29.08.2025

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Mit dem ersten Buch gleich in die Bestsellerlisten geschossen: Julia Ruhs
Bild: Jann WilkenMit dem ersten Buch gleich in die Bestsellerlisten geschossen: Julia Ruhs

Im PAZ-Gespräch

„Links ist gut, rechts ist böse!“

... sagt ARD-Moderatorin Julia Ruhs, die diesen einseitigen Zeitgeist ablehnt und daher ein Buch über die links-grüne Meinungsmacht schrieb

Interview von Jens Eichler
29.08.2025

Die These der Headline ist keine bloße Schwarz-weiß-Malerei und erst recht keine Plattitüde, sondern ebenso banale wie erschreckende Realität. Eine, die Erfolgsautorin Julia Ruhs alltäglich erfährt. Diese Frau traut sich was, und sagt deshalb was – weil sie etwas zu sagen hat. Über diese junge Frau wird gerade viel geschrieben, weil es viel zu schreiben gibt. Genau deswegen hat sich die PAZ mit ihr zum Interview verabredet.

Julia Ruhs ist erfrischend anders. Eine Frau mit Meinung, mit Fundament und Begründung durch gelebte Erfahrung. Kein weiblich-konservativer Gegenentwurf zum linksextremen Testosteron-Poltergeist Böhmermann, keine grün-woke Ideologie-gesteuerte Sprechpuppe à la Luisa Neubauer oder verwöhnte Hobby-Revoluzzerin à la Carla Reemtsma. Nein, sie hat eine Meinung, weil sie überlegt und zu gereiften Entschlüssen kommt. Sie hat Ansichten, weil sie Erfahrungen gesammelt hat, und sie hat Einsichten, weil sie nachdenkt und daraus Schlüsse folgert, die deutlich machen: Ruhs liegen Freiheit, freiheitliches Denken, Liberalität und Gerechtigkeit ebenso am Herzen wie Wertschätzung von dem, was sie hat. Was gerade für andere leider nur noch selbstverständlich zu sein scheint. Daher spielen diejenigen auch an den politischen Rändern mit dem Feuer.

„Ein offener Diskurs ist heutzutage kaum noch möglich. Weil die andere Seite darauf pocht, einfach Recht zu haben und sich moralisch sowie geistig über alle anderen erhebt. Wenn der Austausch von Meinungen darin besteht, andere Meinungen zu verteufeln, andere zu stigmatisieren, ist der Diskurs gestorben. Aber genau das macht Demokratie und Freiheit doch aus. Nämlich andere Meinungen aushalten zu können, selbst wenn sie mir widerstreben, mich aufregen und ich sie ablehne. Aber ich muss die Toleranz aufbringen, anderen eine andere Meinung zuzugestehen!“, fordert die TV-Moderatorin, die mit ihrem Format „KLAR“ für viel Aufsehen gesorgt hat. Und das nur, weil darin Themen wie Corona oder Migration angesprochen wurden, ohne diese im gängig linken Zeitgeist abzuarbeiten. Nein, es kamen endlich auch andere Stimmen zu Wort, „weil wir etwas ausgewogener berichten wollten!“, sagt Ruhs. Kritische Stimmen, die bisher verschwiegen, ausgeblendet oder gleich ganz aus Beiträgen herausgehalten wurden. Und obwohl Ruhs selbst gar nicht Stellung bezieht, nicht kommentiert, sondern nur moderiert – denn „KLAR“ ist ein Reportage- und kein Meinungsformat – wurde sie gleich von linker Kollegenseite mit Bösartigkeiten überschüttet.

Angst um die eigene Freiheit
Der unwitzige Blödelschreihals Böhmermann war wieder der Erste, der alles als „rechtspopulistischen Quatsch“ abtat. Auch die für ihre linke Geisteshaltung bekannte NDR-Frontfrau Anja Reschke spottete in ihrer eigenen Sendung im Gespräch mit einer Handpuppe (ja, so ein doofer Firlefanz ist Politikformat für Erwachsene im ÖRR): „Aber ihr sollt doch jetzt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk alle Meinungen zu Wort kommen lassen, auch wenn sie ein bisschen rechtsextrem sind.“ Und was antwortet die Puppe? „Klar!“ Autsch, was für eine niveaulose Entgleisung. Ganz dreist trieb es ZDF-Journalistin Nicole Diekmann, die Ruhs auf ihrem X-Account kindliches Selbstmarketing vorwarf. Respekt? Diskurs? Diskussionsbereitschaft? Toleranz? Nicht von links, wo die Intoleranz leider zunehmend zuhause zu sein scheint. Schade, denn auch das war einmal anders. Damals, als Links noch zuhören konnte, andere Meinungen gelten ließ und aus linker Sicht dagegen argumentierte. Man könnte auch sagen: Damals, als Links noch zivilisierter war als heute.

