11.01.2026

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Das Königsschloss von Posen, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und dann 1959 bis 1964 mit viel Liebe zum Detail teilweise wieder aufgebaut wurde. Das komplette Schloss ist 2014 vollständig restauriert und errichtet worden
Bild: IMAGO / ZoonarDas Königsschloss von Posen, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und dann 1959 bis 1964 mit viel Liebe zum Detail teilweise wieder aufgebaut wurde. Das komplette Schloss ist 2014 vollständig restauriert und errichtet worden

Architektonische Imposanz

Posens doppelter Schloss-Segen

Sowohl eine Königs- als auch eine Kaiser-Residenz schmücken das Stadtbild der preußischen Provinzmetropole

Wolfgang Reith
11.01.2026

Posen rühmt sich gerne damit, die wohl einzige Stadt der Welt zu sein, die sowohl über ein Königs- als auch ein Kaiserschloss verfügt. Doch wie kam es dazu?

Auf dem Przemysł-Hügel steht das frühere Königsschloss, wo einst die Herzöge von Großpolen residierten und das später im Königreich Polen Sitz des Generalstarosten (Landeshauptmanns) von Großpolen war. Die Ursprünge auf dem damals „Mons Castrensis“ genannten Hügel datieren bereits von 1249 und damit aus der Regierungszeit von Herzog Przemysł I. (1239–1257).

Ab 1288 erfolgte eine Erweiterung unter dem späteren König Przemysł II. (1295–1296). Doch tatsächlich fertiggestellt wurde der Bau erst 1337 unter der Herrschaft von König Kasimir I. dem Großen (1333–1370). Bedeutung erlangte die Residenz vor allem im Jahr 1493, als dort der polnische König Johann I. Albrecht (Jan Olbracht) die Huldigung des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Johann von Tiefen, entgegennahm.

Das im gotischen Stil errichtete Bauwerk wurde beim Stadtbrand im Jahre 1536 leider größtenteils vernichtet. Anschließend erfolgte der Wiederaufbau im Renaissance-Stil. Im Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 wurde das Schloss dann erneut zerstört. Es verfiel danach mehr und mehr, und nur Teile der Ruine wurden im Laufe des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt.

1783 ließ der letzte Generalstarost von Wielkopolska (Großpolen), Kazimierz Raczyński, auf den restlichen Fundamenten der alten Burg ein Gebäude in spätbarocker Weise errichten, das als Archiv diente. 1795 erbaute man daneben ein weiteres zweistöckiges Gebäude, in dem eine Buchdruckerei untergebracht wurde.

Dreijährige Verspätung
Nachdem die Region nach der zweiten polnischen Teilung 1793 preußisch geworden war, residierte hier bis 1807 die Kriegs- und Domänenkammer der neugebildeten Provinz Südpreußen, ab 1815 dann die Regierung der Provinz (Großherzogtum) Posen. Mitte des 19. Jahrhunderts zog das Appellationsgericht ein, von 1885 bis 1939 war das Haus Sitz des Staatsarchivs. Durch die Kämpfe zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Februar 1945 schwer beschädigt, wurde der Raczyński-Bau erst in den Jahren 1959 bis 1964 wiedererrichtet.

Doch schon damals gab es Pläne zur Restaurierung der mittelalterlichen Burg, von der ja nur noch Mauerreste existierten. 2002 gründete sich schließlich ein „Komitee für den Wiederaufbau des Königsschlosses“, und 2010 begannen die Arbeiten, die vier Jahre später beendet werden konnten. Das Bauwerk mit seinem 43 Meter hohen Turm gleicht einer Burg aus dem 16. Jahrhundert, gilt als „fantasievoller Rekonstruktionsversuch des spätmittelalterlichen Zustandes einer der ältesten königlichen Residenzen in Polen“ und hat deshalb auch zu viel Kritik Anlass gegeben. So wurde es als „Gargamel Castle“ verspottet oder als moderner Kitsch bezeichnet. Auf jeden Fall ist es für Posen eine neue touristische Attraktion, zumal sie über der Stadt „thront“ und von der Altstadt aus in wenigen Schritten gut zu Fuß zu erreichen ist. Obwohl die Fertigstellung schon 2014 erfolgte, fand die offizielle Einweihung erst im März 2017 statt. Im Jahr zuvor war bereits die Aussichtsterrasse auf dem Turm eröffnet worden. Der Bau beherbergt seither das Kunstgewerbemuseum (Museum für Angewandte Kunst).

Kaiserliche Räumlichkeiten
Außer dem Königsschloss gibt es noch das Residenzschloss, auch Kaiserschloss genannt, ein neoromanischer Bau, der nach den Plänen des Architekten Franz Schwechten (1841–1924) in den Jahren 1905 bis 1910 für Kaiser Wilhelm II. errichtet wurde und als einer der letzten großen Schlossbauten Europas gilt. Ursprünglich sollte es Königliches Residenzschloss heißen, weil der deutsche Kaiser in seiner Eigenschaft als König von Preußen gleichzeitig Großherzog von Posen war, doch gab es ja bereits das vorerwähnte polnische Königsschloss, und so wurde das Gebäude in Polen seither als „Kaiserschloss“ bezeichnet. Im Rahmen des Posener Kaisertages weihte Kaiser Wilhelm II. im Beisein seiner Familie die neue Residenz nach deren Fertigstellung am 21. August 1910 ein.

