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Mehrzweckschiff „Arkona“ erneut im Hausrevier unterwegs – Es gibt viel zu tun in diesem Winter
Die „Arkona“ ist das modernste und größte Schiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Stralsund. Seit Ende Januar ist das eisbrechende Mehrzweckschiff wieder im Dauereinsatz. Denn auf Sund und Bodden wuchs die Festeisdecke inzwischen stellenweise auf bis zu 30 Zentimeter Dicke an.
Die „Arkona“ bricht Schiffen die Rinne bis zu den am stärksten von diesem Eiswinter betroffenen vorpommerschen Häfen Stralsund, Ladebow, Vierow und Lubmin frei, damit die Frachter ungehindert laden und löschen können. Wenn dann bei heftigem Ostwind Eiswälle (Ridges) aufgeschoben werden, scheitert jedes Schiff.
Das 44 Millionen Euro teure Spezialschiff hat wieder Kurs auf den unter einer Festeisdecke liegenden Greifswalder Bodden genommen. Noch im strengen Eiswinter 1996/97 erledigte das ihr inzwischen stillgelegter Vorgänger „Stephan Jantzen“, der als Museumsschiff im Rostocker Stadthafen zu besichtigen ist. Seine Besatzung wechselte auf die „Arkona“.
Sicherheit und Leichtigkeit
Die „Arkona“ zeigte in ihrem Hausrevier, was sie kann. 6600 PS schieben den Kraftprotz mit bis zu zwölf Knoten fast ungebremst durch das verbackene Trümmereis der Fahrrinne. Südlich Palmerort, der südwestlichen Spitze von Rügen, manövriert der Kapitän das 70 Meter lange und 15 Meter breite Schiff ins geschlossene Festeis. „Das wächst nur noch“, erklärt er, „wenn die Temperaturen über längere Zeit bei minus zehn Grad liegen.“ Außerdem isoliere die Schneedecke das darunterliegende Eis. Doch auch hier rauscht die „Arkona“ problemlos hindurch, vorwärts wie rückwärts. Die um 360 Grad schwenkbaren Azipod-Propellergondeln mit Elektroantrieb machen das möglich.
Für die Schifffahrt ist dieser Service kostenfrei, auch wenn die „Arkona“ den Bund täglich rund ums Jahr 50.000 Euro kostet, inklusive Abschreibung, Personal und Vorhaltung für diverse Notfälle. „Doch muss“, so der Kapitän, „das oberste Prinzip der Wasserstraßenverwaltung – Sicherheit und die Leichtigkeit der Schifffahrt – stets gewährleistet sein“.
Diese Regelung gilt weltweit. Häfen, die wegen Eisverschluss der Zufahrten nicht mehr arbeiten können, würden für die Volkswirtschaft einen großen Schaden bedeuten. „Eisbrecher-Kosten sind ein Klacks dagegen“, resümiert der Kapitän. Die deutschen Häfen an der östlichen Ostsee profitieren nachhaltig davon.
Reederei der „Arkona“ ist das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund. Heimathafen ist daher die Hansestadt. Der etwas größere Vorgängerbau „Neuwerk“ (Länge 77 Meter, 3422 BRZ) entstand 1998 auf der dortigen Volkswerft und ist überwiegend in der Nordsee stationiert.
Das Schadstoffunfall-Bekämpfungsschiff (SUBS) „Arkona“ wurde im Rahmen der maritimen Notfallvorsorge in Dienst gestellt und schloss damit die letzte Lücke im Gesamtkonzept. Das basiert auf den Empfehlungen des Helsinki-Übereinkommens für die Ostsee-Anrainer-Staaten. Innerhalb von acht Stunden nach Alarmeingang, heißt es darin unter anderem, muss ein SUBS jede Position im eigenen Seegebiet erreichen können. Einsatzgebiet: zwischen Rostock und der polnischen Grenze.
Aus den stark zunehmenden Schiffsbewegungen im Allgemeinen und dem Transport von gefährlichen Stoffen im Besonderen resultieren verstärkt Gefahren für die Umwelt. Prognosen gehen davon aus, dass der Schiffsverkehr vor den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns in den nächsten Jahren um 80 Prozent anwachsen werde. Jährlich passieren rund 63.000 Schiffe, davon rund 10.000 Tanker mit steigender Tendenz, die Kadetrinne. Dadurch ist es notwendig geworden, Spezialschiffe bauen zu lassen, die Öl-, Chemikalienunfälle und Brände bekämpfen, aber notfalls auch havarierte Schiffe schleppen können. Als Mehrzweckschiff – an der Küste scherzhaft „Eier legende Wollmilchsau“ genannt – muss der Allrounder außerdem eisbrechen.
Ein schwimmendes Kraftpaket
Der dieselelektrische Pod-Antrieb mit seinen beiden schwenkbaren Propellergondeln erlaubt optimales Vor- und Rückwärts-Manövrieren: zum Beispiel in zwei Minuten und 16 Sekunden eine 180-Grad-Wende oder einen Drehkreis von 500 Metern Durchmesser oder das Wegspülen von Eis auf engstem Raum wie neben einem festsitzenden Frachter, der dann in einer 17 Meter breiten Rinne folgen kann. Die ist oft zwei Meter breiter als „Arkona“, denn ihre Wellen bewegen sich unter dem Eis weiter und brechen es an den Rändern zusätzlich auf. Daneben muss sie Seezeichen bearbeiten, schifffahrtspolizeiliche Aufgaben wahrnehmen und lebensrettende Maßnahmen durchführen.
Die SUBS „Arkona“ löste zwei Schiffe des WSA Stralsund ab: den 1967 in der damaligen Sowjetunion für die DDR gebauten und größten deutschen Eisbrecher „Stephan Jantzen“ (2316 BRZ) sowie den 1969 in Polen entstandenen Tonnenleger „Buk“ (528 BRZ). Beide wurden außer Dienst gestellt und über die VEBEG verkauft.
SUBS „Arkona“: Bauwerft: Peene-Werft, Wolgast; Kiellegung 2004; Eiserprobung in der Bottenvik: Winter 2005; 2100 BRZ; 69,20 Meter Länge; 15 Meter Breite; 4,50 Meter Tiefgang; Maschine: 2 POD-Antriebe mit 2700 kW, 4 MTU-Diesel zu je 1140 kW, 1 x 1000 kW Pump jet; Geschwindigkeit: 15,1 Knoten; Crew: 16, Unterbringungsmöglichkeiten: 32 Personen.