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Selbst heutzutage sind sie eher noch eine Rarität als Normalität. Dennoch sind viele weltberühmt, andere aber umstritten
Von dem englischen Biographen Thomas Carlyle stammt der bekannte Satz: „Männer machen Geschichte“. Was bedeutet das für Denkmäler? „Männer haben Denkmäler, Frauen haben Zukunft“ – zu diesem, von der Vizepräsidentin des Bundestages Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) im Zusammenhang mit der Diskussion um die Erinnerung an Bismarck geprägten Spruch ist richtig, dass die Mehrzahl der Denkmäler Männern gewidmet ist, sei es als Landesherren, Kriegsherren, Politiker oder in anderen führenden Rollen. Historische Tatsache ist, dass die Zahl der Frauen in entsprechenden Positionen, jedenfalls in der früheren hohen Zeit der Denkmale, kleiner war als die der Männer. Katharina die Große, Maria Theresia und Queen Victoria waren unter den Monarchen Ausnahmeerscheinungen wie unter den Regierungschefinnen der Neuzeit Golda Meir, Margaret Thatcher, Angela Merkel und Giorgia Meloni. Mehr und mehr werden aber nun Frauen in hohe Ämter gewählt, sodass eine spätere Denkmalisierung mehr als naheliegt.
Was Angela Merkel betrifft, so sind verschiedene Würdigungen bereits zu ihren Lebzeiten vollzogen oder zumindest angedacht worden. Unter der Überschrift „Merkel bekommt ein Denkmal“ wird in der Schweizer „Weltwoche“ von 2022 über einen Vorschlag von Henryk M. Broder zur Ehrung der Altkanzlerin berichtet, nämlich „eine sechzehn Meter hohe Säule auf dem Alexanderplatz oder dem Potsdamer Platz, darin vertikal eingemeißelt ,Wir schaffen das', Merkels ganzes Vermächtnis nach sechzehn Jahren im Amt.“ Während dieser Vorschlag bisher nur ein Gedanke mit einer Prise Sarkasmus ist, existiert bereits ein reales Denkmal, wobei der Künstler allerdings selbst die Frage gestellt hat: „Ist es Würdigung oder Ironie?“. Die Rede ist von dem Künstler Wilhelm Koch und dem von ihm geschaffenen und beim Tempel Museum Etsdorf aufgestellten Reiterstandbild der Angela Merkel in Form einer 2,70 Meter hohen, lebensgroßen Skulptur aus Leichtbeton, hergestellt mittels eines modernen 3-D-Druckers.
Auf einen Sockel hat der Künstler verzichtet, dies mit der Erklärung: „So geerdet, wie Angela Merkel Politik gestaltet hat, wird sie als Reiterin präsentiert: auf einem Rasenstück mit Blick nach Osten, sattelfest thronend auch ohne Sattel und Zaumzeug und im sicheren Stand ihres Reittier s...“ Alexander Heinemann, Kustos des Tübinger Museums Alte Kulturen, hat das Merkel-Denkmal passend kommentiert: „Öffentliche Standbilder haben mit ihrer Dinglichkeit stets auch das Risiko ihrer Verulkung zu tragen. Diese versucht das jüngst in Etzdorf in der Oberpfalz enthüllte Reiterstandbild Angela Merkels (ohne Zaumzeug, aber mit Raute) in seinem ironischen Anachronismus schon vorwegzunehmen.“ Zu erinnern ist im Übrigen auch daran, dass Frauen noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts nur im „Damensitz“ ritten, was für die bildende Kunst in der Malerei kein Problem war, wohl aber für Skulpturen.
