24.02.2026

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Dramatische Krise

Industrie stürzt ab – das sind die regionalen Folgen

Selbst über Dekaden hinweg vom Wohlstand verwöhnte Regionen steht inzwischen das Wasser wegen ausbleibender Gewerbesteuer bis zum Hals

Peter Entinger
15.12.2025

An Hiobsbotschaften war das zu Ende gehende Jahr nicht arm. Und 2026 dürfte es kaum besser werden. Kürzlich schlug wieder ein Wirtschaftsboss Alarm. Diesmal der „Industriekapitän“ persönlich. Die deutsche Industrie stehe am Ende 2025 vor einem dramatischen Tiefpunkt, sagte Peter Leibinger der Nachrichtenagentur „dpa“. Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Industrie sagte weiter: „Der Wirtschaftsstandort befindet sich in seiner historisch tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik, doch die Bundesregierung reagiert nicht entschlossen genug.“ Im neuen Branchenbericht wird ein Rückgang der Industrieleistung von zwei Prozent erwartet. „Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg“, so Leibinger. Die deutsche Industrie verliere kontinuierlich an Substanz.

Langsam dämmert es vielen, dass der Absturz der deutschen Wirtschaft nicht nur mittelbare, sondern auch unmittelbare Folgen hat. Unlängst schlugen die Oberen der Stadt Sindelfingen Alarm. Die Gemeinde im „Speckgürtel“ der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart war über Jahrzehnte Inbegriff des westdeutschen Wohlstands: geringe Arbeitslosenquote, hohe Eigenheimquote, wenig Kriminalität. Nun steckt die Stadt laut Oberbürgermeister Markus Kleemann (CDU) „in einer strukturellen Krise“. Ursprünglich wurde für 2025 mit einem Defizit von minus 20,8 Millionen Euro als Ergebnis des Gesamthaushalts geplant. Dieses Defizit hat sich jedoch mehr als verdreifacht und beläuft sich inzwischen auf minus 68,5 Millionen Euro.

Den Automobilstandort trifft die Wirtschaftskrise besonders hart. Die Gewerbesteuer bricht ein. 95 Millionen Euro müssen zurückgezahlt werden. Kleemann musste Anfang November eine Haushaltssperre verhängen. Dazu sei die Verwaltung rechtlich verpflichtet. Die Sorgen wachsen, denn der infrastrukturelle Investitionsstau ist schon jetzt enorm.

Vor einiger Zeit veröffentlichte der Verband „Die Familienunternehmer“ eine Studie, die belegte, wie eng eine gesunde Wirtschaft und blühende Regionen zusammenhängen. Als lohnendes Beispiel wurden damals auch ländliche Regionen Baden-Württembergs wie die Schwäbische Alb genannt. Dort hat sich über Jahre Großindustrie angesiedelt, mit der Folge, dass die Familien nachgezogen sind. Um die Industriestandorte herum sind blühende Landschaften entstanden – mit all ihren Nebeneffekten.

Aber es geht auch andersherum. Bremerhaven im hohen Norden ist ein Beispiel dafür. Die Armutsquote im Stadtstaat Bremen ist mit rund 29 Prozent im Vergleich mit anderen Bundesländern mit Abstand am höchsten, in Bremerhaven beträgt sie sogar 33 Prozent. Von der großen Werftenkrise und dem Untergang des Vulkan-Konzerns im Jahr 1997 hat man sich bis heute nicht erholt.

Die Zahl der Absteigeregionen steigt
Politiker sprechen gerne vom Strukturwandel, doch der lässt mancherorts auf sich warten. Zum Thema wird das oftmals nur, wenn Wahlergebnisse für Aufsehen sorgen. Das war in den 1990er Jahren schon so, als die Bremerhavener Krise der rechten Deutschen Volksunion (DVU) ihren ersten Landtagsabgeordneten brachte. Das war im saarländischen Völklingen so, als die NPD 2004 bei der Stadtratswahl aus dem Nichts zweistellige Ergebnisse erzielte. Und das war kürzlich in Gelsenkirchen nicht anders, als es der AfD-Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in die Stichwahl schaffte.

In großen Studien haben Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) schon vor Jahren untersucht, wie es um die deutschen Regionen bestellt ist und dabei das Wort „Absteigeregion“ geprägt. Dazu gehören Teile von Mitteldeutschland, Regionen in Nordrhein-Westfalen entlang der Ruhr sowie Bremerhaven, das Saarland, Schleswig-Holstein Ost und die Westpfalz. Kaiserslautern ist ebenfalls ein trauriges Beispiel für einen missratenen Strukturwandel. Jahrelang war der Nähmaschinenhersteller Pfaff ein Garant für wirtschaftliche Sicherheit. Die Zeiten, als die Firma größter Arbeitgeber der Stadt mit rund 9.800 Beschäftigten war – davon 7.000 Mitarbeiter in Kaiserslautern –, sind längst vorbei. Auch, dass zeitweise Nähmaschinen in mehr als 100 Länder verkauft wurden. 70 Kilometer weiter westlich, in Völklingen, hat man sich immer noch nicht von der Stahlkrise und dem Hüttensterben erholt.

