Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Unfassbare Arroganz und Nachlässigkeit deutscher Regierungen haben uns dahingeführt, dass Putin uns zeigen kann, wie fragil unsere Demokratie ist
Es gibt Bücher, die nicht nur gelesen werden wollen, sondern auf eine stille, beinahe feierliche Weise nachdenklich stimmen – und allen deshalb schon gelesen werden müssen. „Das Versagen“ von Katja Gloger und Georg Mascolo gehört zweifellos zu dieser Art von Literatur. Ein Werk, das den Geist fordert, weiterbildet, Erkenntnisse klug verknüpft und dabei auch das Gewissen anspricht. Schon auf den ersten Seiten wird spürbar, dass das Buch aus einer Haltung heraus geschrieben ist, die Verantwortung ernst nimmt: Verantwortung gegenüber der Wahrheit, gegenüber der Demokratie und gegenüber einer Ordnung, die nur besteht, wenn sie von Menschen mit echtem Rückgrat getragen wird.
Die Autoren legen die Fehlstellen politischer Führung mit einer Präzision frei, die in ihrer Nüchternheit fast konservativ wirkt – nicht im parteipolitischen Sinn, sondern in jenem klassischen Verständnis, das an Prinzipien festhält: Verlässlichkeit, Pflichtbewusstsein, institutionelle Stärke. Ihr Blick richtet sich auf das, was ein Gemeinwesen zusammenhält, und genau dieses Fundament sehen sie gefährdet, wenn Entscheidungen nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeit getroffen werden.
Essayistisch entwickeln sie daraus eine Erzählung über Verantwortungsethik: über das fragile Zusammenspiel zwischen Führung und Vertrauen, zwischen Krise und Charakter. Dabei schreiben sie mit einer wohltuenden Schärfe, die frei bleibt von modischer Empörung. Statt schriller Töne findet man sorgfältig abgewogene Argumente, getragen von einer Haltung, die um die Bedeutung historischer Kontinuität weiß.
Sorgfältig abgewogene Argumente
Besonders eindrucksvoll ist, dass „Das Versagen“ nicht nur analysiert, sondern Orientierung gibt. Die Autoren zeigen, wie unverzichtbar starke Institutionen, klare Zuständigkeiten und ein Bewusstsein für die Grenzen des eigenen Handelns sind – eine Mahnung, die in unserer Zeit kaum aktueller sein könnte.
Am Ende bleibt ein Buch, das zur Besinnung ruft, weil es die Bruchpunkte deutscher Russlandpolitik offen nennt und damit deutlich macht, warum wir dem ebenso skrupellosen wie machthungrigen KGB-Schergen Putin in die Falle gegangen sind. Wolfgang Schäuble hat es auf den Punkt gebracht: „Wir wollten es nicht sehen!“: Somit ist das Buch, das zu jener unverzichtbaren Aufklärung beiträgt, die bisher alle Bundesregierungen verweigert haben. „Das Versagen“ macht deutlich: Wir haben so viel gewusst, aber so wenig aus Blauäugigkeit getan.
Katja Glogau/Georg Mascolo: „Das Versagen“, Ullstein Verlag, Berlin 2025, gebunden, 496 Seiten, 26,99 Euro