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Automobil

Made in Sudetenland

Ein Oldtimer-Sammler hat einen alten Tatra aufgemöbelt – Für die Garage ist ihm das über 80-jährige Gefährt zu schade

Markus Bauer
18.10.2022

Mit etwa 70 Kilometer pro Stunde (km/h) fährt Harald Sommer gemütlich dahin, in der Regel auf Landstraßen, nur in Ausnahmefällen auf der Autobahn. Denn sein fahrbarer Untersatz ist ein Tatra 57 B Baujahr 1940. In den vergangenen 23 Jahren – am 15. März 1999 hat er den Oldtimer gekauft – hat der 54-jährige Autonarr nur einen einzigen Schaden während einer Ausfahrt gehabt. Und das bei zirka 15.000 gefahrenen Kilometern.

Schon immer hatte der pensionierte Postbeamte aus Deining (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) ein Faible für alte Fahrzeuge. Daher verfolgte er Anzeigen in Zeitungen. Und hier stieß er im März 1999 auf den Tatra 57 B, der mit Foto und inhaltlichen Angaben angeboten war. Sofort entschied er sich, den Wagen, der bei einem Händler in München stand, zu kaufen. „Ich wollte schon immer so ein Auto haben“, erklärt er rückblickend. Der Rest ging schnell, am 15. März 1999 erfolgte der Kauf, kurz darauf war der Oldtimer in Deining.

Natürlich hat Sommer das Fahrzeug komplett durchgecheckt. Außer zwei Stößelstangen im Motor, die zu erneuern waren, und zwei Holzstücken im Fenster- und Bodenbereich, die er ausbessern musste, war alles in Ordnung. Ein Grund dafür war auch, dass der Tatra 1940 ohne Reifen ausgeliefert wurde und zunächst sechs Jahre stand. Ab der Zulassung im Jahr 1946 fuhren den Wagen Besitzer in Wien, in Kärnten und wiederum in Wien. Von dort kam der Tatra im Mai 1990 zum Händler nach München, wo das Fahrzeug bis zum Kauf durch Sommer fast nur stand. Mit 27.200 gefahrenen Kilometern hat der Deininger den Tatra schließlich übernommen.

Natürlich hat Sommer den ursprünglichen Kraftfahrzeugbrief. Darin werden neben der Bestätigung, dass alle Fakten und Daten in Ordnung sind (30. März 1940), auch das Unternehmen – Ringhoffer-Tatra-Werke A.G. – und der Firmenort Nesselsdorf (bei Neutitschein im Kuhländchen) genannt.

Das Allermeiste ist noch original, in die schwarze Farbe wurde der Tatra jedoch schon vor 1999 umlackiert. Der Vierzylinder-Viertaktmotor liefert aus 1255 Kubikzentimeter Hubraum 25 PS. Der Tatra 57 B ist vier Meter lang, 1,55 Meter breit, nur 1,52 Meter hoch und wiegt leer 930 Kilogramm. Platz bietet er für vier Personen. Gebaut wurde er von 1938/39 bis 1948/49. Es gab ihn als Kastenwagen und Limousine.

Sommers Exemplar ist eine Limousine, die vom Werk angegebene Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ist er noch nicht gefahren. „Bei 80 km/h wird es unlustig“, weiß Sommer aus seiner Fahrpraxis. So belässt er es bei den 70 km/h, womit ein Benzinverbrauch von zirka zehn Litern auf 100 Kilometer einhergeht.

Eine Besonderheit, die mit dem Linksverkehr in den Nachfolgestaaten von Österreich-Ungarn zusammenhängt, ist das seitenverkehrte Vierganggetriebe. „Das ist schon gewöhnungsbedürftig“, bekennt Sommer. Mit den politischen Ereignissen 1938/39 (Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes ans Deutsche Reich beziehungsweise Errichtung des Protektorats Böhmen-Mähren) wurde in diesen Ländern dann der Rechtsverkehr eingeführt.

In den direkt über dem Motor befindlichen Tank passen 35 bis 40 Liter Benzin. Auch wenn der Tatra einen Tageskilometerzähler hat – Sommer geht beim Benzinverbrauch auf Nummer Sicher. „Die Fahrstrecken sind nie weiter als 300 Kilometer“, betont er. So ist er noch nie wegen Spritmangels liegengeblieben.

Auf Oldtimer-Treffen ist Sommer eher selten vertreten. Seine Philosophie lautet, dass ein altes Auto mehr bewegt, also gefahren und weniger angeschaut werden sollte.



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