Mangelnde Präsenz an Frauen
Ein anschauliches Beispiel für das ungleiche Verhältnis von Denkmälern für Männer einerseits und Denkmälern für Frauen andererseits bietet die italienische Stadt Padua. Auf dem mit einer Fläche von 90.000 qm² vermutlich größten innerstädtischen Platz Italiens, dem „Prato della Valle“, befinden sich 78 Statuen ausschließlich von Männern. Geehrt wegen großer Verdienste um die Stadt Padua und um die Region Venetien, errichtet 1776 als „Pantheon der glorreichen Persönlichkeiten Venetiens“. Erst 2022 beschloss der Stadtrat von Padua, auf dem Platz eine Statue zu Ehren einer Frau zu errichten; die Wahl fiel auf Elena Vornaro Piscopia (1646–1684), die in Padua studiert hatte und als erste Frau an einer Universität im Abendland einen Doktorgrad erwarb. Die bisherige mangelnde Präsenz von Frauen als Hauptfiguren – also nicht nur als Beigaben – von klassischen Denkmalen sollte jedoch nicht zu dem Schluss verleiten, Frauen seien in öffentlich präsentierten Darstellungen nicht sichtbar gewesen.
Die Freiheitsstatue im Hafen von New York ist weiblich, die Meerjungfrau im Hafen von Kopenhagen und die neue Loreley sind Frauenfiguren. Die „Goldelse“ schmückt die Skyline von Berlin. Sogar Kriegerdenkmale sind nicht selten weiblich bestückt.
Die genannten Beispiele (wenige von vielen) zeigen aber auch, dass Frauen zumeist nur als Allegorien in klassische Denkmäler aufgenommen wurden. Als Göttinnen, Schönheiten, Amazonen, Nymphen, „Mutter Erde“, Justitia etc. sind sie beliebte Figuren, sei es im Vordergrund, sei es als „Gruppenbild mit Dame“, nicht immer, aber oft halb- oder ganz nackt. So ziert eine entblößte Siegesgöttin mit Lanze und Lorbeerkranz das in Gardone am Ufer des Gardasees für Gabriele d'Annunzio errichtete Monument des Kriegsschiffes „Puglia“, für dessen Verankerung 20 Eisenbahnwaggons mit Stahl und Beton benötigt wurden.
Für den „männlichen Blick“ steht als bekanntes Beispiel der Bildhauer Aristide Maillol. Ein Bericht über eine Ausstellung seiner Werke im Kunsthaus Zürich ist überschrieben mit „Der weibliche Körper war seine lebenslange Obsession. Bei aller künstlerischen Meisterschaft war Aristide Maillol vor allem ein Mann, der mit Vorliebe nackte Frauen darstellte.“ Warum war der weibliche Körper „Maillols Lebensthema“? Jemand hat geantwortet: „Weil es ihm Spaß macht.“ Tatsache ist, dass Maillol nicht nur Landschaften wie „Île de France“, „La Méditerranée“ und „La Rivière“ in Form weiblicher Plastiken abbildete, sondern sogar Denkmäler für Männer wie das für Cézanne und für den Revolutionär Auguste Blanqui mit Frauengestalten schuf.
Statue mit falscher Blickrichtung
Während Maillols Frauengestalten regelmäßig für sich allein stehen, existieren unzählige Denkmäler, in denen Frauen als Paare oder in Gruppen erscheinen. Das vor allem durch das Lied „Vor der Kaserne, vor dem großen Tor“ mit dem Text von Hans Leip berühmt gewordene Lili-Marleen-Paar steht als 1987 geschaffene Skulptur aus Bronze in Münster/Westf. am Ort des Kasernentores zum Munsterlager. Sehr viel häufiger dienen Frauen auf Denkmälern nur als Begleiterinnen – so die zwei Jungfrauen des Magdeburger Reiters – oder als unterstützende Beigabe wie als geflügelter weiblicher Genius an der Seite von Kaiser Wilhelm I. an dessen Denkmal in Koblenz, oder schlicht als Symbole, wie die zwei auf dem Dach der früheren Reichsbahndirektion in Königsberg/Ostpreußen sitzenden weiblichen Figuren aus Muschelgestein für „Bewegung“ und für „Zeit“.
