22.06.2021

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Erfuhr eine vulgäre Beschimpfung: Chef des Schlesischen Bauernverbandes der Deutschen Minderheit Bernard Dembczak
Foto: C.W. WagnerErfuhr eine vulgäre Beschimpfung: Chef des Schlesischen Bauernverbandes der Deutschen Minderheit Bernard Dembczak

Östlich von Oder und Neiße

Mit der Walze über das Selbstbestimmungsrecht

Nicht nur in Walzen gibt es heftige und kriminelle Aktionen gegen die Deutsche Minderheit

Chris W. Wagner
07.06.2021

Die Gemeinde Walzen [Walce] in der Woiwodschaft Oppeln kennt man in Oberschlesien. Aus dieser Gemeinde, genauer aus dem Ortsteil Broschütz [Brożec], stammt Erzbischof Alfons Nossol, der vor 30 Jahren die Versöhnungsmesse mit Bundeskanzler Kohl und Prämier Mazowiecki im Niederschlesischen Kreisau [Krzyżowa] führte. Walzen ist Gründungsort der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft, die mittlerweile ihren Sitz in Oppeln hat, und Austragungsort des jährlichen Wettbewerbs deutscher Chöre. Seit dem 6. Mai ist Walzen wieder in aller Munde, doch der Grund ist kein rühmlicher.

In der Nacht auf den 6. Mai wurde das Gebäude der Walzener Freiwilligen Feuerwehr mit vulgären Schmierereien verunstaltet, die sich gegen die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen (SKGD) richteten. Außerdem wurden Pappkarton­deckel mit antideutschen Parolen an Türen des Gemeindeamts mit dem polnischen Wortlaut angebracht: „Der III. Schlesische Aufstand 02.05.1921 – 02.05.2021. Der Walzener Bürgermeister erinnerte daran nicht. Die SKGD will nicht daran erinnern“, ist auf einem der Kartons zu lesen. Des Weiteren richtet sich der Verfasser an den Gemeindevorsteher aus der Deutschen Minderheit Marek Śmiech direkt mit der Frage, ob er denn seine Herkunft nicht kenne, und will damit suggerieren, dass jener eine falsche Herkunft für sich in Anspruch nehme. An die Mitarbeiterin der Gemeinde und Betreuerin des Jugendrates der Deutschen Minderheit, Izabela Waloszek, richtet der Autor die Worte: „Kinder lieben weder Deutschland noch deutsche Mütter.“ Auf dem Feuerwehrgebäude wurde in roten Lettern geschmiert: „SKGD, fick dich“.

Rafał Bartek, Vorsitzender der SKGD, führt den Sachverhalt auf eine allgemeine Stimmung in der regionalen Politik zurück. Gegenüber dem Internetportal Nasze Miasto (was übersetz „Unsere Stadt“ heißt) sagte er: „In letzter Zeit gab es heftige, unberechtigte Kritik an der Deutschen Minderheit. Der oder die Täter in Walzen haben sich vielleicht durch diese Aussagen inspirieren lassen. Ich finde es aber gut, dass Bürgermeister Marek Śmiech den Vorfall gleich gemeldet hat, denn das ist der richtige Schritt. Ich habe auch ein Schreiben an den Woiwoden verfasst, ihn auf diese Sache aufmerksam gemacht und gebeten, sich im Sinne des Minderheitengesetzes der Sache anzunehmen.“ Er sehe den oder die Täter durch Politikeraussagen inspiriert, die seiner Meinung nach den Deutschen das Recht zur eigenen Meinung im Kontext der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der polnischen Aufstände in Oberschlesien aberkennen.

