26.11.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Kostbarkeit in Hinterpommern

Ein silberner Kirchenschatz

Elisabeth, die letzte Herzogin von Pommern, holte den Silberaltar nach Rügenwalde

Martin Stolzenau
25.09.2022

In Rügenwalde [Darłowo], das heute zur polnischen Woiwodschaft Westpommern gehört, blieben über alle Zeitenwechsel zwei Gebäude erhalten, die eng mit der Geschichte Pommerns verbunden sind. Das sind das ehemalige Schloss der Herzöge von Pommern und die Marienkirche. Hier fand auch Elisabeth von Schleswig-Holstein-Sonderburg, die als letzte Herzogin von Pommern überliefert ist, ihre letzte Ruhe.

Sie war in dreifacher Hinsicht bemerkenswert. Erstens durch ihre Heirat mit dem pommerschen Herzog Bogislaw XIV. Zweitens war ihre kinderlose Ehe mit dem Greifen der Grund für das Erlöschen des Fürstenhauses und die damit verbundene Übernahme durch Kurbrandenburg. Allerdings sorgte sie drittens für die Überführung des berühmten Rügenwalder Silberaltars von Augsburg nach Rügenwalde, der heute nach turbulenter Geschichte in seinem erhaltenen Restbestand wieder besichtigt werden kann.

Während Elisabeth als letzte Herzogin von Pommern weitgehend vergessen ist, ziehen heutzutage das ehemalige Greifenschloss, die Marienkirche und der Rügenwalder Silberaltar viele Besucher aus nah und fern an.

Schleswig-Holstein und Pommern

Die letzte Herzogin von Pommern wurde am 24. September 1580 als Elisabeth von Schleswig-Holstein-Sonderburg geboren. Sie war eine Tochter von Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Sonderburg aus dessen erster Ehe mit Elisabeth von Braunschweig-Grubenhagen und hatte mehrere Geschwister, die alle eine standesgemäße Erziehung erhielten. Bei den Prinzessinnen standen die Religion und die Vorbereitung auf eine Heirat mit einem regierenden Fürstenhaus im Mittelpunkt.

Doch während ihre Schwestern bald unter der Haube und die Prinzessinnen Anna und Sophia mit Bogislaw III. von Pommern sowie Philipp II. von Pommern verheiratet worden waren, fand sich für Prinzessin Elisabeth lange Zeit kein Bewerber. Sie war schon 35 Jahre alt, als sich Bogislaw XIV. von Pommern um sie bemühte und damit die engen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Schleswig- Holstein und Pommern weiter ausbaute. 1615 fand die Hochzeit statt. Die nunmehrige Herzogin Elisabeth lebte fortan in der Residenz in Stettin, ergänzte sich mit ihrem Mann im Kunstsinn und wollte ihm einen Thronerben schenken.

Von Augsburg nach Rügenwalde

Doch die Jahre vergingen ohne Kindersegen. Der Dreißigjährige Krieg breitete sich aus. Dazu gab es in der Fürstenfamilie der Greifen mehrere Todesfälle. Die männliche Verwandtschaft des Herzogs Bogislaw XIV. verstarb. Es gab für ihn keinen männlichen Thronerben aus der Familie.

Damit drohte das Ende der Dynastie und die Übernahme durch Kurbrandenburg per Erbverbrüderungsvertrag. Das sorgte für Spannung in der Fürstenfamilie, zu der in Stettin inzwischen auch die Herzogin von Croy gehörte, die Schwester von Herzog Bogislaw XIV., die nach dem Tod ihres Mannes und Differenzen mit dessen Familie nach Pommern zurückgekehrt war.

Dann kam das befürchtete Ende. 1637 starb Herzog Bogislaw XIV. ohne Thronfolger. Der Erbverbrüderungsvertrag mit Kurbrandenburg trat in Kraft. Herzoginwitwe Elisabeth erhielt das Schloss in Rügenwalde als Witwensitz. Für ihre Versorgung hatte seinerzeit die Stadt Rügenwalde zu sorgen.

