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Mit Kleinrechnern samt passender Programme und Dienstleistungen fand der vor 100 Jahren geborene Preuße seine Marktlücke
Vor 100 Jahren, am 9. April 1925, kam der typische Westfale Heinz Nixdorf wahrlich nicht mit einem goldenen Löffel im Munde zur Welt. Sein Vater, ein Geschäftsreisender, war in den 20er und 30er Jahren zeitweilig arbeitslos. 1939 bekam er endlich eine feste Stelle bei der Reichsbahn, aber bereits ein halbes Jahrzehnt später fiel er an der Ostfront. Als ältestes von fünf Kindern musste Heinz Nixdorf versuchen, den Vater zu ersetzen.
Zum Glück wurde seine außerordentliche Begabung insbesondere in Mathematik und Physik frühzeitig erkannt. Er bekam gute Noten, und die wenigen Fördermöglichkeiten, die sich ihm dadurch boten, nutzte er eifrig. Nach Arbeits- und Kriegsdienst machte er 1946 Abitur und studierte ab 1947 in Frankfurt angewandte Physik und Betriebswirtschaft, eine ideale Kombination für seine spätere Tätigkeit. Einen Abschluss machte er nicht, brauchte der Selfmademan aber auch nicht.
Als Werkstudent beim US-amerikanischen Büromaschinenhersteller Remington Rand half er 1951 Walter Sprick bei der Weiterentwicklung des ersten praktisch genutzten Röhrenrechners in Deutschland, der von diesem gebaut worden war. Nixdorfs Angebot, mit ihm eine Firma zu gründen, schlug Sprick zwar aus, doch half er Nixdorf, als dieser nun allein eine Firma gründete. Beispielsweise bürgte er für die 30.000 D-Mark, die der Studienabbrecher vom Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk (RWE) dafür bekam, dass er für die Buchhaltung des Energieversorgungsunternehmens eine Rechenmaschine auf Elektronenröhrenbasis entwickelte. Zur Abarbeitung des Auftrags gründete Nixdorf 1952 das Heinz Nixdorf Labor für Impulstechnik (LFI) mit Sitz im Keller des Verwaltungsbaus seines bislang einzigen Kunden. 1954 konnte Nixdorf den fertigen Rechner übergeben.
Nicht nur weitere Aufträge, sondern auch weitere Auftraggeber folgten, und das Unternehmen expandierte. 1959 verlegte Nixdorf den Firmensitz vom RWE-Sitz Essen in seine Heimatstadt Paderborn.
Der Durchbruch gelang Nixdorf als Pionier der dezentralen elektronischen Datenverarbeitung mit Kleinrechnern am Arbeitsplatz, mit Tischrechnern, die auch für mittelständische Unternehmen bezahlbar waren. Dem ersten elektronischen Tischrechner mit Klartextdruck auf dem Weltmarkt aus dem Jahr 1964 folgten ein Jahr später der erste auf Halbleitern basierende Kleincomputer und 1967 schließlich der Universalcomputer Nixdorf System 820, ein Kleincomputer mit einem Magnetkernspeicher, integrierter Tastatur und einer Schreibmaschine zur Datenausgabe. „Computer müssen so klein sein, dass sie in die linke untere Schublade eines Buchhalter-Schreibtisches passen“, wurde Nixdorfs Credo. Gerade für die mittelständische Wirtschaft ohne eigene EDV-Abteilung interessant und attraktiv, bot Nixdorfs Unternehmen aus einer Hand zu der attraktiven Hardware, den Maschinen, auch passende Software in Form branchenspezifischer Programme sowie Dienstleistungen wie Schulung, Organisationsberatung und technischen Service. Der Westfale hatte seine Marktlücke gefunden.
Nun ging es steil bergauf. In den 70er Jahren wurde das Unternehmen Marktführer in Deutschland im Bereich der sogenannten Mittleren Datentechnik und viertgrößter Computerhersteller in Europa. Wie bei vielen sehr erfolgreichen Unternehmen reichte das Eigenkapital kaum für das Expansionspotential. 1984 ging das Unternehmen deshalb an die Börse. Mitte der 80er Jahre betrug der Umsatz der Nixdorf Computer AG fast vier Milliarden D-Mark, der Gewinn 172 Millionen D-Mark und die Zahl der Mitarbeiter 23.300.
„Vor dem Himmel kommt das Leben auf Erden, und da gilt es, eine soziale Gesellschaft aufzubauen“, so Nixdorf in seinem Todesjahr. Mitarbeiterführung gehörte zweifellos auch zu seinen Stärken. Mit sozialen Wohltaten, Interesse und der ihm eigenen Begeisterungsfähigkeit wusste er sein Betriebspersonal zu motivieren. Zu den sozialen Wohltaten gehörten auch vielfältige Sportmöglichkeiten. Einerseits war er ein begeisterter, ehrgeiziger, erfolgreicher Sportler. Andererseits wusste er aus leidvoller Erfahrung um die Wichtigkeit einer gesunden Lebensführung. Ein Herzinfarkt auf der Computermesse Cebit wurde Nixdorf am 17. März 1986 zum Verhängnis.
Nach Nixdorfs Tod hat mit seinem Vertriebschef Klaus Luft sein Stellvertreter und Favorit seine Nachfolge angetreten. Fakt ist ebenso, dass der Pionier des Kleincomputers die Bedeutung des von ihm als „Spielzeug“, „Goggomobil“ und „Moped“ verachteten noch kleineren Personal Computer verkannt hat. Inwieweit er damit eine Mitverantwortung trägt für den alsbald nach seinem Tod einsetzenden schnellen Niedergang seines Unternehmens, ist eine andere Frage.
sitra achra am 27.03.25, 12:03 Uhr
Leider hat er keinen kongenialen Nachfolger gefunden, der die Firma zukunftstauglich gemacht hätte. Aus der Retrospektive einfach unverständlich.