Eine neuere Entwicklung gibt Frauen den Platz, der ihnen gebührt. „Denkmäler neu denken“ beinhaltet auch eine politische Dimension, etwa mit dem auf der Art Basel 2022 sichtbaren Thema des Antikolonialismus, repräsentiert u.a. mit der von dem US-Amerikaner Thomas J. Price geschaffenen 3,50 m hohen Figur einer Afroamerikanerin. Zum Kolonialismus gehört allerdings auch das Treffen von Henry Morton Stanley mit Daniel Livingstone am 10. November 1871 („Doctor Livingstone, I presume“) am Tanganjika-See, gewürdigt mit einem Denkmal der beiden Männer in Ujiji, dem Ort des Treffens, von dem gesagt wird, es habe das Schicksal Afrikas mitgeprägt.
Rund 150 Jahre später wurde Josephine Baker in das Pariser Panthéon überführt. Virginia Woolf musste nicht so lange auf ihre Ehrung durch ein Denkmal warten. Die 2022 enthüllte Bronzeplastik an ihrem letzten Wohnsitz in Richmond an der Themse weist zwei Besonderheiten auf: Das Gesicht der zu Lebzeiten psychisch labilen und durch Suizid geendeten Autorin zeigt ein Lächeln, und das Denkmal zeigt Virginia Woolf mit einem Buch auf dem Schoß am Ende einer Bank, die damit Passanten einlädt, sich zu der auf die Themse blickenden Schriftstellerin zu setzen. Eine Notiz über die Statue für Virginia Woolf berichtet dazu, eine Bürgervereinigung der Stadt Richmond habe eingewandt, dass es im Hinblick auf Virginia Woolfs Suizid durch Ertrinken „unsensibel und leichtsinnig sei, sie in einer solchen Pose darzustellen, die labile Menschen verstören könnte“. Glücklicherweise konnte sich dieser Einwand gegen das Denkmal für die berühmte Schriftstellerin nicht durchsetzen: Das Denkmal blieb.
Entfernt wurde dagegen im Jahr 2023 die Skulptur „Primavera“, die seit mehr als 60 Jahren im Foyer der Europa-Universität in Flensburg ihren Platz hatte. Über die Beseitigung des stilisierten Frauenkörpers informiert die „Neue Zürcher Zeitung“ unter der Überschrift „Gebärfreudiges Becken – weg mit der Skulptur“.
o Wie es mit der umstrittenen Skulptur „Primavera“ in der Uni Flensburg weiterging, welches Schicksal sie ereilte und dazu Fortsetzung des 3. Teils über „Frauen als Denkmäler“ können Sie in der kommenden PAZ-Ausgabe am 27. März lesen.
Peter Wendt am 24.03.26, 10:10 Uhr
Unsere Gesellschaft definiert sich nur noch über Frauen (Vor)rechte und weibliche Befindlichkeiten. Lustigerweise haben moderne (?) Frauen wie Göring Eckardt keine Probleme damit, wenn etwa bereits 60-70 Prozent aller Führungspositionen bei den Grünen von Frauen besetzt werden, die verbliebenen Männer in der Fraktion kaum noch als solche bezeichnet werden können. Diese Entwicklung zieht sich zwischenzeitlich durch alle Gesellschaftsschichten und ist einer der Gründe für den Niedergang der westlichen Gesellschaften. Was das Thema Denkmäler betrifft eine kleine Anekdote: Einst stand ich mit einer berühmten deutschen Zeitgenossin unter dem Denkmal eines berühmten Buren in Kapstadt. Sie schaute hinauf und dachte wohl augenscheinlich wie schön es wäre wenn ihr zuhause auch so ein Denkmal gesetzt würde. In diesem Moment setze sich eine Taube auf den Kopf der Statue und bekleckerte sie von oben bis unten. Der Blick der der Dame brach ins undefinierbare und wir genossen die Aussicht auf den Tafelberg.)