16.06.2024

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Potsdam

Preußenbezug aus dem Museumsnamen gestrichen

Das „Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte“ wird umbenannt

Hermann Müller
06.06.2024

Das „Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte“ in Potsdam wird umbenannt. Das am Neuen Markt gelegene Haus trägt künftig den Namen „Brandenburg-Museum für Zukunft, Gegenwart und Geschichte“. Wie die Museumsleiterin Katja Melzer einräumte, wird am Gebäude damit ein noch längerer Titel stehen als bislang. Als die Namensänderung vor einem Jahr von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte angestoßen wurde, hatten die Beteiligten auch den Wunsch gehabt, einen kürzeren und weniger sperrigen Namen zu finden.

Wie die Museumschefin gegenüber rbb-Inforadio erklärte, habe es von Partnern und Besuchern aber auch immer wieder Kritik gegeben, dass der Name „Haus für Brandenburgisch-Preußische Geschichte“ nur ein Bruchteil dessen widerspiegele, was im Haus passiere. Das Museum sei sehr breit aufgestellt, die brandenburgische Geschichte spiele eine sehr große Rolle, daneben aber auch „die aktuelle und kulturelle Vielfalt“. Die Museumsleiterin weiter: „Wir verstehen uns als Treffpunkt, als offener Ort des Austausches.“

Laut Melzer habe sich gezeigt, dass es einen großen Bedarf an Bildungsprogrammen zur NS-Zeit in Brandenburg gebe, darüber hinaus auch einen Bedarf an Gesprächen über die Transformationszeit Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Die Museumsleiterin erklärte zudem, preußische Geschichte solle weiterhin da behandelt werden, wo sie die brandenburgische treffe.

Der Potsdamer Historiker Julius H. Schoeps, der an der Findung des bisherigen Museumsnamens beteiligt gewesen war, hatte bereits im vergangenen Jahr angesichts der Suche nach einem neuen Namen vor einer „Verteufelung Preußens“ gewarnt. Schoeps, Sohn des bekannten Preußen-Historikers Hans-Joachim Schoeps, schrieb im Februar 2023 in einem Gastbeitrag im „Tagesspiegel“ von einer „verstörenden Debatte“ in Potsdam: „Es scheint ein Trend zu sein. Die Bezeichnung ,Preußen' soll anscheinend endgültig aus dem öffentlichen kulturellen Leben getilgt werden“, so Schoeps.

Bei den Fraktionen im Landtag fielen die Reaktionen auf die Umbenennung sehr unterschiedlich aus. Kritisch äußerten sich die beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU und AfD, Jan Redmann und Hans-Christoph Berndt. Für die CDU-Fraktion sagte Redmann: „Wir sehen die Umbenennung ausgesprochen kritisch. Ich habe dafür auch kein Verständnis. Die historische Periode, in der Preußen eine Rolle spielte, ist Teil unserer Geschichte. Da lohnt es sich, eine kritische Auseinandersetzung vorzunehmen. Preußen hat eine Reihe von Errungenschaften vorzuweisen, etwa die Reformen. Oder sehen sie sich Potsdam an. Die Stadt wäre heute nicht so eine Perle ohne Preußen.“

Daniel Keller, Chef der SPD-Fraktion, signalisiert dagegen Zustimmung zur Umbenennung. Keller wies unter anderem darauf hin, dass es in der Vergangenheit Kritik von Besuchern gegeben habe, die angesichts des Museumsnamens andere Erwartungen gehabt hätten. Kellers Hinweis kann allerdings auch als Signal gedeutet werden, dass Museumsbesucher angesichts des bisherigen Museumsnamens möglicherweise eine umfangreichere Darstellung preußischer Geschichte erwartet haben.


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