30.11.2022

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Geheimdienste

MI5 und CIA warnen vor China

Die Sicherheitsdienste von Großbritannien und den USA bieten besorgten Firmen Ratschläge an

Wolfgang Kaufmann
01.08.2022

Geheimdienste gehen normalerweise nicht an die Öffentlichkeit. Umso spektakulärer war daher jetzt der gemeinsame Auftritt von Ken McCallum und Christopher Wray. Der erstere ist Chef des britischen Inlandsgeheimdienstes Security Service (MI5) und der letztere Direktor des US-amerikanischen Federal Bureau of Investigation (FBI). Dabei wandte sich McCallum in einer längeren Ansprache an „führende Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft“ des Vereinigten Königreiches, die man aus diesem Anlass in das Thames House, den Londoner Hauptsitz des MI5, eingeladen hatte.

Zu Beginn lobte der Redner die langjährige Zusammenarbeit zwischen MI5 und FBI und sprach kurz über die Bekämpfung des Terrorismus. Dann stimmte er seine Zuhörer auf ganz andere, „bahnbrechendere“ Herausforderungen ein: „Anstelle von Einzeltätern koordinierte Kampagnen im großen Stil. Statt blitzschnellem Zuschlagen ein strategischer Wettstreit über Jahrzehnte.“

So nämlich agiere China – und darüber müsse man sprechen. Denn Geheimdienste wie der MI5 und das FBI könnten nicht alle Bedrohungen im Alleingang ausschalten. Das sei ebenso auch die Aufgabe der versammelten Gäste. Und es gebe viel, was diese tun könnten, um sich zu schützen.

„Strategie der tausend Sandkörner“

Bevor McCallum näher darauf einging, skizzierte er allerdings erst einmal die Bandbreite der chinesischen Aktivitäten, wobei er unmissverständlich warnte: „Wenn Sie auf dem chinesischen Markt präsent sind oder eine Präsenz anstreben, werden Sie betroffen sein!“ Zum Beispiel durch Wirtschaftsspionage, Cyberangriffe und den verdeckten Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen. Des Weiteren verwende China aber auch legale Methoden, um in den Besitz des geistigen Eigentums westlicher Firmen zu gelangen. So habe der britische Feinmechanik-Hersteller Smith's Harlow einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Unternehmen Futures Aerospace abgeschlossen. Nach dem Erhalt von wertvollem Know-how sei Futures Aerospace dann schnell wieder aus dem Geschäft ausgestiegen.

Ebenso verwies McCallum auf die chinesische „Strategie der tausend Sandkörner“, welche darin bestehe, Informationen aus unzähligen verschiedenen Quellen zusammenzutragen. Dabei ging er auch explizit auf den Fall des deutschen Asienexperten Klaus L. ein, der einerseits als Referent bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung tätig gewesen war und andererseits seit 2010 Berichte für die Chinesen verfasste.

Höchst problematisch, so der MI5-Chef weiter, sei zudem die Nutzung von Internetangeboten zum Aufbau beruflicher und privater Netzwerke. Häufig missbrauche China die hierdurch zustande gekommenen Kontakte, um Personen mit sensiblem Wissen Gefälligkeiten zu erweisen, für die es dann zu gegebener Zeit Gegenleistungen einfordere.

Darüber hinaus nannte McCallum Beispiele dafür, wie China ausländische Kritiker der Führung in Peking neutralisiert, indem es sie in eine Falle laufen lässt.Auch hier regnet es zunächst Wohltaten, die dann publik gemacht werden, um die betreffende Person im eigenen Land zu kompromittieren.

Dem Ganzen folgten schließlich die Ratschläge von MI5 und FBI zur Entwicklung einer „gemeinsamen nationalen Resilienz“: Jede Firma und jede Wissenschaftseinrichtung, die wegen der Chinesen in Sorge sei, sollte die vielfältigen Beratungsangebote der Geheimdienste im eigenen Land annehmen, um „zu einer harten Nuss“ für die Handlanger Pekings zu werden.

Signal an die Adresse Pekings

Ansonsten müssten sich sämtliche Verantwortliche diese vier zentralen Fragen stellen: „Existiert ein strategischer Ansatz im Umgang mit den beschriebenen Risiken? ... Haben Sie in Ihrer Organisation auf allen Ebenen eine durchdachte Sicherheitskultur? ... Kennen Sie Ihre Kronjuwelen, deren Diebstahl Ihre Zukunft gefährden würde? ... Verfügen Sie über ein Kontrollsystem zur Bewertung Ihrer finanziellen Risiken und zum Schutz Ihrer Lieferketten?“

Wie McCallum am Ende seiner Ansprache ganz offen zugab, war seine Rede nicht nur als Warnung an die Forscher und Unternehmer in Großbritannien gedacht, sondern auch als deutliches Signal an die Adresse Pekings. Nun bleibt abzuwarten, wie dessen Reaktion hierauf aussieht. Offiziell kam bislang nur ein kurzes Dementi aus der chinesischen Botschaft in Washington: Man wolle das Reich der Mitte wieder einmal verleumden und attackieren. Dabei würden die Fakten doch beweisen, dass die USA die größte Bedrohung für die ganze Welt seien.



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Kommentare

Gustav Leser am 15.08.22, 02:08 Uhr

China und Russland müssen in der Tat einen Angriff der bankrotten Anglos fürchten

Ihr williger Vollstrecker in Europa ist Polen. Drei-Meeres-Initiative/ Intermarium.
Das Seidenstraßenprojekt wäre Makulatur. Man kann nur hoffen dass Peking sehr bald entsprechend reagiert.
Im eigenen Interesse.

Kersti Wolnow am 01.08.22, 14:32 Uhr

Die Chinesen arbeiten eben mit denselben Mitteln wie der Tiefe Staat in den uSA schon lange: Mit Korruption und Erpressung entscheidender Personen.

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