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Während der 155. Tour: Werner Koepke (M.) mit Freund und Dolmetscher Ryszard Łopatka (l.) und Kollege Heinrich Hennigs (r.)
Foto: U.H.Während der 155. Tour: Werner Koepke (M.) mit Freund und Dolmetscher Ryszard Łopatka (l.) und Kollege Heinrich Hennigs (r.)

Hilfstransporte

Mehr als neun Mal um die Erde

Der Ortelsburger Werner Koepke bringt seit 30 Jahren Spenden in die Heimat

Uwe Hahnkamp
26.01.2023

Im November wurden es 30 Jahre, dass Werner Koepke aus dem Ort Leiferde zwischen Braunschweig und Hannover regelmäßig mit Hilfsgütern nach Ortelsburg fährt und den Menschen Gutes tut. Am 14. Januar war der Niedersachse auf seiner inzwischen 155. Tour wie stets beim Verein der Deutschen Minderheit „Heimat“ zu Besuch.

Koepke ist gern gesehen im Landkreis Ortelsburg. Mal mit einem Transporter, mal mit einem Pkw mit Anhänger hat er 20 Jahre lang als Privatmann die Strecke zwischen Leiferde und dem Kreis Ortelsburg zurückgelegt, die letzten zehn Jahre, als die Gesundheit nicht mehr so ganz mitspielte, dann mit dem Verein „Masurenhilfe“, den er gegründet hat. Seitdem helfen ihm inzwischen 43 Mitglieder beim Sammeln, Beladen, Fahren und Ausliefern der Sachspenden. „Bis vor zehn Jahren habe ich persönlich in diese Fahrten mehrere Zehntausend Euro gesteckt. Ich habe zuletzt mal nachgerechnet und kam mit den Strecken hierher – einmalig 815 Kilometer – und den Fahrten in Deutschland auf über 350.000 Kilometer, habe also schon mehr als neun Mal die Länge des Äquators zurückgelegt“, stellt Koepke fest.

Ein positiver Zufall

Dabei war der Ort seiner karitativen Aktivität zumindest anfangs eher ein Zufall, denn seine Familie stammt eigentlich aus Tannenberg. „Dort habe ich auf der ersten Fahrt vorbeigeschaut, und die Menschen waren noch misstrauisch. Mein Freund und Dolmetscher Ryszard Łopatka hat erklärt, wer ich bin, und ein alter Nachbar erinnerte sich an meinen Vater und die Brüder, kannte sogar noch die Vornamen“, erzählt Koepke. „Doch nach Ortelsburg kam ich dank Frau Dr. Kühne, die von dort stammt. Sie musste 1945 fliehen, wohnte bei uns in Leiferde und war beim Roten Kreuz aktiv. Von ihr kam der Vorschlag, den Menschen in ihrer Heimat zu helfen“, fasst er die Anfänge seines Engagements zusammen.

So machte er sich im November 1993 mit seinen damaligen Kollegen zum ersten Mal auf den Weg. Bevor die Fahrt losging, tauschte er den Wagen mit Anhänger gegen einen 7,5-Tonner. Das Spendenvolumen überstieg bereits damals das Fassungsvermögen des ursprünglich geplanten Fahrzeugs, und im Grunde ist es bis heute so geblieben, dass bei keiner Tour alles mitgenommen werden kann. „Dank der Presseberichte und der Erzählungen wissen die Menschen, dass Sachspenden über mich dort landen, wo sie notwendig sind. Unsere Masurengarage, eine Doppelgarage, die uns als Lager dient, ist stets gut gefüllt“, freut sich Koepke über die Großherzigkeit der Menschen seiner Region.

Dank Kontakten zu verschiedenen Textil- und Lebensmittelfirmen sowie dem Einzelhandel, der Unterstützung durch die Firma Volkswagen, die den Transporter stellt, und vor allem Menschen wie Heinrich Hennigs vom Verein „Masurenhilfe“ konnte und kann Koepke vielen Menschen helfen. Ob mit medizinischem Gerät für die Ortelsburger Sozialstation „Lazarus“, Krankenhäuser des Landkreises oder das Polnische Rote Kreuz in Allenstein, mit Spielzeug, Schulwaren und Süßem unter anderem in den Kinderheimen von Ortelsburg und Passenheim, mit Heimorgeln für Schulen, im Laufe der Zeit ist viel zusammengekommen. Zuletzt war Koepke sechs Mal in Litauen bei der Partnerregion des Kreises Ortelsburg mit Hilfsgütern unterwegs.

Hilfe und Ehrungen

Seine Tätigkeit wird honoriert. Das Polnische Rote Kreuz zeichnete ihn mit Medaillen aus, er ist Ehrenbürger von Ortelsburg und Träger des polnischen Goldenen Verdienstkreuzes. „Zu dieser Verleihung hat mich sogar eine Polizeieskorte von Ortelsburg nach Allenstein begleitet“, erinnert Koepke sich schmunzelnd. „Das alles ist schön, aber bei Weitem nicht das Wichtigste. Wichtig ist mir, Menschen zu helfen.“ Deren Lage und Schicksale gehen ihm bis heute nahe. Als er erzählt, wie sie vor ein paar Tagen am Vereinshaus am Ortelsburger Waldstadion waren, wo drei Dutzend ukrainische Flüchtlinge untergekommen sind, und von der Freude eines Vierjährigen, dem er ein Plüschtier schenken konnte, versagt ihm für mehrere Momente die Stimme.

Die Hilfe für die Ortelsburger bleibt wichtig. Trotz gesundheitlicher Probleme wird Koepke weiterhin vier bis fünf Mal im Jahr vorbeikommen, und nie mit einem leeren Auto. Die nächste Tour? Die ist nach Ostern avisiert, dann mit Kartons voller Schokoladenhasen und natürlich Hilfsgütern jeder Art. Das wird dann Tour Nummer 156 und weitere 1600 Kilometer auf der zehnten Runde um den Äquator.


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