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Schelling in einer Daguerreotype von 1848
Foto: IMAGO/GRANGER Historical PictureSchelling in einer Daguerreotype von 1848

Philosophie

„Ein nach der neuesten Mode organisierter Kopf“

Mitbegründer des Deutschen Idealismus – Vor 250 Jahren wurde Friedrich Schelling geboren

Harald Tews
27.01.2025

Im Jahr 1800 erschien Friedrich Schellings philosophisches Werk „System des transzendentalen Idealismus“. In dem Buch versucht der Autor Fragen zu klären, die in Immanuel Kants Denken noch offengeblieben sind. So etwa der Widerspruch, Dinge der Natur durch die Vernunft objektiv begreifen lassen zu wollen, da doch unsere Vernunft und unser Geist selbst Teil der Natur sind.

Mit dieser Frage quälte sich der aus einer alteingesessenen schwäbischen Pfarrerfamilie stammende Schelling ein Leben lang. Und diese Frage trieb nicht nur ihn um, sondern auch die anderen beiden Hauptvertreter des Deutschen Idealismus, Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Schelling selbst hätte sich wohl eher als Kantianer oder Transzendentalphilosoph bezeichnet, nicht aber als Idealist. Bezugnehmend auf sein Traktat von 1800 bezeichnete man die philosophische Strömung um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert erst im Nachhinein als Idealismus.

Es war die Hochphase jener Zeit, als man Deutschland nicht nur als Land der Dichter, sondern auch der Denker attribuierte. Und Schelling stand mittendrin, obgleich er international heute längst nicht mehr jenen Stellenwert der Wertschätzung erreicht wie etwa Kant, Fichte, Hegel, Schopenhauer, Marx oder Nietzsche.

Dass der am 27. Januar 1775 im württembergischen Leonberg geborene Schelling zu Lebzeiten überhaupt die Top-Hitliste des Denkens mit anführte, lag nicht zuletzt daran, dass er früh Kontakt hatte mit der damaligen Geisteselite. Die kommenden Stars der Kultur-Manege halfen und förderten sich gegenseitig. Im Evangelischen Stift der Tübinger Universität studierte Schelling gemeinsam mit Hölderlin und Hegel. Sein Idol aber war Fichte, der in Jena Philosophie lehrte. Und hierhin, in die Keimzelle der deutschen Romantik, verschlug es auch Schelling.

Es war Goethe, der dem jungen Überflieger 1798 zu einem Lehrstuhl der Philosophie in Jena verhalf und der anfangs voll des Lobes über den Aspiranten war: „Es ist ein sehr klarer, energischer und nach der neuesten Mode organisierter Kopf.“

In Jena machte Schelling Bekanntschaft mit den frühen Romantikern Novalis, Tieck, Schleiermacher sowie den Brüdern Schlegel. Besonders angetan war er von der freigeistigen Ehefrau von August Wilhelm Schlegel. Caroline war erst seine Muse und dann, nach der Scheidung von Schlegel, seine bessere Hälfte. Die jahrelange ménage à trois inspirierte Goethe zu seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“, den er zu einem Zeitpunkt schrieb, als er seine Meinung zu Schelling bereits geändert hatte.

Dass Schelling in seiner weiteren philosophischen Entwicklung Gott als Lösung des Zwiespalts von Mensch und Natur vorschlug, kam nicht überall gut an. Als er 1841 in Berlin als Nachfolger von Hegel dessen Lehrstuhl antrat, besuchten zwar Kierkegaard, Friedrich Engels und Bakunin seine Vorlesungen, zogen aber enttäuscht wieder von dannen. So wurde es still um den Philosophen, der 1854 einsam während einer Kur in Ragaz im Schweizer Kanton St. Gallen gestorben ist. Doch noch heute wird an ihn erinnert: Ihm zu Ehren vergibt die Bayerische Akademie der Wissenschaften den Schelling-Preis, zuletzt im Jahr 2022.


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