinaus.
Bei der letzten Eruption im Bereich des heutigen Laacher Sees zogen Aschewolken bis nach Norditalien und Russland. Außerdem warf der Vulkan rund 20 Kubikkilometer festeren Materials aus, welches unter anderem in den Rhein gelangte und diesen über eine Strecke von mehr als 140 Kilometern aufstaute. Dem folgte ein Dammbruch, der große Teile des Rheintals verwüstete. Wenn so etwas heute passierte, wäre dies das abrupte Ende von Städten wie Koblenz, Köln, Düsseldorf und Bonn.
Dr. Rolf Lindner am 10.07.25, 07:37 Uhr
Vor einigen Wochen fragte ein Kommentator, was passiert in einem Land, das sich zur Erzeugung von Elektroenergie weitgehend auf sogenannte Erneuerbare festgelegt hat, wenn nach einem Vulkanausbruch der Himmel tagelang verdunkelt und der Antrieb für Wind nivelliert ist. Rien ne va plus. Man muss hoffen, dass der Ausbruch dann im Sommer stattfindet.