18.02.2026

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Zukunftsfähig durch ein Windkraftterminal: Aus einer Broschüre des staatlichen Hafens
Bild: Screenshot Port of KlaipedaZukunftsfähig durch ein Windkraftterminal: Aus einer Broschüre des staatlichen Hafens

Memel

Große Ausbaupläne für den Hafen

Litauen setzt auf Wirtschaftswachstum durch Modernisierung – Geographische Lage wirkt sich positiv aus

Bodo Bost
18.02.2026

Der staatliche Hafen von Memel nimmt die größte Erweiterung seiner Geschichte in Angriff. Die erste Ausschreibungsphase für das Süd‑Hafenprojekt, das die Kapazität des Hafens auf rund hundert Hektar neue Fläche erweitern wird, wurde offiziell gestartet. Der geplante Baubeginn soll noch in diesem Jahr erfolgen – ein entscheidender Schritt, der Memel als Schlüsselhafen in der Ostsee weiter positionieren soll.

Der Hafen von Memel hatte 2025 neue Rekorde aufgestellt: 39 Millionen Tonnen Fracht wurden bewegt – so viel wie nie zuvor. Besonders stark wuchsen der Containerumschlag (1,3 Mio. TEU, ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr), Fahrzeugumschlag (6,5 Mio. Tonnen, das entspricht 353.759 Fahrzeugen) sowie LNG- und Mineraltransporte. Auch der Passagierverkehr boomte: 415.000 Reisende nutzten den Hafen, darunter 76.620 Kreuzfahrtpassagiere – ein Plus von 19 Prozent gegenüber 2024.

Die Spitzenposition behauptet
Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung Memels als Logistik-, Energie- und Verkehrsknotenpunkt in der Ostsee, nicht zuletzt als Tor für Versorgung und Handel mit der Ukraine. „Hinter den Zahlen stehen massive Investitionen, technologische Fortschritte und strategische Partnerschaften“, erklärt Algis Latakas, Generaldirektor der Hafenbehörde. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und Sanktionen zeigt der Hafen Kontinuität, Wachstum und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Im Vergleich zu anderen baltischen Häfen hat Memel seine Spitzenposition gestärkt: Sein Marktanteil beträgt 41,4 Prozent, damit liegt der Hafen weit vor Riga (17,8 Prozent) und Reval [Tallinn] (14,6 Prozent). Der Memeler Hafen bleibt damit der Motor der litauischen Wirtschaft und das strategische Tor Nordeuropas.

Vor diesem positiven Hintergrund beginnt der Memeler Hafen 2025 sein größtes Bauprojekt in der Geschichte. Das „Southport Development“ umfasst nicht nur neue Kaimauern und moderne Terminalanlagen, sondern schafft auch Indus-trie- und Logistikknoten, die den Umschlag größerer Schiffe und zusätzliche Frachtkapazitäten ermöglichen. Für die Stadt und Litauen bedeutet das Projekt nicht nur wirtschaftliches Wachstum, sondern auch Arbeitsplätze und stärkere Einbindung in globale Handelsströme.

Begleitend zur Bauoffensive intensiviert Memel seine internationale Zusammenarbeit. Eine Partnerschaft mit dem Hafen von Valencia soll Know-how in Infrastruktur, Logistik und nachhaltige Lösungen transferieren und zusätzliche Frachtströme anziehen. Litauische Delegationen tauschen sich regelmäßig mit europäischen Partnern aus.

Profiteur des Ukrainekrieges
Die litauische Regierung hat parallel dazu gesetzliche Reformen für die Hafenverwaltung beschlossen. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, Sicherheitsstandards zu stärken und Umweltauflagen klarer zu regeln. Damit soll Memel nicht nur wettbewerbsfähiger werden, sondern auch den Anforderungen internationaler Partner und steigender Umschlagsvolumina gerecht werden.

Memel ist längst mehr nur ein nationaler Hafen: Er spielt eine entscheidende Rolle für die gesamte Ostseeregion. Investitionen in Hafeninfrastruktur, Energie- und Verkehrsanbindungen, 5 G-Netze, Wasserstoffprojekte und LNG-Terminals machen ihn zu einem strategischen Logistik- und Energie-Knotenpunkt. Besonders relevant ist die Funktion des Hafens als wichtiger Energielieferant für die Ukraine, der trotz geopolitischer Unsicherheiten Stabilität und Versorgungssicherheit in der Region gewährleistet.

Die Expansion des Hafens unterstreicht, wie Litauen die Chancen der Ostsee-Logistik nutzt: Mit modernen In-frastrukturen, internationalen Partnerschaften und strategischem Weitblick will Memel seine Position als maritimes Tor Nordeuropas sichern – und gleichzeitig die Wirtschaftskraft Litauens und der gesamten Region stärken.


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