09.01.2026

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Energiepolitik

Etappensieg für Woidke

Strompreise für Industrie sollen fallen – Brandenburg könnte mit am meisten davon profitieren

Hermann Müller
09.01.2026

„Bekommen wir die Strompreissenkung nicht hin, droht die Transformation in Deutschland zu scheitern“: Es ist eine drastische Warnung, die Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke aussendet, während in Brüssel und Berlin hinter verschlossenen Türen um das Thema Strompreis verhandelt wird.

Noch kurz vor dem Jahresende 2025 hat die EU-Kommission Deutschland mehr staatliche Beihilfen für energieintensive Industrien erlaubt. Als Reaktion auf den Kostenanstieg bei den CO₂-Zertifikaten sollen nun auch weitere Branchen wie die Keramik-, Glas- und Batterieindustrie Kompensationen erhalten dürfen. Branchen wie die Stahlindustrie werden bereits unterstützt. Mit der Erlaubnis aus Brüssel können sie nun mehr staatliche Hilfe bekommen.

Aus Sicht von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ist die Entscheidung ein entscheidender Etappensieg. „Die Energiepreise müssen weiter runter – und genau hierzu kommen wir jetzt einen wichtigen Schritt weiter“, kommentierte er den Vorstoß. Neben der Ausweitung der Kompensationen plant die Bundesregierung auch, die Netzentgelte für die Industrie zu deckeln. Für energieintensive Unternehmen, die nicht von der Strompreiskompensation profitieren, will die schwarz-rote Koalition zudem einen sogenannten Industriestrompreis einführen, der sich an einem Preis von fünf Cent pro Kilowattstunde orientiert. Hierbei wartet die Bundesregierung noch immer auf eine Entscheidung der EU.

Woidke wertet die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung der Industrie als Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht als ausreichend: „Die Bundesregierung hat die richtigen Entscheidungen getroffen, beispielsweise mit dem Industriestrompreis und der Senkung der Netzentgelte.“ Wie Woidke erklärte, sind aber wettbewerbsfähige Strompreise nötig, die ohne Subventionen auskommen.

Der 64-jährige Ministerpräsident sprach sich zudem dafür aus, Windenergieanlagen nur noch dort zu bauen, wo der Strom genutzt werden kann. Der Strom müsse regional genutzt werden können, so der SPD-Politiker: „Die Menschen in Brandenburg haben es verdient, dass sie auch vom Ausbau der Erneuerbaren Energien profitieren.“

Woidke griff damit ein Problem auf, mit dem er schon 2017 an die Öffentlichkeit gegangen ist. Jahrelang waren in Regionen mit vielen Windkraftanlagen, etwa in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die Netzentgelte für Strom oft deutlich höher als etwa in Großstädten ohne Windkraft. Ursache war die Regelung, dass Kosten für den Netzanschluss von Windkraftanlagen auf die Verbraucher in der Region umgelegt wurden. Als Folge hatten die Brandenburger zeitweise bundesweit die höchsten Strompreise, während die Landschaft Brandenburgs voller Windräder ist. Anfang 2025 wurde das Prinzip „Wer viel Windkraft ausbaut, zahlt am meisten“ beendet. Die Ausbaukosten werden seitdem bundesweit umgelegt. Für diese Reform hatte sich Woidke rund acht Jahre einsetzen müssen.

Auch sein neuer Vorstoß zur vorrangig regionalen Nutzung der Erneuerbaren Energien wird in anderen Bundesländern möglicherweise auf jahrelangen Widerstand stoßen. Diskutiert werden derzeit Modelle zur Einführung von Strompreiszonen. Diese würden Strom im Norden möglicherweise günstiger machen, im Süden Deutschlands aber teurer.


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