28.10.2020

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Der Wochenrückblick

Rom will Geld

Warum arme Deutsche für reiche Italiener zahlen sollen, und warum niemand „Mussolini“ sagt

Hans Heckel
11.04.2020

Ja, so sind wir, wir Deutsche: herzlos, gnadenlos arrogant und überhaupt irgendwie für immer Nazis. Wir sollten uns schämen, und das tun wir natürlich auch, jederzeit bereit, mit größter Hingabe. Zurzeit halten uns die Italiener den Spiegel vor, in den sie alles hineingemalt haben, was sie uns immer schon um die Ohren hauen wollten. „Von Deutschland bekommen wir nichts – außer zwei Finger in die Augen gedrückt", flucht Matteo Salvini, Chef der größten Oppositionspartei Lega Nord.

Himmel, was haben wir getan? Italien will wegen Corona Schulden aufnehmen, für welche die deutschen Steuerzahler genauso haften sollen wie italienische, „Coronabonds" heißt das Instrument. Und warum sollten wir das tun? Weil, wie die Zeitung „Corriere della Sera" fordert, „die reichsten Brüder den schwächsten helfen" müssten in der Not.

Aha? Mit „stärksten" und „schwächsten" ist vermutlich nicht die unterschiedliche sportliche Kondition von Italienern und Deutschen gemeint, eher schon, wie vermögend sie sind. Da lohnt ein Blick in die Zahlen der EZB. Die rechnet nämlich regelmäßig aus, wie hoch das „Medianvermögen" in den Haushalten der Eurozone liegt.

Kleiner Erklärkasten: Das Medianvermögen eines Volkes wird errechnet, indem man die Mitte zwischen reicherer und ärmerer Hälfte ermittelt. Liegt dieses Vermögen beispielsweise bei 100 000 Euro, heißt das, dass genau die Hälfte der Haushalte mehr und die andere Hälfte weniger als diesen Betrag besitzt, wobei Geld, Immobilien und alle sonstigen Vermögenswerte einbezogen sind, sofern man sie statistisch erfassen kann.

Na? Wie sieht es damit aus in der Eurozone? Die deutschen Haushalte rangieren mit einem Medianvermögen von 60 800 Euro ziemlich weit hinten, die Italiener sitzen dagegen auf 146 200 Euro pro Haushalt und die spanischen Haushalte verfügen sogar über ein Medianvermögen von 159 600 Euro. Die „stärksten" müssen den „schwächsten" Brüdern helfen? Na, dann her mit den Milliarden aus Rom und Madrid. Es lebe der Geist der europäischen Solidarität – Solidarität mit den armen Deutschen (siehe Seite 8 der aktuellen Ausgabe)!

So müsste es laufen angesichts dieser eindeutigen Zahlen. Das meint man aber nicht, jedenfalls nicht in Rom. Dort bedeutet Solidarität, dass die Deutschen von ihrem kläglichen Vermögen noch etwas draufschaufeln auf den stolzen italienischen Berg. Wenn wir das nicht tun, sind wir arrogant, scheinheilig, kaltherzig etc. (siehe Seite 4 der aktuellen Ausgabe).

Die Freunde dieses speziellen europäischen Geistes werfen ein, dass die Vermögenszahlen schief seien. Der „Reichtum" der Italiener oder Spanier resultiere nur daraus, dass es dort eine viel höhere Quote von Eigentümerhaushalten gebe, während die Mehrheit der Deutschen zur Miete wohne. Und Immos seien eben teuer.

Mit anderen Worten: Wer sich nicht einmal eine eigene Hütte leisten kann, der ist moralisch dazu verpflichtet, den Eigenheimbesitzer finanziell zu unterstützen, weil dessen Geld ja in seinem Anwesen gebunden ist. Etwa so? Was für ein Quatsch!

Also lassen wir das und kommen besser zum Punkt: Europäische Solidarität bedeutet, dass die Deutschen zahlen, sonst nichts. Wenn sie das nicht (mehr) im gewünschten Maße tun, dann sind sie die Schweine, die Europas Einheit zerstören.
Entsprechend empört geben sich unsere italienischen Freunde. Italienische Politiker nehmen die EU-Flagge aus ihren Büros und von Rathäusern, in einem vielgeklickten Video wird das EU-Banner gar zu den Klängen der italienischen Nationalhymne verbrannt. Einige Firmen sollen die europäische gegen eine russische oder chinesische Flagge eingetauscht haben. Wobei kein Zweifel aufkommen sollte: Wenn man jenseits der Alpen von „Europa" spricht, meint man vor allem Deutschland, das man für den allmächtigen Hegemon der EU hält.

Allerdings könnten sich andere EU-Völker ebenfalls getroffen fühlen von solchen Aktionen auf der Apenninhalbinsel. Aber da können wir die Partner beruhigen. Dass die Italiener in einer Krise die Flaggen ihrer (eben noch) Verbündeten einrollen oder gar verbrennen, um sie über Nacht durch ganz andere zu ersetzen, ist nicht eben neu. Wir Deutsche haben da so dies und das in unserem historischen Nähkästchen, in das wir jeden gerne blicken lassen, der es genauer wissen will.

Apropos Geschichte: Die Italiener wühlen auch jetzt bei ihren Geldforderungen mit großer Vorliebe in der deutschen NS-Geschichte, aus der sie eine Art ewiger Zahlungsverpflichtung der Germanen für die Römer ableiten. Dabei kommt ihnen gelegen, dass die Masse der Deutschen über die Vergangenheit nicht viel mehr im Bewusstsein hat als das, was man in dem Satz „Die Deutschen waren schuld" zusammenfassen kann. Zum Glück, denn besäßen die Deutschen mehr Geschichtsbewusstsein, könnte es unbehaglich werden für die Italiener. Dem Volk, das den Faschismus erfand und mit Benito Mussolini Hitlers mächtigsten Verbündeten an die Macht brachte, dürfte eine steife teutonische Brise ins Gesicht wehen, wenn italienische Forderungen an Deutschland ausgerechnet mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs begründet würden.

Vorteilhafterweise haben sich Wissen und Bewusstsein der Deutschen so weit von der Wirklichkeit entfernt, dass wir auf derlei Entgegnungen gar nicht mehr kommen. Unsere Abgehobenheit von der Realität hat zudem längst auch ganz gegenwärtige Fragen erfasst. So klammern sich die Grünen, die manche die deutscheste der deutschen Parteien nennen, in fanatischem Eifern an die geplante CO₂-Steuer, die den Bundesbürgern ab Januar 2021 noch mehr Geld abknöpfen soll. Schließlich sei die Steuer im Dezember mit der Merkel-Regierung so vereinbart worden, wird argumentiert. Daran dürfe nicht gerüttelt werden.
Bemerkenswert, nicht wahr? Das Land rast in die womöglich schlimmste Wirtschaftskrise seit 1932 hinein, doch diese Leute bestehen darauf, die Belastungen noch höher zu schrauben und die Wirtschaft sowie die Haushalte noch stärker zu belasten. Was? Eisberg voraus? Egal: Der Kurs wird gehalten, denn der wurde schließlich vor Monaten so vereinbart! Schon putzig, wenn eine Wellnesspartei – die schönste Blüte, die unserer Wohlstandverwahrlosung je entsprossen ist – plötzlich in die rauen Gewässer einer hässlichen Wirklich gerät.

Dass man sich seine Ideologie nicht von der Wirklichkeit trüben lässt, ist aber kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen. Außenminister Heiko Maas von der SPD feiert sich im Internet dafür, dass Deutschland Schutzmasken für die Polizei der Palästinenser gespendet hat, damit die sich nicht mit Corona ansteckt. Dass derweil deutsche Polizisten ungeschützt bleiben, weil es zu wenig Masken gibt? Wen interessiert's?

Immerhin wird uns die Welt für unsere Aufopferung danken, oder? Aus Rom verlautet, dass die Aufnahme italienischer Patienten in deutschen Intensivstationen bei der Germanen-Beschimpfung völlig untergeht.



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Kommentare

sitra achra am 15.04.20, 15:06 Uhr

Wer glaubt, dass diese Erpressungszahlung die letzte ist, ist wohl falsch gebadet worden. Ein Blick in die Vergangenheit beweist, dass hier schon Abermilliarden in die welsche Mülltonne geworfen wurden. Dies alles in der guten Absicht, Europa zu retten. Ist aber ein Europa, das sich zum willenlosen Werkzeug einer politischen Mafiabande machen lässt, es wert, aufrechterhalten zu werden? Ich glaube, diese Frage beantwortet sich von allein.
Wenn Italien nicht seine Europabegeisterung wiedererlangt, reden wir hier nur über politische Leiche.

Gotthelm Fugge am 11.04.20, 03:36 Uhr

Corona-Solidritäts-Hilfe ja, aber:
““Dabei sollen etwa 200 Milliarden Euro der jetzt geplanten Hilfen aus dem EU-Rettungsschirm (ESM) kommen.
Leider vertreten nur die Niederlande die Ansicht, dass damit auch wirksame Auflagen verbunden sein müssen.
Warum kneift Berlin hier?
Es sollte selbstverständlich sein, dass die Finanzhilfen in Italien – wo die Mafia landesweit eine feste Größe ist und nur wartet auf einen neuen Geldregen aus Brüssel – ausschließlich im Gesundheitsbereich ausgegeben werden und nicht in Italiens Sozial- und Steuersystemen landen.
Und natürlich müssen die Italiener von Brüssel auch kontrolliert werden und nachweisen, dass sie die Gelder ordnungsgemäß verwenden.
Auch in der Corona-Krise müssen essenzielle Grundsätze der EU weiter gelten.““

Es kann nicht sein, dass Italiener mit 60 Jahren im Durchschnitt eine deutlich höhere Rente (Und sie erhalten zusätzlich als Alterswürdigung noch ein 13. Rentengehalt, das sogenannte Rentnerweihnachtsgeld) als DE-Bürger beziehen, zumeist im Wohneigentum leben und Deutschland das Ganze auch noch im großen Umfange mit finanziert.

Eine, aber nur in der Corona-Krise angemessene finanzielle Solidarität per Nachweis ist geboten, aber kein Blankoscheck für die Zukunft für eine jahrelang verfehlte Wirtschafts- und Sozialpolitik!

Danke Herr Finanzminister Scholz, dass wir dann einen Renteneintritt in DE mit weit über 70 Jahren haben, um Länder (Achse Italien-Spanien-Frankreich) massiv für ihre mangelhafte Wirtschaftsführung für eine immer sich weiter abzeichnende EU-Schimäre zu alimentieren.
Als wären die Belastungen in DE nicht schon hoch genug.
UK kann sich die Hände reiben, alles richtig gemacht.
Auf denn DE, den Gürtel weiter enger schnallen, bis der Krug am Brunnen bricht!

Und die gibt es auch noch – Die Target2 Forderungen:
DE hat statt Geldzahlungen, die für DE-Exporte innerhalb der EU über die EZB abgewickelt werden, von eben dieser EZB für ihre Exportleistungen in diese EU-Länder nur Gutschriften in Form von Target2-Belegen erhalten.
Die Forderungen der Exportlieferungen der inländischen Banken der Exporteure wurden aus Mitteln der Bundesbank (Steuergeld) gezahlt.
Das so gesparte Geld konnten die Schuldner-Länder für eigene inländische Ziele verwenden (z.B. Absenkung des Renteneintrittsalters, Rentenerhöhungen, etc.)
Ergo: Wir finanzieren und verschenken unsere Exporte einfach so.
Folgende Forderungen seitens der DE-Bundesbank an die EZB und die nationalen Importbanken besonders der Südländer bestehen bis dato (Stand 2019):
- Italien: 447,6 Milliarden EUR
- Spanien: 407,0 Milliarden EUR
- Portugal: 83,3 Milliarden EUR
- Griechenland: 24,2 Milliarden EUR
Vergleiche dazu: Der DE Staatshaushalt/a (2020) beträgt: 362 Milliarden EUR.
Die genannten Schuldner-Länder schulden somit DE einen Betrag von einem 2,66-fachen DE-Staatsbudget, Geld was dem Steuerzahler durch die Regierenden zugunsten eines immer weiter zu stützenden EURO-Konstruktes vorenthalten wurde.
Was könnte man alles mit dieser Summe an Investitionen für Infrastruktur, Gesundheitswesen, Polizei, Bildung und Forschung bewirken?

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