Da kommt ein Buch, das vor knapp zwei Jahren seitens des Verlages angefragt wurde, mit dem Titel „Links-grüne Meinungsmacht: Die Spaltung unseres Landes“ scheinbar gerade recht. Und auch hier wieder: eine selbst gemachte Feststellung, keine antrainierte Ideologie, keine Demagogie, sondern beinahe eine Schlussfolgerung aus Angst, das zu verlieren, was noch da ist, aber extrem bedroht zu sein scheint: die Freiheit in der Bundesrepublik Deutschland.

„Wenn Menschen mit linker Einstellung schon Angst vor mir haben, nur weil ich beispielsweise gegen das Gendern bin, weil ich zwar für Migration, aber gegen illegale Einwanderung bin, wenn sie das bereits für rechtspopulistisch halten, dann spürt man doch, das sich in unserem Land der Meinungshorizont verschoben hat. Die Normalität ist in Schieflage geraten. Ich distanziere mich sehr deutlich von den politischen Rändern, weil ich mit denen nicht übereinstimme. Und dennoch wollen mich Links-Grüne in diese Ecke drängen, nur weil ich nicht ihre Ansichten teile!“, betont Ruhs, die als feste freie Mitarbeiterin beim Bayerischen Rundfunk ihre journalistischen Brötchen verdient und dort auch ihre Volontärsausbildung nach dem Studium absolviert hat.

Nicht als Nestbeschmutzer gelten
„Man spürt eine links-grüne Dominanz in der Öffentlichkeit, und dass es konservativ-bürgerliche Ansichten hingegen schwerer haben, durchzudringen. Das sorgt wiederum für einen gewissen Frust, weil man sich mit seinen Themen und Meinungen übergangen fühlt. Das leider beste Beispiel ist hierbei die Berichterstattung im Themenfeld der Migration. Dort haben etliche Medien ab 2015 darauf geachtet, dass die Bevölkerung eine möglichst große Toleranz gegenüber den Ankommenden entwickelt, was ich auch bis zu einem gewissen Grad verstehen kann. Doch die Menschen haben diese mediale Verzerrung bemerkt, was wiederum dazu führte, dass viele den Medien weniger oder gar nicht mehr vertrauen!“, macht Ruhs deutlich. „Für diese Leute fühlt sich Berichterstattung nun an, als ob ihnen eine Einstellung vorgegeben werden würde und man über ihre eigene Meinung hinweggeht!“ Dieser Effekt ziehe einen Automatismus hinter sich her, der einerseits gerade – insbesondere junge – Journalisten dazu veranlasse, die linke Seite wieder weiter zu stärken, um gegen „rechts“ zu kämpfen. Und das führe dann wieder dazu, dass ein großer Teil der Medienkonsumenten sich nicht wiederfinde und die Berichterstattung als immer einseitiger, unausgewogener und damit als linker empfände, was sie dann unter dem Strich auch werde.

Diese Umstände kritisieren zu dürfen, mahnend den Finger zu heben, ohne als Nestbeschmutzer zu gelten, das liegt der jungen Journalistin am Herzen, die keinen Hehl daraus macht, den öffentlich rechtlichen Rundfunk (ÖRR) und die Idee des Systems dahinter gut zu finden. „Ich halte die Institution in heutigen Zeiten sogar für wichtig, da wir doch sehen, wie zersplittert das Medienumfeld ist. Jeder hat Zugang zur Öffentlichkeit, was per se erst einmal gut ist, aber die Qualität und die Seriosität, gerade in Hinsicht auf Recherche, bleibt mehr und mehr auf der Strecke. Eine einheitliche Plattform wie der Rundfunk ist daher wichtig. Aber die damit einhergehende Verantwortung für die Qualität und Ausgewogenheit ist zugleich umso größer!“

