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Gibt sich kämpferisch: Kubas amtierender Präsident Miguel Díaz-Canel bei einer Rede in Havanna, wo er heftig gegen die USA und deren ökonomische Kraft schimpfte. Dabei hat er sein Land noch weiter in die wirtschaftliche Krise geführt als ohnehin schon
Bild: IMAGO / XinhuaGibt sich kämpferisch: Kubas amtierender Präsident Miguel Díaz-Canel bei einer Rede in Havanna, wo er heftig gegen die USA und deren ökonomische Kraft schimpfte. Dabei hat er sein Land noch weiter in die wirtschaftliche Krise geführt als ohnehin schon

Kuba im Visier der USA

Fällt als nächstes der kommunistische Inselstaat?

US-Präsident Trump wird eine militärische Aktion noch nicht wagen, da er dafür in der Bevölkerung viel zu wenig Rückhalt hat. Aber es gibt andere Wege

Jens Eichler
25.03.2026

Während die Vereinigten Staaten von Amerika außenpolitisch erneut Stärke demonstrieren wollen, richtet sich der Blick zunehmend auf eine Insel, die seit Jahrzehnten als Symbol des Widerstands gegen US-amerikanischen Einfluss gilt: Kuba. In politischen und medialen Debatten verdichten sich nun die Spekulationen, wonach US-Präsident Donald Trump den Druck auf das kommunistische Regime in Havanna weiter erhöhen könnte – bis hin zu einem möglichen erzwungenen Machtwechsel. Doch wie realistisch ist ein solches Szenario wirklich?

Zu große Risiken für die USA

Tatsächlich hat Trump in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass er gegenüber sozialistischen Regierungen in der westlichen Hemisphäre eine absolut kompromisslose harte Linie verfolgt. Bereits während seiner ersten Amtszeit setzte er auf Sanktionen, wirtschaftliche Isolation und diplomatischen Druck gegenüber Kuba. Diese Strategie wird nun offenbar erneut verschärft. Beobachter in Washington sprechen von einer Politik des „maximalen Drucks“, die darauf abzielt, die wirtschaftliche und politische Stabilität der Karibikinsel gezielt zu unterminieren.

Ein militärisches Eingreifen der USA gilt derzeit allerdings – noch – als unwahrscheinlich. Zu groß wären nämlich die Risiken einer direkten Konfrontation, zu unklar die Folgen für die Region. Stattdessen deutet vieles auf ein indirektes Vorgehen hin: verschärfte Sanktionen, Einschränkung von Geldflüssen aus dem Ausland, gezielte Unterstützung oppositioneller Gruppen und eine verstärkte diplomatische Isolierung Havannas. Dieses Instrumentarium wurde bereits in anderen Krisenregionen eingesetzt und entspricht dem außenpolitischen Ansatz, den Teile der republikanischen US-Führung seit Jahren verfolgen.

Innenpolitisch stößt ein solches Vorgehen jedoch keineswegs auf einhellige Zustimmung. In den USA wächst die Skepsis gegenüber neuen außenpolitischen – und vor allem gegenüber kriegerischen – Abenteuern immer stärker an. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte lehnen viele Amerikaner militärische Interventionen ab – auch im konservativen Lager. Gerade innerhalb der Trump-treuen MAGA-Bewegung gibt es Stimmen, die fordern, sich auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen im eigenen Land zu konzentrieren, statt neue Konflikte im Ausland zu riskieren. Beide Gruppen zürnen auch schon aktuell beim Krieg gegen den Iran, den sie für falsch halten.

Gleichzeitig existiert eine überaus einflussreiche Gegenposition: insbesondere unter kubanischen Exilanten in Florida. Für viele von ihnen wäre ein Ende der kommunistischen Herrschaft auf der Insel nicht nur politisch, sondern auch emotional von großer Bedeutung. Sie unterstützen eine harte Linie gegenüber Havanna und sehen in Trump weiterhin einen Politiker, der bereit ist, diese konsequent umzusetzen. Ihre Stimme hat Gewicht – nicht zuletzt in einem politisch entscheidenden Bundesstaat. Und, was nicht vergessen werden darf, US-Außenminister Marco Rubio steht dem kommunistischen Regime in Havanna sehr konfrontativ gegenüber. Immerhin ist er Exilkubaner, seine Eltern flüchteten einst vor dem Terror von Fidel Castro nach Florida.

Verbalgetöse aus Havanna

Auf Kuba selbst verschärft sich die Lage derweil zusehends. Kuba steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Stromausfälle, Versorgungsengpässe und Inflation prägen den Alltag vieler Menschen. Die Unzufriedenheit wächst, Proteste nehmen zu, auch wenn sie weiterhin unter Kontrolle gehalten werden. Die Regierung in Havanna macht dafür vor allem die US-Sanktionen verantwortlich und spricht von einem „Wirtschaftskrieg“, der das Land gezielt destabilisieren solle.

Präsident Miguel Díaz-Canel zeigt sich nach außen kämpferisch. Die Führung betont regelmäßig, dass Kuba seine Souveränität verteidigen werde und jede Form ausländischer Einmischung zurückweist. Gleichzeitig wird hinter den Kulissen offenbar nach Wegen gesucht, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren – etwa durch neue internationale Partnerschaften und begrenzte Reformen im eigenen System.

Das Ende von Castros Erbe

Ob dies ausreichen wird, bleibt offen. Die strukturellen Probleme der kubanischen Wirtschaft sind tiefgreifend, die Abhängigkeit von externen Faktoren groß. Sollte der Druck von außen weiter zunehmen, könnte das System in eine Phase ernsthafter Instabilität geraten. Ein schneller Zusammenbruch ist jedoch nicht zwangsläufig zu erwarten. Die staatlichen Institutionen, insbesondere Sicherheitsapparate und Militär, gelten weiterhin als loyal.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob es zu einem plötzlichen Umsturz kommt, sondern ob sich ein schleichender Wandel abzeichnet. Washington scheint genau darauf zu setzen: keinen offenen Konflikt, sondern lieber eine langfristige Erosion der bestehenden Machtstrukturen.

Für die Vereinigten Staaten von Amerika wäre ein politischer Wandel in Kuba zweifellos ein strategischer Erfolg. Einer, den man schon seit über 60 Jahren herbeisehnt. Für die Insel selbst jedoch könnte ein solcher Prozess mit vielen Unsicherheiten verbunden sein. Mehr als sechs Jahrzehnte nach der Revolution durch Fidel Castro steht Kuba erneut an einem möglichen Wendepunkt seiner Geschichte – unter dem wachsenden Druck einer Weltmacht, die ihre Interessen in der Region gerade ganz neu definiert.


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