04.04.2025

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Kleinen Elsässerin im traditionellen Kostüm mit je einem Engelsflügel in den Farben Frankreichs und Deutschlands: Logo des „Jahres der Zweisprachigkeit“
Bild: Europäische Gebietskörperschaft ElsassKleinen Elsässerin im traditionellen Kostüm mit je einem Engelsflügel in den Farben Frankreichs und Deutschlands: Logo des „Jahres der Zweisprachigkeit“

Europäische Gebietskörperschaft Elsass

„Jahr der Zweisprachigkeit“

Nach der massiven Französisierung entspannt sich das Verhältnis der Obrigkeit zum Elsässerdeutsch

Bodo Bost
04.04.2025

Immer mehr Ausländer beginnen in Straßburg mit dem Erlernen des Elsässischen, sei es aus Neugier oder um sich besser in eine Region zu integrieren, die sehr an ihren Traditionen hängt. So hat in Schiltigheim, einem Vorort von Straßburg, eine ganze Gruppe von ausländischen Schauspielern die regionale Sprache erlernt, um in der Dialektbearbeitung „Was han m'r em liewe Gott gemacht?“ von Philippe de Chauveron 2021 erschienenen Filmkomödie „Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?“ / „Monsieur Claude und sein großes Fest“ auf der Bühne zu stehen.

Auch steht an der Universität Straßburg der regionale Dialekt seit einigen Jahren wieder auf dem Lehrplan der Wahlsprachen. Unter den neuen Elsässisch Lernenden lassen sich zwei typische Profile ausmachen. Einmal diejenigen, die im Elsass aufgewachsen sind, denen das Elsässische nicht vermittelt wurde und die es sprechen möchten, sowie dann jene, die entweder aus anderen Regionen oder gar anderen Ländern kommen und sich für die regionale Sprache interessieren. Unter den am meisten angezogenen Nationalitäten stehen Japaner an erster Stelle, gefolgt von südamerikanischen Studenten.

Elsässisch beliebt als Fremdsprache
Viele Japaner, die eine Vorliebe für das „typisch Deutsche“ haben, haben entdeckt, dass sie dies eigentlich im Elsass mit den vielen Fachwerkhäusern, mit Brezeln und Gugelhupf viel häufiger finden als in der Bundesrepublik. Deshalb unterstützen gerade diese Japaner regionale Initiativen, die sich für den Erhalt des Elsässischen einsetzten, wie die René-Schickele-Gesellschaft, die Association A.B.C.M-Zweisprachigkeit, die Association „Heimetsproch un Tradition“ oder die Association Sprochrenner. Der elsässische Schriftsteller Edgar Zeidler aus Colmar hat sogar eine Sammlung von Haikus (japanische Gedichte) zusammengestellt, die auf Elsässisch, Hochdeutsch und Französisch verfasst wurden und ins Japanische übersetzt wurden.

Laut einer von der 2019 geschaffenen Europäischen Gebietskörperschaft Elsass (CeA) mit einer im Jahr 2022 mit
4000 Personen durchgeführten Studie erklärten 46 Prozent der Befragten im Elsass, dass sie Elsässisch beherrschen. Das sind 15 Prozentpunkte weniger als 20 Jahre zuvor. Nur noch zwölf Prozent aller im Elsass Lebenden gebrauchen Elsässisch im täglichen Alltag. Von Jahr zu Jahr erodiert die intergenerationelle Übertragung der Sprache. Jahrhundertelang war das Elsässische die wichtigste Kommunikationssprache im Elsass. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Politik der Französisierung im Elsass akzeptiert, das Elsässische wurde bekämpft, weil es ein germanischer (deutscher) Dialekt ist. Die seit Jahrhunderten zwischen Deutschland und Frankreich hin- und hergeworfene Region sollte „entgermanisiert“ werden.

Kaum noch Muttersprache
Nur noch 14 Prozent der Schüler im Elsass erhalten heute Unterricht in Hoch- oder Elsässerdeutsch. Deshalb gibt es seit 2023 einen Pilotversuch mit sogenanntem immersiven, also ein- beziehungsweise untertauchenden Unterricht in sechs Vorschulklassen. Die Politiker können sich in der Sprachförderung nicht zwischen dem Dialekt und der Hochsprache entscheiden. Für die ältere Generation bleibt das Elsässische jedoch die Muttersprache, die übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat. In den Alzheimer-Einheiten der Seniorenhäuser ist die gelernte Sprache, Französisch, vergessen, und dann bleibt das Elsässische übrig. Die Europäische Gebietskörperschaft Elsass hat 2025 daher zum „Jahr der Zweisprachigkeit“ erklärt. Mit einer Reihe von Initiativen, darunter viel Volkstheater, Konzerte von Liedermachern, Vorträge und Ausstellungen sowie der Vorstellung einer neuen App zum Erlernen von Elsässerdeutsch soll „die sprachliche Identität des Elsass gestärkt“ werden.

Am 24. Juni wird es einen eigenen Fan-Tag für ausländische Freunde des Elsässischen geben. Höhepunkt des Jahres ist im Sommer die Eröffnung des neuen Office Public de la Langue Régionale d'Alsace et de Moselle (Öffentliches Amt für die Regionalsprache des Elsass und von Mosellothringen) in Straßburg.

Bis 2030 will die Europäische Gebietskörperschaft Elsass die Zahl der regelmäßigen Sprecher durch den Ausbau des Elsässischen in Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen um 30 Prozent erhöhen. Logo des Jahres ist eine Darstellung einer kleinen Elsässerin mit einem traditionellen Kostüm und Flügeln in den Farben der französischen und der deutschen Flagge.


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