04.02.2023

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Vom Habsburger Rudolf IV. eingeführtes Herrschaftssymbol: Der Erzherzogshut, hier das Tiroler Exemplar in Speyer
Foto: Historisches Museum der Pfalz/Julia PaulVom Habsburger Rudolf IV. eingeführtes Herrschaftssymbol: Der Erzherzogshut, hier das Tiroler Exemplar in Speyer

Ausstellung

Herrschaft per Urkundenfälschung

Vom Grafengeschlecht zum Kaiserhaus. Eine große Schau in Speyer erzählt lehrreich über „Die Habsburger im Mittelalter“

Veit-Mario Thiede
22.12.2022

Das Haus Habsburg stellte von 1438 an fast durchgängig die Herrscher des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Erstmals widmet sich eine umfangreiche Ausstellung den mittelalterlichen Königen und Kaisern, die den Aufstieg der Dynastie bewerkstelligten. Das in Speyer residierende Historische Museum der Pfalz präsentiert 200 Kunstwerke, auf blutige Auseinandersetzungen hinweisende Waffen, wichtige Dokumente und eine dreiste Urkundenfälschung.

Graf Rudolf (1218–1291) war bereits 55 Jahre alt, als ihn die Königswähler zum neuen Herrscher des Heiligen Römischen Reiches erhoben. Allerdings war Böhmens König Ottokar II. der Meinung, dass ihm dieser Rang zustünde. Das kostete ihn 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut das Leben. Der siegreiche Rudolf belehnte daraufhin seine Söhne Albrecht und Rudolf II. mit den Herzogtümern Österreich und Steiermark, die sich Ottokar unrechtmäßig angeeignet hatte.

König Rudolfs letztes Reiseziel war Speyer. Hier wollte er sterben und dann bei seinen salischen und staufischen Vorgängern beigesetzt werden. Von der Krypta des Domes aus, dessen Besuch gleichsam zum Ausstellungsrundgang gehört, gelangt man zu den vier Kaiser- und vier Königsgräbern sowie denen zweier Herrscherinnen und einer Prinzessin. An der Stirnwand der sogenannten „Vorkrypta“ ist die Bildnisplatte Rudolfs I. befestigt. Sie zeigt nicht etwa eine geschönte Herrschergestalt, sondern einen müden alten König. Neben Rudolf sind sein Sohn Al­brecht I. (1255–1308) und dessen Gegner Adolf von Nassau bestattet.

Beispielloser „Münchener Vertrag“

Zum direkten Nachfolger Rudolfs erhoben die Königswähler nicht etwa Albrecht von Habsburg, sondern Adolf von Nassau. Da der jedoch die mit seinen Wählern getroffenen Absprachen nicht erfüllte, setzten sie ihn wieder ab und machten Albrecht zum König. In der 1298 ausgefochtenen Schlacht von Göllheim starb Adolf. Daraufhin ließ sich der siegreiche Albrecht erneut zum König wählen. Die bemerkenswerte Wahlurkunde ist in der Schau zu sehen. Ihre sieben Siegel weisen uns darauf hin, dass hier erstmals in der Geschichte der Königswahlen die „Kurfürsten“ in der Zusammensetzung auftraten, die ein halbes Jahrhundert später in der von Kaiser Karl IV. initiierten „Goldenen Bulle“ schriftlich festgelegt wurde.

Das Trierer Exemplar der Goldenen Bulle ist in Speyer zu sehen. Bei den sieben Kurfürsten mit dem exklusiven Recht der Königswahl handelt es sich um die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, den Pfalzgrafen bei Rhein, den Herzog von Sachsen, den Markgrafen von Brandenburg und den König von Böhmen.

Das erste Ausstellungskapitel endet mit der Schlacht bei Mühldorf. Der Habsburgerkönig Friedrich „der Schöne“ (1289–1330) verlor sie 1322 gegen König Ludwig IV. von Wittelsbach. Der ließ Friedrich anschließend einige Jahre gefangen halten. Dann aber unterbreitete der Wittelsbacher dem Habsburger den in der Geschichte der Heiligen Römischen Reiches beispiellosen „Münchener Vertrag“ von 1325: Darin erkennen sich Ludwig und Friedrich als Könige gegenseitig an.

Der Stifter, der ein Fälscher war

Das zweite Ausstellungskapitel widmet sich den „Erzherzögen“ von Österreich. Diesen eigenartigen Titel erfand Herzog Rudolf IV. (1339–1365). „Der Stifter“ wird er genannt, weil er den Ausbau des Wiener Stephansdoms förderte. Das veranschaulichen uns zum Beispiel ein gewaltiger Wasserspeier in Form eines Hundes sowie farbenprächtige Bildfenster. „Der Fälscher“ wird er wegen des in Speyer gezeigten „Privilegium maius“ genannt. Die auf 1156 datierte Fälschung ließ Rudolf 1358/59 anfertigen. Sie stattet die in Österreich regierenden Habsburger mit Sonderrechten aus, die sogar diejenigen der Kurfürsten übertreffen, führt den Titel „Erzherzog“ ein und beschreibt den zugehörigen „Erzherzogshut“. Das Tiroler Exemplar des „Erzherzogshuts“ (1595) ist ausgestellt.

Im dritten Kapitel geht es um König Abrecht II. (1397–1439) sowie die Kaiser Friedrich III. (1415–1493) und Maximili-
an I. (1459–1519). Sie stehen am Anfang der nur vom Wittelsbacher Karl VII. von 1742 bis 1745 unterbrochenen Abfolge der römisch-deutschen Könige und Kaiser aus dem Hause Habsburg. Keiner herrschte länger im Heiligen Römischen Reich als Friedrich III, der 53 Jahre im Amt war. Er war der einzige Habsburger, der sich in Rom vom Papst zum Kaiser krönen ließ.
Friedrichs ansonsten stets auf sein adrettes Äußeres bedachter Sohn Maximilian erschreckt uns mit seinem „Totenbildnis“ (nach 1519). Der Kaiser ließ sich als „armer Sünder“ darstellen, dem gemäß seiner Anweisung nach dem Ableben die Haare geschoren und die Zähne ausgebrochen wurden.

Der in Wiener Neustadt beigesetzte Kaiser Maximilian I. ließ sein monumentales Grabdenkmal in der Innsbrucker Hofkirche errichten. Es zeigt, wie er der Nachwelt in Erinnerung bleiben wollte: als hervorragendes Mitglied eines altehrwürdigen Herrschergeschlechtes, dessen Vertreter um sein Grabdenkmal versammelt sind. Etliche kleine Nachbildungen dieser Monumentalbronzen sind in Speyer aufgestellt. Rechts vorn ist König Rudolf I. postiert. Ganz hinten kniet Kaiser Maximilian I. und betet.

• Die Ausstellung ist bis 16. April im Historischen Museum der Pfalz, Domplatz, Speyer, geöffnet. Täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. Eintritt: ab 16 Euro. Der Katalog aus dem Verlag WBG Theiss kostet im Museum 27,90 Euro, im Buchhandel 35 Euro.
www.habsburger-ausstellung.de


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS