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Von Kerstin Ott bis Rammstein – Die Teilnehmer des 19. Wettbewerbs des Deutschen Liedes wählten ganz verschiedene Genres
Ende letzten Jahres fand im Kammersaal des Amphitheaters der 19. Wettbewerb des Deutschen Liedes in Osterode statt und erfreute sich mit über 100 Teilnehmern eines gewaltigen Interesses.
Da neben den überwiegend jungen Künstlern von der Vorschule bis zur Abiturklasse auch viele Eltern oder im Falle der Kulturgesellschaft der deutschen Bevölkerung „Heimat“ in Marienwerder gleich eine Gruppe mit drei Generationen teilnahm, war die Tribüne des Kammersaals mit insgesamt knapp 150 Menschen sehr gut gefüllt. Für erwartungsvolle Anspannung, Mut machende Personen und großzügigen Beifall nach den Auftritten war also gesorgt.
Den Anfang machten wie immer die Jüngsten, und das bedeutete in diesem Jahr der Auftritt von Diana Budziak aus Marienwerder in der Kategorie der Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Ein wenig mehr Zeit, um den Mut zusammenzunehmen, hatten die Grundschüler der Klassen 1 bis 3. Bereits in dieser Kategorie zeigte sich die Spannbreite der von Schülern und Lehrern gewählten Lieder, der Generationenwechsel, der in den Titeln zu hören war.
Traditionen und Neuheiten
Einerseits bekamen Publikum und Jury einmal mehr Kerstin Otts „Die immer lacht“, Rammsteins „Hier kommt die Sonne“ oder Lieder aus Schulbüchern zu hören. Andererseits weckte „Du sollst mein Ohrwurm sein“ von Joely und Olivier Ketterer unerwartet Erinnerungen an Jazz und Big Bands.
Marcus Zechner, der Sieger in der Kategorie Solo, war ein neues Gesicht im Wettbewerb, ebenso wie seine Schule, die private Grundschule „Piątka“ in Allenstein, die zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte. Auch hier zeigte sich ein Wechsel – von den früher stark vertretenen Schulen des Kreises Allenstein wie etwa der Grundschule in Wieps zur Grundschule Nr. 25 in Elbing oder den Grundschulen aus dem Kreis Neidenburg. Diese beiden Gruppen waren bei der besonders stark besetzten Altersklasse der Klassen 4 bis 6 dabei, die Grundschulen aus Rontzken und Glottau sowie die Elbinger nahmen bei Solo und Duetten jeweils die ersten drei Plätze ein. Hier war die Wahl der Titel mit „eine Muh, eine Mäh“, Nenas „99 Luftballons“ oder „Schnappi, das kleine Krokodil“ etwas konservativer, dafür griff die stimmlich sehr starke Martyna Łuszczak von der Salesianer-Grundschule „Dominik Savio“ in Osterode zum Lied „Burlesque“ von Ayliva, das an Varieté erinnerte und das sie entsprechend kostümiert vortrug.
Varieté und Korea-Pop
Zu einer Auszeichnung langte es für sie jedoch nicht, da ihre Artikulation das Verstehen des Textes erschwerte. Apropos Kostüm – hier legten alle Altersgruppen eine teilweise überbordende Phantasie an den Tag. Insbesondere die vom Korea-Pop inspirierte Gruppe von der Grundschule Nr. 3 „Johannes Paul II.“ in Osterode trat sehr farbenfroh an. Die stets themenbezogenen Verkleidungen lenkten aber nicht selten von stimmlichen oder textlichen Schwierigkeiten der Interpreten ab. Das Wort Kunst kommt immer noch von Können, die Gewinner waren nicht immer die mit den phantasievollsten Kreationen, für die man eigentlich einen zusätzlichen Preis im Wettbewerb schaffen sollte.
Bei den Gruppen der Klassen 7 bis 8 gab es mit „Liebe und Hass“ von Miss Construction ein sehr ungewöhnliches Lied zu hören, die am besten artikulierten Werke jedoch bei den Solisten. Julia Skoniecka von der Grundschule „Professor Roman Kobendza“ in Lahna landete nach dem Sieg im Liederwettbewerb in Neidenburg mit „Als ich ein Baby war“ in Osterode auf Platz zwei. Und dann gewann doch wieder Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“, allerdings in der Interpretation eines jungen Mannes. Maksymilian Misior von der Grundschule Nr. 25 in Elbing hatte sich daran gewagt und lieferte einen auch musikalisch sehr guten Vortrag ab. Seine Deutschlehrerin hatte ihn überredet, was aber nach eigener Aussage des Künstlers gar nicht so notwendig gewesen war.
Bei anderen Interpreten war der Anstoß, die Auswahl des Liedes und vor allem die Begleitung in der Zeit der Vorbereitung sehr wichtig, und es galt das Lampenfieber zu begrenzen – von dem bei kaum einem Sänger etwas zu bemerken war. Der Jury in der Besetzung Ingrid Lipka und Henryk Hoch von der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Tannen“ in Osterode sowie der früheren Chefin des Kulturzentrums in Osterode, Anna Zapaśnik-Baron, war neben den Auszeichnungen für die Schüler ein großes Lob an die betreuenden Lehrerinnen sehr wichtig. Es ist schließlich auch ihr Verdienst, dass in einer für den Deutschunterricht sehr schweren Zeit dennoch viele Künstler den Weg nach Osterode gefunden hatten. Und das wird hoffentlich auch im kommenden Jahr so sein, wenn Hauptorganisatorin Anna Laskowska die nächste Ausgabe des Wettbewerbs auf die Beine stellt – und dann hoffentlich im Sommer, weil das für die Vorbereitung wesentlich günstiger wäre.