Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Der akkurat recherchierte Roman erzeugt eine fast beängstigende authentische Atmosphäre des Zeitgeistes der zweiten Hälfte der 1980er Jahre
Manchmal gibt es Politthriller, die nicht nur unterhalten, sondern regelrecht aufrütteln. Stefan Piaseckis „Vergiftete Sonne“ geht unter die Haut und ist beunruhigend. Es ist ein Roman, der nicht einfach durch Spannung bindet, sondern durch seine scharfsinnige Analyse unserer Gegenwart. Dem Autor gelingt es, ein Szenario zu entwerfen, das so glaubwürdig konstruiert ist, dass es an manchen Stellen beinahe dokumentarisch wirkt.
Der Thriller folgt den Spuren eines schleichenden politischen und gesellschaftlichen Umbruchs: Ein Netzwerk versteckter Interessen, internationale Machtspiele und die stille Unterwanderung demokratischer Strukturen bilden den Rahmen für eine Geschichte, die ihren Protagonisten – einen bedachten, moralisch fest verankerten Ermittler – zunehmend an die Grenzen des Denk- und Ertragbaren führt. Schritt für Schritt legt Piasecki die Mechanismen frei, mit denen Ideologien, Desinformation und politische Einflussnahme ganze Gesellschaften vergiften können. Dabei wird deutlich: Die Bedrohung kommt selten mit Getöse, sondern meist im Schatten, leise, aber konsequent.
Dass Piasecki diesen Stoff mit solcher beeindruckenden Präzision und Tiefe erzählen kann, ist kein Zufall. Als ausgewiesener Medien- und Politikwissenschaftler verfügt er über eine seltene Doppelkompetenz: die analytische Schärfe des Forschers und das Gefühl des Erzählers. Seine langjährige Beschäftigung mit politischer Kommunikation und Extremismusprävention macht ihn geradezu prädestiniert, einen Thriller zu schreiben, der weit mehr ist als Fiktion. Sein Wissen verleiht der Geschichte jene Glaubwürdigkeit, die für einen Politthriller unverzichtbar ist – und sein Stil jene Klarheit, die man in unübersichtlichen Zeiten so sehr braucht.
Heute wirkt „Vergiftete Sonne“ aktueller denn je. Die Themen, die Piasecki aufgreift – Polarisierung, Manipulation, geopolitische Einflussnahme, ideologische Radikalisierung – sind nicht nur literarische Motive, sondern realpolitische Herausforderungen unserer Zeit. Der Roman erinnert daran, wie fragil demokratische Ordnungen sind, wenn Wachsamkeit nachlässt und Orientierung verloren geht.
Das Buch ist somit ein kraftvolles, kluges und notwendig warnendes Leseereignis, das man bewusst liest und lange nicht vergisst und das deutlich macht, mit welcher Skrupellosigkeit Finanzmärkte sowie Geheimdienste vorgehen und funktionieren – gestern wie heute.
Stefan Piasecki: Vergiftete Sonne, MBS/BoD, 2024, Taschenbuch, 486 Seiten, 24,90 Euro