30.08.2025

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Der Waffensaal der Burg und eine originale Ritterrüstung
Foto: BeutnerDer Waffensaal der Burg und eine originale Ritterrüstung

Tapiau

Entdeckungstour durch die Burg von Herzog Albrecht

Ein persönlicher Reisebericht

Bärbel Beutner
30.08.2025

Der 24. April 2025 sollte für mich ein beeindruckender Tag werden. Denn ein russischer Freund machte mit mir einen Ausflug nach Tapiau. Einige Jahre war ich nicht mehr dort gewesen; besonders die Corona-Pandemie hatte es verhindert und die schwierigen Zeiten überhaupt. Dabei war Tapiau bei meinen Besuchen früher immer unser „Einkaufszentrum“ gewesen. Die Landbevölkerung im Kreis Königsberg fuhr auch in deutscher Zeit lieber nach Tapiau zum Einkaufen als nach Königsberg, und das behielten die russischen Bewohner bei. Meine Gastgeber bevorzugten den Basar in Tapiau, weil dort Produkte frisch aus der Region verkauft wurden, und ich liebte das Angebot an Pullovern, T-Shirts, Sommerkleidern und Jacken. Es war herrlich, hinter einer Wolldecke etwas anzuprobieren und ein mehrstimmiges Urteil zu bekommen, ob es passte und gut aussah oder nicht. Im Laufe der Jahre kannte man sich auf dem Markt wie in den Geschäften. So ein Einkaufstag endete dann traditionell damit, noch ein paar kleine Luxusteilchen und eine Torte zu kaufen.

Heute gibt es den Basar nicht mehr. Der zentrale Marktplatz vor der Kirche ist ein Prachtareal geworden, die Straßen sind neu gepflastert, die Fassaden renoviert, aber das deutsche Gesicht der Stadt ist immer noch erkennbar, aber unverbesserliche Nostalgiker wie ich vermissen eben urige Details eines Landstädtchens. So stand einst ein Blecheimer mit frischen Fischen am Eingang des Basars. Ein leichtsinniges Besucherpaar meinte, es sei besser, Fische auf dem Rückweg vom Markt zu kaufen. Da war der Eimer aber leer. Das löste „rasborki“ aus ... also einen verbalen Streit.

Doch diesmal war die Burg von Tapiau das Ziel. Lange Jahre war an einen Besuch der Burg nicht zu denken. Ein finsteres Gebäude hinter Mauern und Stacheldraht ließ die Gäste erschaudern. Unsere Reiseleiterin Nadja, die oft unsere Gruppenreisen begleitete, schilderte einmal die Härte des Strafvollzugs, die in Tapiau besonders sichtbar werde, sodass „Amnesty international“ schon aufmerksam wurde. Nadja lockerte die düstere Geschichte mit einer Anekdote auf und tröstete ihre Gäste nachher mit „Sephir“, einem süßen Schaumgebäck zum Verwöhnen, aber der Eindruck blieb nachhaltig.

Umso mehr überraschte der Anblick des renovierten Hauptgebäudes und des Originalpflasters aus dem 14. Jahrhundert, wunderschön anzuschauen, aber nicht leicht zu beschreiten. Überhaupt war noch überall die Baustelle zu beachten. In einem kleinen Bungalow waren die Kasse und ein Laden untergebracht. Schmuck, Bernstein und Andenken konnte man kaufen, aber Kataloge und Bücher standen noch aus.

Die Führung begann im Schlosshof. Das früher verputzte Schlossgebäude ist „freigelegt“ worden und nun wieder als Gebäude aus Feldsteinen und Ziegelsteinen und auch als Fliehburg erkennbar. Im Innenhof wurde der alte Brunnen freigelegt und originalgetreu restauriert, eine Attraktion. Der Innenhof ist als Veranstaltungsort ausgebaut mit Zuschauerrängen für mehrere hundert Personen. Konzerte und Bühnenaufführungen finden diesen Sommer statt.

Bei der Renovierung der Burg gab es Überlegungen, primär die Geschichte des Gefängnisses darzustellen, auch als Gedenkstätte. Doch dann fiel die Entscheidung für die preußische Historie. Im Schloss gibt es nun einen Veranstaltungsraum für Vorträge, Filme und Konzerte, Prachträume mit Möbeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert, um die fürstliche Atmosphäre zu vermitteln, und Ausstellungssäle als Fundgrube für Historiker und Kulturwissenschaftler. Ein Waffensaal enthält internationale Sammlungen von der Steinzeit, der Bronzezeit, der Ordensgeschichte. Aber auch der Spaß für die Gäste ist hier gesichert. Man kann Ordensmäntel anziehen und Helme aufsetzen und sich so verkleidet fotografieren lassen; Heiterkeit und Gelächter erfüllt die ehrwürdigen Räume, die einstmals in einem anderen Zustand so viel menschliches Leid aufgenommen haben.

Es müssten sich doch dunkle Energien, bedrückende Auswirkungen auf die Besucher ergeben. Aber nein. Die Räume sind hell und wohltuend. Hier starb Herzog Albrecht 1568 an der Pest. Die Stelle, wo sein Sterbebett stand, wird den Gästen gezeigt, die ermessen können, dass von einem Ort wie diesem entscheidende Impulse der abendländischen Geschichte ausgingen. Düstere Ereignisse früherer Jahrhunderte scheinen überwunden zu sein. An die Zukunft wird Schönes weitergegeben.


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