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Pfeilschneller Krimi eines treffsicheren Autors: Gerd Fröbe in der Wallace-Verfilmung „Der Grüne Bogenschütze“ von 1961
Bild: IMAGO/United ArchivesPfeilschneller Krimi eines treffsicheren Autors: Gerd Fröbe in der Wallace-Verfilmung „Der Grüne Bogenschütze“ von 1961

Kunst

Raffinierter Krimi-Zinker

Edgar Wallace erlebte durch Verfilmungen seiner Krimis in Deutschland postum einen Boom – Vor 150 Jahren kam der Autor zur Welt

Stephanie Sieckmann
27.03.2025

Als der Journalist und Schriftsteller Edgar Wallace zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine ersten Kriminalgeschichten veröffentlichte, ahnte niemand, dass er das Genre für immer verändern würde. Mit seinen in den 1960er und 1970er Jahren mit Stars wie Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, Eddie Arent oder Klaus Kinski verfilmten Titeln wie „Der Hexer“, „Der Frosch mit der Maske“ und „Der schwarze Abt“ erlangte er lange nach seinem Tod besonders in Deutschland eine ungeahnte Popularität.

Mit atemberaubender Geschwindigkeit schrieb Richard Horatio Edgar Wallace, so sein Geburtsname, einen Bestseller nach dem anderen. Er schuf maskierte Schurken, Verbrecherorganisationen und skrupellose Genies, setzte sie in düsterer, elektrisierender Atmosphäre in Szene und entwickelte Handlungen, in denen ein enorm hohes Tempo den Leser und Zuschauer nach Atem ringen ließ.

Bereits damit setzte Wallace ein Ausrufezeichen hinter seine Geschichten. Und stellte den Krimi in der Art, wie er zuvor etabliert war, völlig auf den Kopf. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die vergleichsweise junge Buchgattung des Kriminalromans von einer gemächlich voranschreitenden Entwicklung geprägt. Der Fall, oft Mord, war ein Denksporträtsel. Ermittler, die brillante Beobachter und Kombinierer waren, nahmen sich Zeit, um über den Fall nachzudenken. Der Leser begleitete den Ermittler in seinem Studierzimmer oder bei Befragungen dabei, wie er die gedanklichen Fäden entwirrte und damit das Verbrechen aufklärte. Ein Beispiel dafür ist der 1886 von Arthur Conan Doyle ersonnene Meisterdetektiv Sherlock Holmes.

Wallace setzte dagegen auf hohes Tempo bei den Ermittlungen und der Entwicklung des Handlungsstrangs. Rasanz wurde zu einem Markenzeichen von Wallace-Krimis wie „Der Zinker“ von 1927. Wie auch die überraschenden Wendungen, die immer wieder dazu führen, dass der Leser im Unklaren darüber gelassen wird, wer tatsächlich der Bösewicht ist. Der Mann, der am 1. April 1875 in London geboren wurde, schuf auf diese Weise eine neue Gattung: den modernen Thriller.

Wallace war mehr als nur ein Bestsellerautor. Er war ein Mann der Extreme – brillant, rastlos, verschwenderisch. Er schrieb schneller, als andere lesen konnten, verdiente enorm gut, verarmte aber ebenso schnell, wie er reich wurde. Und das gleich mehrfach. Sein Leben war geprägt von unermüdlichem Schaffen, legendärer Disziplinlosigkeit, ständigem Auf und Ab und einer unerschütterlichen Überzeugung: Geschichten müssen fesseln, mitreißen und unterhalten.

Mit insgesamt 170 Romanen, 40 Theaterstücken sowie Kurzgeschichten war Wallace einer der produktivsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Dabei war ihm der Beruf des Schriftstellers keineswegs in die Wiege gelegt worden. Unehelich geboren, als Kind von Pflegeeltern aufgezogen, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Seine Jugend war geprägt von Entbehrungen. Mit zwölf Jahren verließ er die Schule und verbrachte die Tage auf der Straße zwischen Dieben und Tagelöhnern. Düstere Gassen, verrauchte Pubs und zwielichtige Gestalten waren ihm damit früh vertraut. Aus diesem reichen Erfahrungsfundus konnte er beim Schreiben bedenkenlos schöpfen.

Ein Buch war in drei Tagen fertig
Zunächst diente Wallace in der Royal Army. Als Kriegsberichterstatter erlebte er in Südafrika die Grausamkeit des Burenkriegs sowie die Mechanismen von Gier, Korruption und Opportunismus. Im Jahr 1905, zurück in Großbritannien, etablierte er sich als Journalist und begann nebenbei Kriminalromane zu schreiben. Als Reporter zeigte er sich sozialkritisch. Als Autor konnte er diesen Impuls mit voller Überzeugung einbringen. Ihm wird der Satz zugeschrieben: „Gerechtigkeit ist für jene, die das Glück haben, sie sich leisten zu können.“

Mit seinen Romanen und Kurzgeschichten begann Wallace von denen zu erzählen, die im Schatten operierten: maskierte Rächer, kriminelle Genies und Männer, die außerhalb des Gesetzes für eine eigene Art von Gerechtigkeit sorgten. Der Autor kannte die Schurken, die er erfand, nur zu gut. Seine Romane sind deshalb keine kühlen Kriminalrätsel, sondern Geschichten voller Gefahren und Intrigen. Immer wieder geht es um das Spiel zwischen Gut und Böse. Das Wissen um soziale Ungleichheit, die Begegnungen mit Hochstaplern und ehrbaren Schurken waren es, die seinen Figuren das besondere Quäntchen Lebendigkeit verleihen. Seine Verbrecher waren nicht nur böse, sondern oft raffinierte, charismatische Gestalten, die sich auf den Straßen genauso auskannten wie er. Und seine Ermittler? Sie waren keine intellektuellen Denker, sondern Männer, die wussten, dass Gerechtigkeit nicht immer mit Recht gleichzusetzen ist.

„Der Frosch mit der Maske“ von 1925 gehörte zu den ersten Romanen, die Wallace weltweit bekannt machten. Hier legte der Großmeister des Krimis die Grundlage für sein unverwechselbares „Wallace-Muster“: eine geheime Verbrecherorganisation, ein maskierter Anführer und ein cleverer Inspektor.

Als Autor war Wallace ein Exzentriker, bekannt für sein hohes Schreibtempo. Seine Bücher diktierte er oft nachts, während er Champagner trank und Zigarren rauchte. Oft benötigte er nur wenige Tage für einen Krimi. „Ich schaffe ein Buch in drei Tagen. Wenn ich mir vier nehme, verliere ich den Faden“, wird er gerne zitiert.

Als einer der weltweit meistverkauften Autoren und dazu noch einer der höchstbezahlten konnte er sich ein gutes Leben leisten. Sein Gesamtwerk hat sich weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft. Doch Wallace feierte gerne großzügige Partys, verspielte Geld und hielt Rennpferde. Schulden trieben ihn dazu, unermüdlich weiterzuschreiben, um seine Rechnungen zu begleichen. Er nahm es gelassen. Eine seiner berühmtesten Aussagen dazu war: „Ich kenne viele Wege, Geld zu verdienen – aber noch mehr, es auszugeben!“

Edgar Wallace starb 1932 im Alter von 56 Jahren, während der Arbeiten an einem der berühmtesten Filmprojekte des 20. Jahrhunderts: „King Kong“. Als Drehbuchautor engagiert, hatte der Brite in Beverly Hills die ersten Entwürfe zu diesem monumentalen Kinofilm geschrieben, als ihn eine schwere Lungenentzündung ans Bett fesselte und aus dem Leben riss.


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Kommentare

Michael Gruhn am 27.03.25, 07:19 Uhr

Die Verfilmungen der Edgar-Wallace-Krimis waren und bleiben Legende. Unnachahmlich, die gruselige Stimmung, die Spannung und auch eine Prise schwarzen Humors, man kann sich die Filme immer wieder anschauen, langweilig wird`s nie. Daran konnten auch die Verballhornungen Oliver Kalkhofes nichts ändern.

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