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Wirtschaftsklima

Neuer Boom in der Oder-Neiße-Region

Große Investoren interessieren sich zunehmend für Standorte nahe der polnischen Grenze

Hermann Müller
15.09.2023

Städte wie Guben, Görlitz oder Pasewalk haben nach dem Mauerfall in großer Zahl Unternehmen und Arbeitsplätze verloren und mussten die Abwanderung von zumeist jungen Menschen verkraften. Mittlerweile entdecken Unternehmen, dass die Randlage auch Vorzüge hat. Der Schuhhersteller Birkenstock etwa hat eine neue Fabrik in Pasewalk in Betrieb genommen.
Wie das Unternehmen aus Rheinland-Pfalz mitteilte, hat es in das neue Werk in Vorpommern 110 Millionen Euro investiert. Dies stellt die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte dar. Auch für Mecklenburg-Vorpommern ist der Bau des Birkenstock-Werkes eine der größten Firmeninvestitionen seit 1990.

Gebaut wurde das Werk im „Indus­triepark Berlin-Szczecin“ unweit der Autobahn 20 innerhalb von 17 Monaten. Mittelfristig sollen in Pasewalk 1000 Arbeitsplätze entstehen. Nach Angaben von Birkenstock soll durch das neue Werk in Pasewalk vor allem der Hauptproduktionsstandort Görlitz entlastet werden. Dort habe man positive Erfahrungen mit einer Produktion im deutsch-polnischen Grenzgebiet gesammelt, so das Unternehmen. Birkenstock ist kein Einzelfall. In Pasewalk hat sich bereits das europaweit tätige Familienunternehmen Topregal, ein Hersteller von Schwerlastregalen, angesiedelt.

Bei der Standortwahl des Autobauers Tesla hat die Nähe zum polnischen Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle gespielt, wie Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) dem Onlinemagazin „Teslamag“ bestätigt hat. Der Standort liegt lediglich 60 Kilometer von der Oder entfernt und liegt verkehrsgünstig an der Bahnstrecke Berlin – Frankfurt/Oder und auch direkt an der Autobahn.
Auch Guben zieht immer öfter Investoren an. Im März war in der Neißestadt der erste Spatenstich für eine Lithium-Fabrik des deutsch-kanadischen Unternehmens Rock Tech Lithium entstanden. Das Unternehmen will 650 Millionen Euro investieren. Den Hochlauf des ersten Lithiumkonverters in Europa erwartet man im Jahr 2025.

Spatenstich für Lithium-Fabrik
Die Produktion von Lithiumhydroxid in Batteriequalität soll laut Unternehmensangaben zu Beginn des Jahres 2026 in der Neißestadt anlaufen. Vergangenes Jahr entschieden sich ebenso zwei weitere Großinvestoren für Guben. Das US-amerikanische Unternehmen Jack Link's, Hersteller der Minisalami Bifi, zieht bereits eine erste Produktionshalle hoch. Die Produktion soll laut Zeitplan der Amerikaner im Sommer 2024 mit rund 80 Mitarbeitern starten. Jack Link's investiert 50 Millionen Euro in den Standort. Rund 100 Millionen Euro will ein chinesisches Unternehmen in Guben investieren. Ziel der Chinesen ist es, eine Recyclinganlage für Batterien aufzubauen. Zudem will „Botree Cycling“ in der Neißestadt Fachkräfte für Batterie-Recycling ausbilden. „Botree Cycling“ knüpft laut Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) mit seinem Vorhaben an Rock Tech Lithium an. Neben der Wirtschaftsförderung Brandenburg hat auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade and Invest die Chinesen bei ihrer Standortwahl beraten.

Bislang noch kein Thema für die Politik ist es, nach dem Vorbild der polnischen Wirtschaftsförderung, westlich von Oder und Neiße sogenannte Sonderwirtschaftszonen einzurichten.


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