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In den Vereinigten Staaten schon kurz vor der Alltagstauglichkeit, wird hier noch kräftig reguliert
In den USA ist das autonome Fahren längst Teil des Alltagsverkehrs. Vor allem Google treibt das Geschäft mit seiner Tochter Waymo voran. In Städten wie Phoenix, San Francisco oder Los Angeles rollen bereits fahrerlose Fahrzeuge im Regelbetrieb, Passagiere buchen sie per App wie ein klassisches Taxi. Milliardenbeträge fließen in Sensorik, Software und Flottenausbau. Doch während in Amerika das Tempo als Maß aller Dinge gilt, geht Europa vorsichtiger vor. Deutschland setzt auf eine schrittweise Einführung und klare Regulierung. Der Gesetzgeber hat mit einem speziellen Rechtsrahmen für autonome Fahrzeuge bereits die Grundlage geschaffen. Fahrzeuge dürfen im festgelegten Betriebsbereich fahrerlos unterwegs sein, sofern technische Aufsicht und Genehmigungen vorliegen. Das eröffnet Städten und Verkehrsunternehmen Spielräume für erste Pilotprojekte – allerdings unter strengen Auflagen.
Hamburg zählt zu den Vorreitern. Hier testet man mit Industriepartnern autonome Shuttles. Ziel ist es, den Nahverkehr zu ergänzen, vor allem zwischen Haltestellen und Wohngebieten. Die VW-Tochtergesellschaft Moia schickt in mehreren Stadtteilen eine kleine Flotte selbstfahrender Shuttles auf die Straße – allerdings noch mit Sicherheitsfahrern an Bord, weil die Technik bislang noch an Grenzen stößt. Nun öffnet sich die Hansestadt für ein weiteres Projekt, dieses Mal mit dem Unternehmen Freenow. Früher eine Gesellschaft von BMW und Mercedes, ist die Firma heute eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Fahrdienstvermittlers Lyft, der auch in München autonome Taxis testet. Freenow-Chef Thomas Zimmermann sprach von „mehreren Hundert“ autonomen Fahrzeugen, die perspektivisch in die Flotte integriert werden sollen und später auch in weiteren Teilen der Stadt zum Einsatz kommen sollen.
Im Rhein-Main-Gebiet wiederum arbeiten Verkehrsbetriebe mit Technologieunternehmen zusammen, um kleine Flotten in Gewerbegebieten oder am Stadtrand einzusetzen. Solche Angebote sollen den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen, insbesondere außerhalb der Ballungsräume. Auch die Industrie positioniert sich. Deutsche Hersteller und Zulieferer sehen in Robo-Taxis weniger ein Konsumprodukt als einen Baustein für neue Mobilitätsdienste. Flottenbetrieb, Software-Updates und Wartung versprechen langfristige Erlöse.
Damit verschiebt sich das Geschäftsmodell: vom Verkauf einzelner Fahrzeuge hin zu dauerhaft betriebenen Systemen. Für Städte bedeutet das zugleich die Chance, Verkehr zu bündeln und Emissionen zu senken. Skepsis bleibt dennoch. Gewerkschaften verweisen auf mögliche Arbeitsplatzverluste im Taxigewerbe. Datenschützer warnen vor der Dauererfassung von Bewegungsprofilen. Und nicht zuletzt steht die Haftungsfrage im Raum, wenn Algorithmen Entscheidungen treffen. In den USA ist man da mutiger. Während Tesla-Chef Elon Musk bisher vergeblich den Durchbruch seiner Flotte ankündigt, hat Waymo die Diskussionsphase längst hinter sich gelassen. Die Google-Schwester transportiert bereits über 400.000 Passagiere pro Woche in fahrerlosen Taxis durch sechs US-Städte.