28.11.2022

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Drastischer Rückgang: Nur noch ein Viertel der Besucherzahlen verzeichnet der Zoo seit Einführung des QR-Codes
Foto: J.T.Drastischer Rückgang: Nur noch ein Viertel der Besucherzahlen verzeichnet der Zoo seit Einführung des QR-Codes

Nördliches Ostpreußen

QR-Code-Pflicht verhagelt das Geschäft

Viele Einwohner der Region sind noch ungeimpft – Furcht vor Ansteckungsgefahr durch Touristen

Jurij Tschernyschew
29.12.2021

Die offizielle Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen geht im Königsberger Gebiet weiter zurück. Die Krankheit erreichte ihren Höhepunkt Ende Oktober und Anfang November, als sich täglich mehr als 400 Menschen ansteckten. In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Infektionen pro Tag auf unter 250 gesunken.

In den Krankenhäusern der Region gibt es knapp insgesamt 1700 Betten für Patienten mit Corona und Lungenentzündungen, darunter 121 mit Beatmungsgeräten. Davon sind derzeit etwas mehr als 1100 Betten belegt.

Die Einführung zahlreicher Beschränkungen und vor allem die flächendeckende Einführung von QR-Codes, die inzwischen fast überall verlangt werden, insbesondere für den Besuch von Kultureinrichtungen, Theatern und Kinos, dürften einen Einfluss auf den Rückgang der Infektionen gehabt haben. Die Einkaufszentren sind halb leer, da noch nicht einmal die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung der Region geimpft ist. Nur Geschäfte mit einer Fläche von bis zu 100 Quadratmetern dürfen noch ohne Impfnachweis aufgesucht werden. 

Konflikte bei Flügen 

Es gab bereits Diskussionen zur Einführung von Impfnachweisen per QR-Codes im öffentlichen Personenverkehr, aber bisher wurde auf diese Neuerung verzichtet. In den Regionen, in denen diese Initiative umgesetzt wurde, gab es bereits eine Reihe von Fällen, in denen es zu schweren Konflikten zwischen Kontrolleuren und Fahrgästen ohne Codes kam. 

Beliebte Objekte im Königsberger Gebiet leiden unter einem erheblichen Rückgang der Besucherzahlen. Laut Swetlana Sokolowa, der Direktorin des Königsberger Tiergartens, hat die Einführung von QR-Codes auch die Besucherzahlen des Zoos drastisch reduziert. Der Tiergarten ist einer der beliebtesten Orte der Bewohner des Gebiets und hat in letzter Zeit auch für Touristen an Attraktivität gewonnen. Zog der Zoo vor der Einführung der Beschränkungen täglich etwa 2000 Besucher an, so sind es jetzt nur noch etwa 500. Das heißt, die Besucherzahlen sind auf ein Viertel geschrumpft. Es befanden sich deutlich mehr Touristen unter den Besuchern, was für die Nebensaison recht ungewöhnlich ist. Drei Viertel der Besucher kamen aus anderen Teilen der Russischen Föderation.

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass alle Touristen, die das Königsberger Gebiet besuchen, jetzt QR-Codes vorweisen müssen, um in einem Hotel übernachten zu können, was bedeutet, dass sie den Zoo und andere Einrichtungen ohne Einschränkungen besuchen dürfen. Viele Einwohner des Gebiets wiederum sind noch nicht vollständig geimpft und können keinen QR-Code vorweisen.

In der zweiten Novemberhälfte wurde berichtet, dass Gouverneur Anton Alichanow positiv auf das Coronavirus getestet wurde und sich in seinem Büro im Regierungsgebäude in Selbstisolation begeben habe. Die Krankheit verlief mit relativ milden Symptomen. 

Alichanow ist für Tourismus 

Es ist bemerkenswert, dass Alichanow zum Zeitpunkt seiner Infektion bereits vollständig geimpft war und sich sogar einer weiteren Auffrischungsimpfung unterzogen hatte. Außerdem hatte sich der Gouverneur im Dezember 2020 schon einmal mit dem Coronavirus infiziert und vermutet, dass er von Kindern angesteckt worden sei. 

Vor Kurzem äußerte sich der Gouverneur über den gefürchteten „Tourismusfaktor“ bei der Verbreitung des Coronavirus. „Ich schaue mir das alles manchmal an, ich gehe auf die Kant-Insel und denke: Nein, ich gehe nicht.“ Seiner Meinung bieten Touristen jedoch die Möglichkeit, Geld zu verdienen, sodass es besser sei, „auf diese Einnahmequelle nicht zu verzichten“.

Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Behandlung von neu erkrankten Einwohnern des Königsberger Gebiets mit dem Coronavirus den Haushalt weitaus mehr kostet als der Betrag, den die Touristen einbringen, während sie neue Stämme des Coronavirus in der Region verbreiten. 

Für die Neujahrsfeiertage wird im nördlichen Ostpreußen ein noch nie dagewesener Zustrom von Touristen erwartet. Beliebte Hotels waren schon Wochen vorher ausgebucht, die durchschnittliche Buchungsrate für die Region liegt bei fast 80 Prozent. Die Tourismusbranche geht davon aus, dass es weniger Hotelbetten als Besucher geben wird und dass der „private Sektor“ diese Aufgabe übernehmen wird. Das bedeutet für viele, dass in der Region ein neuer Anstieg der Coronavirus-Infektionen zu erwarten sei.



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