Gute Recherche untermauert Tatsachen, die wiederum Meinungen bilden. Wer aber nicht standhaft genug ist, und schon bei geringstem Gegenwind umfällt und damit auch der eigenen Ansicht quasi in den Rücken fällt, gibt der Gegenseite gleichsam wieder recht. Die Quintessenz: Der Meinungsvielfalt wird geschadet, womit der Raum des vermeintlich Sagbaren immer kleiner wird. „Versucht man diesen wieder auszuweiten, indem man zu seiner Nicht-Mainstream-Meinung steht, ist der Aufschrei entsprechend laut. Schon heißt es von links: ,Achtung, da will jemand den Raum des Sagbaren ausweiten!' Ja, dann kann ich nur lachend darauf antworten: ,Aber natürlich, denn ihr habt ihn ja von links die letzten Jahre dermaßen eingeengt, das keine anderen Meinungen als eure mehr hineinpassen. Genau das ist die Strategie der links-grünen Meinungsmacht!“, erklärt Ruhs gegenüber der PAZ.

„Ich komme immer öfter zu dem Schluss, dass die konservative Seite einfach nicht die linke Denke versteht, nicht begreift, wie von den Linken das Spiel gespielt wird und mit welcher Selbstherrlichkeit die kulturelle und damit auch die moralische Hoheit beansprucht und ausgespielt wird. Will man Diskurse beeinflussen, muss man wissen wie. Egal, wie abstrakt es ist, denn darin liegt Macht!“, erklärt sie und sieht erste Anzeichen, dass insbesondere seitens der Union und der Liberalen diese Lektion gelernt wurde und man nun versucht aufzuholen, um diesen Diskursraum adäquat und kompetent zu besetzen, um der linken Meinungsmacht endlich etwas entgegensetzen zu können. „Ich sehe da Leute wie Kristina Schröder, Martin Hagen, Andreas Rödder, aber auch den Aufschrei gegen die Richterwahl mit Brosius-Gersdorf. Da hat die Union schon kapiert, wie durch die Hintertür linke Politik gemacht werden soll, durch Medien, NGOs und die Justiz!“

Dass die Ränder immer stärker werden, begründet die Journalistin mit einem weiteren Aspekt: Social Media. „Auf Kanälen wie TikTok kann man am besten polarisieren, Stimmung machen und ungehemmt draufhauen. Egal, ob links oder rechts. Und wer in der Mitte steht, hat das Nachsehen, weil sich mit diesen Ansichten eben nicht wirksam Publikum gewinnen lässt. Man ist in der Mitte zum Bravsein regelrecht verdammt. Natürlich tut das einer Gesellschaft nicht gut, aber die Dynamik in der Entwicklung der politischen Ränder lässt sich ohne Social Media gar nicht mehr erklären!“, betont die Bestsellerautorin, die mit ihrem ersten Buch sehr schnell in den Bestsellerlisten landete.

Links und weniger links ohne Mitte
Und das bei einem Buch mit vermutlich tendenziell etwas „rechteren“ Inhalten, wie insbesondere Linke wohl spekulieren. Umso verwunderlicher, das das Wort „rechts“ auffallend vermieden oder elegant umschifft wird. Bürgerlich-konservativ heißt es stattdessen. Da wartet man ja beinahe darauf, dass auch diese Begrifflichkeiten demnächst in der Anwendung als verbrannt gelten. Nur ein trügerisches Gefühl? „Links ist gut, rechts ist böse. So sieht die Einteilung bei vielen nun einmal aus. Und deswegen mogelt man um den Begriff herum – ich auch. Am liebsten bezeichne ich mich als konservativ-liberal. Das trifft es, da ich in vielerlei Hinsicht liberal eingestellt bin. So wird man nicht gleich abgestempelt und in eine gewisse Ecke gestellt, aus der man nur schwer bis gar nicht wieder herauskommt. Wenngleich konservativ für nicht unerheblich viele bedeutet, dass ich als Frau dann das Muttchen hinterm Herd spiele. Wie wenig informiert muss man sein, um so zu denken? Ganz ehrlich? Sie haben völlig recht, dass Wort ,rechts' sollte überhaupt nicht so belastet sein, wie man denkt!“, gesteht sie im Gespräch mit der PAZ. „Vor allem nicht, wenn man links mit einer Selbstverständlichkeit nutzt und das Wort zudem positiv besetzt ist. Diesen Leuten geht es darum, den politischen Gegner auf der anderen Seite ab- und auszuschalten. Für die soll es ,rechts der Mitte' nichts mehr geben. Die Mitte wird dann so stark entkernt, dass es nur noch links und weniger links gibt. Das ist deren Ziel!“


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