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Öffentliche Ordnung

Fernseher und Kühlschränke fliegen auf den Gehweg

Lebensgefahr für Passanten: In Berlin werfen Menschen schwere Sachen einfach aus dem Fenster

Hermann Müller
24.05.2024

Mehr als hunderttausend Hunde und ein jahrzehntelanges Versagen der Stadtoberen, das massive Problem von Hundekot auf den Gehwegen zu lösen, haben dazu geführt, dass bei so manchem Berliner der Blick nach unten zur festen Angewohnheit geworden ist, sobald er in der Hauptstadt zu Fuß unterwegs ist. Eine sonderbare Entwicklung könnte dazu führen, dass dieser berlintypische Blick zur Umgehung von Hundehaufen zunehmend durch einen lebensrettenden Blick nach oben abgelöst oder zumindest ergänzt wird.

Immer öfter melden lokale Medien Fälle, in denen schwere Gegenstände aus dem Fenster geworfen werden und Passanten nur um Haaresbreite mit dem Leben davonkommen. Dabei geht es nicht um Weihnachtsbäume oder Hausmüll, der in einigen Gegenden Berlins gelegentlich über Fenster und Balkon auf Innenhof oder Gehweg entsorgt wird – die Rede ist von Fernsehern, Fahrrädern oder Waschmaschinen, die aus dem Fenster fliegen.

Erst am Abend des 13. Mai hatte eine 23-jährige Frau in der Charlottenburger Schillerstraße aus dem Fenster zwei Kleinpflastersteine auf den Gehweg geworfen. Einer der Steine traf eine 33-jährige Passantin am Kopf. Die Polizei spricht von einem noch unbekannten Tatmotiv für den Steinwurf. Am Abend des 10. April hat ein bislang noch Unbekannter sogar einen Drei-Kilo-Beutel mit Steinen aus einem Hochhaus im Friedrichshain geworfen. Der Steinbeutel schlug unmittelbar neben einem siebenjährigen Jungen auf. Nur eine Woche zuvor hatten zwei junge Männer einen Fernseher und ein Fahrrad aus der achten Etage eines Hochhauses in Lichtenberg geschmissen. Dabei wurde niemand verletzt.

Ebenfalls in Lichtenberg hatten Ende März Unbekannte Flaschen aus einem Hochhaus geschleudert. Beim Aufschlagen der Flaschen wurde ein vierjähriges Mädchen verletzt. Am 27. März waren es Mobiliar und Geschirr, die von einem Mann aus einer vierten Etage in Berlin-Baumschulenweg auf Polizeibeamte herabregneten. Herumfliegende Glassplitter verletzten zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann.

In Marzahn-Hellersdorf verfehlte am 8. Februar eine Schranktür, die aus dem elften Stock eines Hochhauses geworfen wurde, nur um Haaresbreite eine 40-jährige Frau. Diese hatte glücklicherweise nach oben geblickt, als sie ein Geräusch gehört hatte. Als sie die Schranktür auf sich zufliegen sah, wich die Frau aus und rettete damit ihr Leben. Polizeibeamte trafen in der elften Etage auf einen 14-Jährigen, der zugab, die Schranktür aus dem Hochhaus geschmissen zu haben.

Bereits im vergangenen November war in einer Sprachenschule in Berlin-Mitte ein Streit so weit eskalierte, dass ein Möbelstück in der vierten Etage aus dem Fenster flog. Das Teil durchschlug eine Lichtkuppel und landete in einem darunterliegenden Büro. Dort verfehlte der Gegenstand einen 24-jährigen Angestellten ganz knapp.

Solche Fälle häufen sich seit einigen Monaten in Berlin, gänzlich neu ist das Phänomen allerdings nicht. Bereits 1999 berichtete die Berliner Polizei über zwei Jugendliche, die „aus Langeweile“ eine Waschmaschine mit einem Gewicht von 70 Kilogramm aus einem Hochhaus in Lichtenberg geworfen hatten.


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