Der Schlossbau geht auf Herzog Bogislaw V. im 14. Jahrhundert zurück, diente im 15. Jahrhundert Erich I., der als Pommernherzog und König von Dänemark, Schweden und Norwegen in die Geschichte einging, als letzte Residenz und wurde ab 1637 zum Refugium für Herzogin Elisabeth. Von hier regelte sie in Abstimmung mit der Herzogin von Croy, ihrer Schwägerin, die Erbschaftsangelegenheiten. Dazu gehörte auch die Überführung und Aufstellung des berühmten Rügenwalder Silberaltars.

Reste wurden restauriert

Diese Kostbarkeit war noch von Herzog Philipp II. von Pommern vor dessen Tod 1618 bei einem Augsburger Künstler in Auftrag gegeben worden. Der Altar enthält in Silber getriebene Flachreliefs mit Darstellungen aus dem Neuen Testament. Herzoginwitwe Elisabeth sorgte für die Überführung und Aufstellung in der Rügenwalder Marienkirche.

Der Sakralbau, eine dreischiffige Basilika aus Ziegeln im Stil der Spätgotik mit einem 60 Meter hohen Westturm, wurde im 14. Jahrhundert errichtet und beherbergte nun außer der Fürstengruft mit dem Sarkophag von König Erich I. und Ölgemälden mit der Darstellung von Martin Luther und Philipp Melanchthon, die Lucas Cranach d. Ä. geschaffen hatte, auch den Silberaltar als besondere Kostbarkeit. Als Stifterin des Rügenwalder Silberaltars ging Herzogin Elisabeth in die Kunstgeschichte ein.

Sie lebte ihre letzten Jahre zurückgezogen im Schloss von Rügenwalde, starb am 21. Dezember 1653 in ihrem Refugium, wurde 73 Jahre alt und fand zunächst in der Rügenwalder Schlosskirche ihre letzte Ruhe, ehe später ihr Sarkophag neben dem von Erich I. in der Marienkirche beigesetzt wurde.

Ein Zeitzeuge berichtet

Der Silberaltar blieb bis 1944 in der Rügenwalder Marienkirche, wurde dann in einem Tresor in Schlawe aufbewahrt und galt später lange Zeit als verschollen. Erst nach Mitte der 1950er Jahre wurden acht Reliefs im Osten Polens wiederentdeckt. Der erhaltene Rest wurde restauriert, gehört inzwischen zum Bestand des Museums in Stolp, das sich seit 1965 im wiederaufgebauten Schloss der pommerschen Herzöge befindet. Zeitweilig wurde er auch in Rügenwalde ausgestellt.

Der Rügenwalder Silberaltar wurde von Karl Rosenow zu Kriegsende nach Schlawe ausgelagert. Er kam in den unterirdischen Tresor der dortigen Bank (in 24 Kisten). Von dort wurde er von den Russen entwendet. In den 1950er Jahren tauchten acht Tafeln in der Nähe von Lublin auf, wurden auf einem Feld gefunden. Der Rest ist verschollen.

Die acht Tafeln befinden sich seither im Mittelpommerschen Museum in Stolp, zusammen mit dem schwarzen Rahmen aus Ebenholz. 2019 wurde der Altar in Rügenwalde im Muzeum Darłowo, im Greifenschloss Rügenwalde, ausgestellt und kam dann zurück nach Stolp. Das Ministerium in Warschau möchte nicht, dass die Exponate wieder nach Rügenwalde zurückkommen.

• Im Museum in Stolp [Słupsk], dem Schloss der pommerschen Herzöge, befinden sich folgende Ausstellungen: Schätze der pommerschen Herzöge, hier befindet sich der Silberaltar; Aus der Vergangenheit von Stolp; Alte pommersche Kunst vom 14. bis 18. Jahrhundert; Gemeinsam zu Tisch – Besteck und kulinarisches Zubehör vom 17. bis zum 21. Jahrhundert.
www.muzeum.slupsk.pl



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!