Das Schloss ähnelt einer mittelalterlichen Königspfalz, Vorbilder waren romanische Baudenkmäler in Deutschland und Italien. Erbaut wurde es aus Beton, Backstein und schlesischem Sandstein. Im Westflügel des Hauptgebäudes lagen im Erdgeschoss die Räume des Militärgerichts und des Kaiserlichen Gerichtshofes, im Stock darüber die Wohnräume des Kaisers und der Kaiserin und im zweiten Stockwerk solche für den Kronprinzen. Im Ostflügel des Schlosses waren Räumlichkeiten für Repräsentationszwecke untergebracht, darunter der prunkvolle Thronsaal mit dem Marmorthron für den deutschen Kaiser. Im Nordteil des Schlosskomplexes waren schließlich Räume für Bedienstete, ein Kutscherhaus, Ställe und Garagen. Im Innenhof der Anlage befindet sich ein Springbrunnen, der eine Kopie des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Löwenbrunnens der Alhambra in Grenada darstellt.

Schutz im Ersten Weltkrieg
Nach dem Vorbild der Capella Palatina in Palermo entstand nach 1910 im Schlossturm noch eine im byzantinischen Stil gehaltene Privatkapelle für Kaiser Wilhelm II., zu deren feierlicher Eröffnung er am 27. August 1913 anreiste. Unter der Kapelle befand sich an der Westseite des Turms der Privateingang des Monarchen, von dem aus man über Treppenaufgänge direkt in das erste Stockwerk gelangte. Den Flur zu den Privatgemächern des Kaiserpaares schmückten vier Figuren, die Markgraf Gero I. den Großen (gest. 965), Kaiser Otto I. den Großen (912–973), Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122–1190) und den polnischen Seniorherzog (Princeps) Władysław II. (1105–1159) zeigten. Außer zu den erwähnten Anlässen in den Jahren 1910 und 1913 war Wilhelm II. nur noch ein einziges weiteres Mal in seiner Posener Residenz, und zwar während des Ersten Weltkrieges 1915, als er dort auf der Durchreise eine Nacht verbrachte.

Vom Kaiserschloss zum Lazarett
Zwischen den beiden Weltkriegen war das Schloss eine der Residenzen des polnischen Staatspräsidenten, außerdem reservierte man einen Teil der Räumlichkeiten als Hauptsitz für die neugegründete Universität Posen. Im Zweiten Weltkrieg erfolgte ab 1940 der Ausbau als „Führerresidenz“ für Adolf Hitler, und ab 1944 war es zugleich Amtssitz des Gauleiters und Reichsstatthalters für den Gau Wartheland (1939–1940 Gau Posen), Arthur Greiser, der hier als Stellvertreter Hitlers residieren sollte.

Nachdem die Rote Armee Ende Januar 1945 die zur Festung erklärte Stadt eingeschlossen hatte, funktionierte man das Kaiserschloss zum Lazarett um, doch schon am 2. Februar wurde es von den Sowjets eingenommen, obwohl die Wehrmacht erst am 23. Februar 1945 vor Ort kapitulierte. Bis zum März des Jahres diente es dann noch als Sammelstelle für deutsche Verwundete.

Nach dem Krieg zog erneut die Universität in den nur geringfügig beschädigten Bau ein, später wurde er von der Stadtverwaltung genutzt, doch ab 1962 war das Schloss ausschließlich Ort für kulturelle Veranstaltungen. Von dem gesamten Schlossensemble war der ursprünglich 74 Meter hohe Schlossturm mit seiner charakteristischen Uhr während der Kriegshandlungen am meisten zerstört worden, sodass man ihn beim Wiederaufbau um 20 Meter verkürzte. Heute befinden sich in dem Gebäude ein Kulturzentrum sowie ein Animationstheater und ein Kino, einige Räume sind an Firmen vermietet, und im Untergeschoss gibt es den Blue Note Jazz Club.

Feiern im Gedenken
Im Schlossgarten wurde 1999 ein „Denkmal für die Opfer von Katyń und Sibirien“ enthüllt. Nicht weit entfernt davon, auf dem Mickiewicz-Platz, der zu deutscher Zeit Schlossplatz hieß, errichtete man 1981 ungefähr an der Stelle, an der früher das Bismarck-Denkmal stand, ein Monument für die mehr als 50 Toten bei der Niederschlagung der Arbeiter-Proteste im Juni 1956. Und am 15. August jedes Jahres, dem „Tag der Polnischen Armee“, der an die gewonnene Schlacht bei Warschau im Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1920 erinnert, marschieren Abordnungen der Streitkräfte auf dem einstigen Schlossplatz auf, um der Ereignisse von damals zu gedenken.


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