Der Walzener Gemeindevorsteher Śmiech zeigte sich wegen der Sachbeschädigung gegenüber der Zeitung der Deutschen in Polen „Wochenblatt.pl“ genervt: „Die Feuerwehrleute kümmern sich um das Gebäude, sie investieren viel darin, weil sie es als ihr zweites Zuhause ansehen. Und in der Nacht kommt dann jemand und zerstört die Außenfassade mit einem vulgären Spruch. Das macht mich wütend.“ Einer der Walzener Feuerwehrleute kommentierte den Vorfall im Netz so: „Wenn der Täter oder diejenigen, die wie der Täter denken, einmal Hilfe brauchen, kommen wir Walzener Feuerwehrleute ihnen mit unserem deutschen Mercedes zu Hilfe.“

Den vulgären Satz haben die Walzener Feuerwehrleute noch nicht entfernt, dafür einen Spendenaufruf gestartet. Jetzt sammeln sie für eine spezielle Deckfarbe, die erst nach Fronleichnam über die Schmierereien gestrichen werden soll. Vielleicht, um den Einwohnern, die bei der katholischen Fronleichnamsprozession an der Feuerwache vorbeiziehen werden, einen Denkanstoß zu geben.

Auf ähnliche Weise wie der Walzener Gemeindevorsteher wurde auch der Oberglogauer Gemeinderat Bernard Dembczak, der zugleich Chef des Schlesischen Bauernverbandes der Deutschen Minderheit ist, verbal angegriffen. Das Städtchen Oberglogau [Głogówek] liegt 15 Kilometer von Walzen entfernt, die Handschrift des Täters und die Intention scheinen die gleiche wie in Walzen zu sein. „Verpiss dich, Oberglogau bleibt immer polnisch!“, heißt es neben einer auch dort vulgären Schmähung. Laut „Wochenblatt.pl“ sei dies eine Anspielung auf die Aprilsitzung des Oberglogauer Stadtrates. Die Ratsherren hatten mehrheitlich den Beschlussvorschlag des Bürgermeisters abgewiesen, eine Gedenktafel für polnische Patrioten in Oberglogau aufzustellen.

Auch Dembczak stimmte damals dagegen. Laut Stanisław Bar, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Oppeln, drohe dem oder den Tätern eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Aber faktisch kenne man das Ergebnis in Oberschlesien. Eine solche Strafe ließe sich öffentlich kaum verteidigen und werde es auch bei einer Täterermittlung mit großer Sicherheit nicht geben.



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Kommentare

Tom Schroeder am 08.06.21, 18:54 Uhr

Ein paar Spinner gibt's ueberall - ich kenne schon seit Jahrzehnten polnische Menschen, die in D leben, eine Lebensabschnittsgefährtin war auch 8 Jahre die meine. Ich mag diese großenteils fleißigen und intelligenten Leute, die niemals mich auf deutsche Verbrechen in der Nazizeit angesprochen haben oder sonst wie irgendeinen alten oder neuen Graben aufgerissen hätten. Auf einem Heiligabend bei Freunden meiner damaligen Freundin, das war in den 80ern in München, war ein ehemaliger KZ-Häftling. Der prostete mir zu und war bestrebt das möglichst oft mit Wodka zu tun - man setzte mich dann neben ihn und sagte mir er verstehe die deutsche Sprache sehr gut, ich könne also zu ihm sprechen, jedoch würde er sich seit 1945 weigern sie selbst zu sprechen. Mein Verständnis hatte er. Wir kamen übrigens um 4:00 Uhr nachts stockbetrunken nach Hause, eine herrliche Fete! Ich denke wir müssen alle noch bestehende nationalistische Gräben mit Polen zuschütten, soweit das noch nicht geschehen ist. Wir werden alle davon profitieren.

sitra achra am 07.06.21, 11:17 Uhr

Deutsche und Juden, sogar Ukrainer, waren als Minderheiten in Polen schon immer der Verfolgung ausgesetzt.
Die Situation hat sich heute glücklicherweise zum Besseren verändert, sodass diese Schmierereien einer unverbesserlichen Randgruppe zuzuordnen sind. Trotzdem beschämend.

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