31.08.2025

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Die Festung Engelsburg: Trutzig anzusehen, doch es wurde hier nie ein Schuss abgefeuert. Dafür blühen jetzt vor den Schießscharten wunderschöne Rosen
Bilder: RosenthalDie Festung Engelsburg: Trutzig anzusehen, doch es wurde hier nie ein Schuss abgefeuert. Dafür blühen jetzt vor den Schießscharten wunderschöne Rosen

Historisch

Rosen blühen auf der Redoute

Die Swinemünder Festung „Engelsburg“ ist heute ein vielseitiger Veranstaltungsort

Manuela Rosenthal-Kappi
31.08.2025

Zu Beginn des ersten Deutsch-Dänischen Krieges (1848–1851), zur Zeit der Herrschaft des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV., hatte die dänische Fregatte „Haffrowen“ den Swinemünder Hafen blockiert. Die bedauernswert kleine preußische Flotte mit den Schiffen „Amazone“ und „Adler“ wagte den Angriff jedoch nicht. Sie hatte sich stets vorsorglich zur Flucht gerüstet. Infolge der Blockade waren Handel und Wandel in der Stadt völlig stillgelegt worden, was die Mehrzahl der Bewohner der Stadt empfindlich traf. Zwar war bereits im Jahr 1825 die Seebadeanstalt gegründet worden, die meisten Einwohner lebten aber immer noch vom Hafen und der Seefahrt. Bei ihnen war nun Schmalhans Küchenmeister.

Um ähnliche Szenarien künftig zu vermeiden, wurden an der Swinemündung vier Festungen gebaut. Befürworter und Förderer des Festungsbaus war Friedrich Heinrich Albrecht Prinz von Preußen, der jüngste Bruder König Friedrich Wilhelms IV., gewesen. Heute sind drei dieser historischen Redouten, zu deren Bau seinerzeit die gesamte örtliche Bevölkerung und die Armee verpflichtet wurden, für Besucher zugänglich. Die Engelsburg („Fort Aniola“), früher „Werk 3“, liegt am linken Swineufer, am Rande des von Peter Joseph Lenné gestalteten Kurparks. Sie trägt diesen Namen, weil sie dem Mausoleum des römischen Kaisers Hadrian nachempfunden wurde.

Angelegt ist die Engelsburg, die früher von einem Wall und einem Wassergraben umgeben war, nach dem Schema einer Redoute. Das monumentale dreistöckige Bauwerk – erbaut von 1855 bis 1858 – besitzt auf drei Etagen 24 Schießscharten für Kanonen. