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„Ich kann mir nicht vorstellen, ihnen nicht zu helfen“

Sammelaktionen und Bereitstellung von Unterkünften – Organisationen der Deutschen Minderheit unterstützen Ukrainer in der Not

Chris W. Wagner
14.03.2022

Die Hilfsbereitschaft für die Ukrainer hat seit Kriegsbeginn auch die Deutschen in Oberschlesien ergriffen. Die Kommunen mit Partnern in der Ukraine starteten Sammelaktionen und Sondierungen nach Aufnahmemöglichkeiten für Flüchtlinge. So ist es beispielsweise im oberschlesischen Leschnitz [Leśnica]. Die Gemeinde ist Sitz des „Schlesischen Selbstverwaltungsvereins“, der 1991 als minderheitsnahe Organisation gegründet wurde und die deutsche Kultur in der Region unterstützt. Der Vorsitzende des Selbstverwaltungsvereins und Leschnitzer Bürgermeister, Łukasz Jastrzembski, stellte das ehemalige Gebäude des Gymnasiums in Leschnitz für etwa 50 Flüchtlinge zur Verfügung. „In Leschnitz – dem Pilger- und Tourismusort am Fuße des Sankt Annaberges – stehen Hotels, Pensionen und private Unterkünfte für Ukrainer bereit“, so Jastrzembski gegenüber der deutschsprachigen Radiosendung „Schlesien Aktuell“ bei „Radio Opole“.

Auch der Landkreis Oppeln hilft. Landrat Henryk Lakwa (Deutsche Minderheit) startete eine Sammelaktion für Lebensmittel, Hygieneartikel und Medikamente zugunsten des Kindergartens in Dolyna und des Rehazentrums für Sehbehinderte in Wyhoda, beide Orte liegen im Kreis Stanislau (Ivano-Frankivsk). „Wir arbeiten mit dem ukrainischen Bezirk Stanislau bereits seit 2006 zusammen und wissen, was Solidarität insbesondere in diesen schwierigen Zeiten bedeutet“, so Lakwa. Er hat nicht vergessen, dass auch die Oberschlesier einst von den ukrainischen Partnern Hilfe erhalten hatten. „Wir haben 1997 nach der Jahrtausendflut und auch 2010 Hilfe aus der Ukraine bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, wenn bei unseren Nachbaren solch dramatische Zustände und Not herrschen, ihnen nicht zu helfen!“, sagte er.

Anlaufpunkt Studentenwohnheim

Das Studentenwohnheim der Oppelner Technischen Hochschule wurde zum ersten Anlaufpunkt für Flüchtlinge in der Region. An der Rezeption helfen Freiwillige rund um die Uhr. Darunter auch Jugendliche der deutschen Volksgruppe.

Die Oppelner Sozial-Kulturelle Gesellschaft startete noch am Tag des Kriegsausbruchs eine Spendensammlung im Internet. „Wir sagten uns, am besten wäre es, Geld zu sammeln, denn damit können wir am schnellsten auf die Nöte der Ukrainer antworten“, so Joanna Hassa, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln. Voll Freude berichtete sie, dass sich bereits am darauffolgenden Tag Ortsverbände meldeten, die mithalfen. „Sie haben Spendenaktionen vor Ort durchgeführt, sammelten Medikamente, Decken, Kleidung oder stellten Räumlichkeiten zur Verfügung“, sagte Hassa in „Schlesien Aktuell“.

Sach- und Geldspenden

Unter den Helfern war der Deutsche Freundschaftskreis in Deschowitz [Zdzieszowice]. Zusammen mit dem Seniorenklub der Deutschen Minderheit werden eifrig Sach- und Geldspenden gesammelt. Einen Schritt weiter denkt bereits der Schulverein Pro Liberis Silesiae. Nach den Spontanaktionen werde Inte-grationshilfe nötig sein, meint Margarethe Wysdak, Vorsitzende des Schulvereins und Gründerin von Pro-Liberis-Silesiae-Grundschulen und Kindergärten. Sie stellt sich zur Verfügung, Flüchtlingskindern beim Polnischlernen unter die Arme zu greifen. Der Verein will außerdem Schulranzen und Schulausrüstung sowie Frühstück und warme Mahlzeiten für Flüchtlingskinder spenden. Damit möchte Wysdak den traumatisierten Kindern, die ihre Väter und ihre Familienangehörigen in der Heimat zurücklassen mussten, einen „normalen Alltag“ bescheren.



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Kommentare

Siegfried Hermann am 14.03.22, 10:05 Uhr

Für alle, die das nicht mitbekommen haben. Die polnische Regierung hat zugesagt, unbegrenzt (!!!) Polen aus der Ukraine aufzunehmen. Aber. KEINE Neger und Moslems. Slowaken, Ungarn, Litauer dito.
Es versteht sich von selbst, das ALLE Polen in Polen ihre Brüder und Schwestern aufnehmen. Das ist also keine Glaubensfrage.
Und bei "Flüchtlingen" öffnet Brüssel das Füllhorn besondern weit.

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