30.08.2025

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Bild: Verlag

Nahost-Konflikt

Hintergründe des israelisch-palästinensischen Krieges

Die Journalistin Susanne Glass und die Politikanalystin und Unternehmerin Jenny Havemann setzen sich kritisch mit Ursachen und täglichen Erscheinungsformen des bis heute ungelösten Konflikts auseinander

Bernd Kallina
30.08.2025

Susanne Glass und Jenny Havemann schildern einfühlsam die Lage des israelisch-palästinensischen Konflikts im Umfeld des Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023. Der israelisch-palästinensische Konflikt scheint hoffnungslos verfahren, insbesondere seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel von 2023, der über 1100 Tote forderte. In dessen Gefolge zeichnet sich im Gazastreifen aktuell eine humanitäre Katastrophe ab, die international von immer mehr Staaten scharf als unverhältnismäßige Kriegspolitik der Netanjahu-Regierung kritisiert wird. Auch von „Völkermord“ an den Palästinensern im Gazastreifen ist die Rede. Eine schon seit Jahrzehnten schier ausweglos andauernde und nunmehr brandgefährliche Situation, versehen mit zu kurzen Zwischenphasen von Friedenshoffnungen, die immer wieder enttäuscht werden.

Als der PAZ-Rezensent vor über 20 Jahren während einer Journalistenreise nach Israel unter anderem mit einem Ex-General der israelischen Luftwaffe über die Frage sprach, warum der Nahost-Konflikt so schwer zu lösen sei, antwortete dieser mit den wenig ermutigenden Worten: „Weil beide Seiten recht haben!“

Angesichts dieser komplexen Lage von Gewalteskalation, schriller Kriegsrhetorik und um sich greifender Hoffnungslosigkeit, sei die Lektüre des kürzlich erschienenen Buches „Unser Israel gibt es nicht mehr: Zwei Standpunkte – eine Freundschaft“ empfohlen. Es wurde von zwei ausgewiesenen Nahostexpertinnen verfasst: von Susanne Glass (Bayerischer Rundfunk), sie war langjährige Studioleiterin und Chefkorrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv, und der aus der Ukraine stammenden israelischen Politikanalystin und Unternehmerin Jenny Havemann. Beide schildern ihre Erlebnisse in den Konfliktgebieten, ausgehend vom Terrorangriff der Hamas 2023. Sie nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen dem verworrenen Problembündel, auch mit zugegebenen Ängsten, sprechen sich aus einer gewissen Seelenverwandtschaft gegenseitig Mut zu und ringen zugleich um Verständnis für die Sichtweise des jeweils anderen.

Verzicht auf Schuldzuweisungen
Die Texte sind durch zahlreiche Bilder anschaulich ergänzt. Beide verzichten auf Schwarz-Weiß-Malereien von Schuldzuweisungen, liefern vielmehr detaillierte Analysen, wie es zur zugespitzten Kriegssituation kommen konnte, widmen sich den Leiden der Menschen und welche Entwicklungsmöglichkeiten sie sehen. Besonders interessant sind aufschlussreiche Darstellungen der israelischen Opposition gegen die Regierung Netanjahu, Erlebnisse der Autorinnen bei Deutschland-Reisen mit altem und neuem Antisemitismus, sowie die Problematik von ausgewogener Berichterstattung aus Konflikt- und Kriegsgebieten in der Nahost-Region.

Zu letzterem Punkt geht Glass auf häufige Vorwürfe in Richtung „einseitiger Berichterstattung“ ein, die sie souverän mit der Kapitelüberschrift „Everybody's Darling is Everybody's Depp?“ problematisiert. Dabei gibt sie unumwunden zu, dass es eine absolute Objektivität im Journalismus natürlich nicht geben könne, insbesondere in der Kriegs- und Konflikt-berichterstattung. Andererseits müsse der häufig geäußerten Auffassungen widersprochen werden, es gebe einseitige Vorgaben oder Weisungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk von oben, gar regierungsamtliche. Dies sei nicht der Fall, so Glass ganz klar. Auch irrige Annahmen von großen weltverschwörerischen Hintergrund-Einflüssen in der Nachrichtenlenkung träfen auf Grund ihrer langjährigen Berufserfahrung nicht zu. Diese und ähnliche Mechanismen gegenseitiger Vorwürfe bezüglich „medialer Einäugigkeit“ zeigt auch Jenny Havemann anhand zahlreicher Beispiele auf.

Kurzum: Auf das Buch sollten all jene zugreifen, die sich mit den vielfältigen Hintergründen und täglichen Erscheinungsformen des ungelösten Nahost-Konflikts kritisch auseinandersetzen wollen.

Susanne Glass/Jenny Havemann: „Unser Israel gibt es nicht mehr – Zwei Standpunkte – eine Freundschaft“, Langen-Müller-Verlag, München 2025, gebunden, 287 Seiten, 24 Euro


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS