11.01.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Schöne neue Meereswelt: Auf der Doggerbank soll die weltweit größte „Windfarm“ entstehen. Wenn Hunderte von Windrädern  ihren Betrieb aufnehmen, entstehen im Leebereich Windschleppen, welche auch die Artenvielfalt gefährden könnten
bild: KI GENERATED BY CHATGPTSchöne neue Meereswelt: Auf der Doggerbank soll die weltweit größte „Windfarm“ entstehen. Wenn Hunderte von Windrädern ihren Betrieb aufnehmen, entstehen im Leebereich Windschleppen, welche auch die Artenvielfalt gefährden könnten

Die Doggerbank wird zum Industriepark

Energie aus dem Schutzgebiet

Alle Hürden abgeräumt und alle Bedenken ausgeräumt – Die Doggerbank in der Nordsee wird Windindustriegebiet

Dagmar Jestrzemski
11.01.2026

In der südlichen Nordsee erstreckt sich in West-Ost-Richtung die Doggerbank, eine über 300 Kilometer lange und teils über 120 Kilometer breite Sandbank in einer Wassertiefe von etwa 13 bis 30 Metern unter dem Meeresspiegel. Sie verläuft vom Festlandsockel Großbritanniens bis in niederländische, deutsche und dänische Meeresgebiete.

Mit einer Fläche von 17.600 bis 18.000 Quadratkilometern ist die Doggerbank die größte Sandbank in der Nordsee. Nach der letzten Eiszeit bildeten die „Dogger Hills“ vor etwa 8.000 Jahren den Südrand der Nordsee. Weit vorgeschoben im Bereich der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) befindet sich der mit 1.624 Quadratkilometern relativ kleine deutsche Teil der Doggerbank. Deutschland hat hier eingeschränkte hoheitliche Rechte.

Östlich davon liegt der dänische Teil der Doggerbank, westlich angrenzend sind es der niederländische und der britische Gebietsanteil der Sandbank (englisch „bank“).

Mit einer Gesamtfläche von 8.660 Quadratkilometern ist der britische Teil der Doggerbank im Bereich zwischen
125 und 290 Kilometer vor der Küste von Yorkshire der weitaus größte Gebietsanteil aller vier Nordseeanrainerstaaten. Der Name Doggerbank ist angelehnt an den historischen holländischen Schiffstyp Dogger, der seit dem 14. Jahrhundert für die Fischerei in der Nordsee und insbesondere für den Dorschfang mit Handangeln eingesetzt wurde.

Natura-2000-Schutzgebiet
Die Doggerbank ist das ökologische Herz der Nordsee. Die größte Sandbank im Randmeer des Atlantiks ist der Lebensraum für eine große Vielfalt an Fischarten wie auch für Schweinswale und Delfine. Hier befindet sich das wichtigste Laichgebiet der Nordsee und somit „die Kinderstube“ der Fische. Davon profitieren auch die Seevögel. Nach Großbritannien hat jetzt auch Deutschland die schädliche Grundschleppnetzfischerei auf der Doggerbank verboten.

Die deutschen, niederländischen und britischen Teile der Doggerbank gehören zum europäischen Netzwerk der Natura-2000-Schutzgebiete, das zur Erhaltung der biologischen Vielfalt dient. Deutschlands Teil ist seit 2017 zudem als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dennoch wird bereits seit der Großen Koalition der Plan erörtert, das streng geschützte Meeresgebiet für die Windkraft zu öffnen. Bis 2030 sollen das Wirtschafts- und das Umweltministerium hierzu eine Entscheidung treffen.

Obwohl das europäische Schutzgebietsnetz der Nordsee „Natura 2000“ lobend als „Europas zentrale Antwort auf den zunehmenden Verlust der Artenvielfalt“ bezeichnet wird, ist die Offshore-Windindustrie stillschweigend von dem strengen Schutzgebot ausgenommen. Der allmähliche Ausbau der küstennahen Offshore-Windenergie durch die Nordsee-Anrainerstaaten erfolgt seit dem Jahr 2008, ohne dass bisher auch nur eine Abschätzung der dadurch entstandenen Verluste an Lebensraum, Bestandszahlen einzelner Arten, Änderung der Windverhältnisse sowie des Giftstoffeintrags ins Meerwasser seitens der EU-Kommission geboten oder von den Anrainerstaaten vorgenommen wurde.

Galt es noch bis vor 15 Jahren als undenkbar, weit vorgelagerte Windparks in der Nordsee zu errichten, begannen in Großbritannien 2012 gleichwohl, in Deutschland fast ohne mediales Echo, die Planungen für den Windpark „Dogger Bank“ auf dem britischen Teil der Doggerbank. Das Projekt wird von einem Joint Venture der Unternehmen Equinor, SSE Renewables und Vårgrønn realisiert.

Gleichzeitig baut RWE den daran angeschlossenen Offshore-Windpark Sofia. In Großbritannien wird das Vorhaben kaum auf seine Risiken hin hinterfragt, gilt es doch „als wichtiger Bestandteil der britischen Strategie zur Erreichung der ‚Klimaneutralität' bis 2050“.

107 Meter lange Rotorblätter
Der Ausbau des, wie es heißt, größten Windparks der Welt erfolgte schrittweise nach Abschluss der vorgeschriebenen „Umweltverträglichkeitsprüfungen“ und ist inzwischen weit fortgeschritten. Nach Unternehmensangaben können mit dem Windstrom rund sechs Millionen britische Haushalte versorgt werden.

Die Abschnitte A, B und C des Windparks wurden mit einer Nennleistung von jeweils 1,2 Gigawatt (GW) konzipiert, entsprechend einer installierten Gesamtkapazität von 3,6 GW. Inzwischen hat auch der Energiekonzern RWE seinen daran anschließenden Windpark „Sofia“ mit weiteren 1,4 GW Leistung beinahe vollständig fertiggestellt. Die Inbetriebnahme der einzelnen Cluster soll schrittweise ab diesem Jahr erfolgen. Der Windpark ist bereits an das nationale Stromnetz des Vereinigten Königreichs angeschlossen und liefert seit 2023 Strom an britische Privathaushalte und Unternehmen.

In der Entwicklung sind bereits die Cluster Doggerbank D mit 1,5 GW und Doggerbank South mit einem Potenzial von drei GW. Ein Ausbau von derzeit 9,5 bis zur Kapazität von 13 GW wird für möglich gehalten. Demnach ist die Bebauung des gesamten britischen Teils der Doggerbank mit 1.500 Windrädern des Typs GE Wind Energy Haliade-X 12 MW möglicherweise bereits in der Projektionsphase. Der Rotor dieses Typs hat drei 107 Meter lange Blätter und dreht sich maximal 7,81 mal in der Minute.

Starkwind- oder Schwachwindzone?
Bei dem „potentiellen Areal“ von 8.660 Quadratkilometern dürften dann die staatlichen Subventionen in Form von „Contracts for difference“ (CFD) in noch weit höherem Umfang in die Taschen der Betreiber fließen. Heißt: Der Staat leistet Ausgleichszahlungen, wenn nicht genug Strom produziert wird oder wenn Windräder abgeregelt werden müssen, um das Stromnetz zu entlasten.

Was auffällt: Bezüglich der Doggerbank fehlt seitens der Windkraft-Unternehmen das übliche Loblied auf die „ausgezeichneten Windverhältnisse“ vor Ort. Über KI findet man hierzu widersprüchliche Angaben: „Die Doggerbank ist keine Schwachwindzone, sie ist eine der windreichsten Regionen Europas und wird daher für den größten Offshore-Windpark der Welt genutzt.“

Demgegenüber findet man auch: „Obwohl die Doggerbank als Schwachwindzone gilt, sind die dort vorherrschenden Winde stabil und stark genug, um eine nachhaltige Stromproduktion zu gewährleisten.“ Dahinter steckt die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich die Flachwasserzone im Herzen der Nordsee unbedingt für die Erreichung seiner „Klimaziele“ bis 2050 nutzbar machen will – Windverhältnisse hin oder her, Schutzgebiet hin oder her.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS