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Agatha Christie im Jahr 1979
Bild: IMAGO/United Archives KeystoneAgatha Christie im Jahr 1979

Krimi

Mit einer Prise Strychnin

Vor 50 Jahren starb die „Queen of Crime“ Agatha Christie – Ihre Werke sind milliardenfach aufgelegt

Harald Tews
09.01.2026

Im Guinness-Buch der Rekorde ist Agatha Christie gleich dreimal gelistet: Nach der Bibel und den Werken Shakespeares ist sie mit über zwei Milliarden verkauften Romanen die erfolgreichste Autorin aller Zeiten. Außerdem hält sie den Rekord als meistübersetzte Krimiautorin, und ihr Theaterstück „Die Mausefalle“ ist seit der Premiere im Jahr 1952 das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Erst die Corona-Pandemie sorgte 2020 nach 28.201 Aufführungen für eine etwas über einjährige Zwangspause am Londoner St. Martin's Theatre.

Die 74 Romane der am 1890 geborenen Krimiautorin werden von einer begeisterten Leserschaft weiterhin ununterbrochen wie Honig aufgesaugt. Die „Queen of Crime“, wie sie ehrfürchtig genannt wird, ist weit mehr als nur eine erfolgreiche Schriftstellerin; sie ist ein kulturelles Phänomen. Ihr Werk bildet das Fundament dessen, was man heute als klassischen Kriminalroman im „Whodunnit“-Stil bezeichnet – eine literarische Form, bei der der Leser eingeladen wird, gemeinsam mit dem Detektiv ein komplexes Rätsel zu lösen. Die Geschichten um den exzentrischen belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot und die scharfsinnige Amateurermittlerin Miss Marple sind auch wegen der Verfilmungen zum Kult geworden. Peter Ustinov als Poirot und Margaret Rutherford als die burschikose Seniorin Miss Marple haben diese Figuren derart geprägt, dass sie unauslöschlich ins kulturelle Gedächtnis eingezogen sind.

Wäre der Erste Weltkrieg nicht gewesen, dann hätte Christies berufliche Karriere womöglich einen ganz anderen Lauf genommen: den einer Musikerin. In Paris begann sie ein Musikstudium, das sie wegen des Ersten Weltkriegs unterbrach, indem die als Krankenschwester beim Britischen Roten Kreuz arbeitete. Ihre Tätigkeit später in einer Apotheke machte sie mit medizinischen Giften vertraut, die sie später in ihren Krimis verarbeitete. 1920 erschien ihr erster Poirot-Roman „Das fehlende Glied in der Kette“, und der Mörder tötete – natürlich – mit Strychnin.

Am 12. Januar 1976 starb die inzwischen von der Queen zur Dame Commander geadelte Schriftstellerin in Winterbrook House in Wallingford in der Grafschaft Oxfordshire. Es war aber kein Giftanschlag, sondern ein natürlicher Tod: Schlaganfall. In Christies Sommersitz Greenway House lebte später ihre Tochter Rosalie aus erster Ehe mit ihrem Mann. Diese übereignete im Jahr 2000 den Landsitz dem National Trust, der den ursprünglichen Zustand erhielt und das Anwesen als Museum eröffnete.

Ali Marshall, die langjährige Gärtnerin Christies, erzählt den Gästen schwärmerisch und mit strahlenden Augen von den Lieblingsgiften der Krimi-Queen. Man konnte sie offenbar vielseitig einsetzen: „Ein paar Tropfen im Champagner oder eine Prise im Dessert waren garantiert tödlich.“ Vom 1. bis 20. September findet zudem jährlich in ihrer Geburtsstadt Torquay im Südwesten Englands das „Agatha-Christie-Festival“ statt.


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