Industrie geht, Armut kommt
Es ist ein Teufelskreis. Erst verschwindet die Industrie, dann der Wohlstand. Innenstädte veröden, die Kriminalität steigt. Dazu passt, dass der Einzelhandel – pikanterweise in der Vorweihnachtszeit – vor zunehmenden Leerständen in den Metropolen warnt.

„Deutschland braucht jetzt eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren Prioritäten für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Jeder Monat ohne entschlossene Strukturreformen kostet weitere Arbeitsplätze und Wohlstand“, beschreibt Industriepräsident Leibinger die Lage mit wenig optimistischen Worten. Es sind wahrlich keine guten Aussichten für 2026.


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Kommentare

Mörs Kalt am 21.12.25, 08:13 Uhr

Wer das Feuermachen kriminalisiert, muss sich nicht wundern, wenn der Ofen aus ist!

Kersti Wolnow am 18.12.25, 13:15 Uhr

Der Markt erstickt sich selbst, weil es durch die Monopolisierung der Industrie keinen Wettbewerb mehr gibt. Wir Kunden haben selbst bei den Automobilen keine Auswahl mehr, alles ist gleich. Auch die Finanzwelt wurde vereinheitlicht, ebenso die staatlichen Dienstleister, die Bildung, einfach alles. Ich warte darauf, daß hier der Laden endlich verpufft, für eine noble Explosion fehlt die Kraft.

Peter Wendt am 16.12.25, 15:35 Uhr

Um es ganz klar zu sagen, alle Probleme denen wir derzeit ziemlich hilflos gegenüber stehen, sind durch die MacherInnen von rotgrün und Teilen der CDU zu verantworten. Niemand sonst! Auch die angepassten Anführer der Grossindustrie, die Milliarden an Subventionen aus dem Klimaterror abgesahnt haben sind schuldig. Schuldig sind die Medien, der DGB, die Vielzahl der mit Steuergeld bestochenen NGO‘s etc.
Hier liegt das Problem. Alle links der Mauer haben Dreck am Stecken, sei es wegen Corona, dem Klima Unsinn oder der Ukraine Hysterie. Die Wissen wenn alle Dämme brechen und die Lügen auch von den Dümmsten im Land verstanden ist es vorbei mit dem Luxus in Berlin und in den Länderregierungen. Erstaunlich ist jedoch wie lange sich der deutsche Michel von den nicht gerade hell leuchtenden „ Lichtern“ in Berlin hinter die Fichte führen lässt

Gregor Scharf am 15.12.25, 13:51 Uhr

Man könnte sich vor Lachen kaum noch halten bei so viel Dummheit. Über Jahrzehnte hat man, gemeint ist die Industrie, die Politik mitgetragen, hing einer Merkel an den Lippen während ihrer nichtssagenden Reden, applaudierte der grünen Transformation, schwadronierte über die roten Teppiche und schlug jede gutgemeinte Warnung in den Wind. Hochmut kommt vor dem Fall. Wer braucht sie noch, die vielen zugewanderten Fachkräfte? Was ist jetzt mit dem Fachkräftemangel? Mit einer Streitaxt müsste man dazwischenhauen, wenn es helfen würde, tut es aber nicht.
Wir erleben die letzte Phase zur Verelendung. Dann „endlich“ ist Deutschland und sein Volk wieder bereit. Bereit wofür? Für den nächsten Schwachsinn, einen revolutionären Umbruch . . . Dabei ist es so einfach, wenn man nur wollte, denn Wirtschaft ist überwiegend Psychologie. Diese aber wird bewusst seit Jahren negativ bearbeitet, die Psyche und so geht das Taumeln weiter, weil die Angst vor der Wahrheit größer ist. Wahr ist, die Politik von mindestens zwei Dekaden war ein Irrläufer der besonderen Art. Was fehlt, ist der Offenbarungseid der Verantwortlichen, die Abrechnung und Aufrechnung mit Brüssel, die Auflösung von Parteien und Organisationen, die volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verursacht haben.
Das kommt davon, wenn die Organe zum Schutz versagen, weil alles mittlerweile ein Brei geworden ist und Ideologie den Verstand aushakt.
Vom Himmel hoch da komm ich her und wundere mich über die Deutschen sehr.

Jan Kerzel am 15.12.25, 06:33 Uhr

Wenn ich mich recht erinnere, dann war der Transformationsprozess hin zur post-industriellen Wirtschaft und Gesellschaft politisch gewollt und parlamentarisch durch entsprechende Mehrheiten abgesichert. Das Sprengen der eigenen Kraftwerke war sichtbarer Ausdruck der inneren Gewissheit und Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein. Mit dem Sozialstaat hat man nun auch überraschenderweise etwas Probleme weil man die weltweit bekannte Gesetzmäßigkeit nicht kannte , dass Dividend, Divisor und Quotient in einem absolut zwangsläufigen und zwingenden Verhältnis zueinander stehen. Dies lässt sich leider auch nicht durch Mehrheitsbeschluss im Bundestag ändern .Obwohl es so schön gewesen wäre. Bei vielen Großmedien habe ich den Eindruck, dass sie komplett schmerzfrei den Bürgerinnen und Bürgern ihre Alt-Stories einfach weitererzählen.. Alles sehr eigenartig. Gottseidank ist die Bundesrepublik nicht der Nabel der Welt, bestenfalls gefühlt.

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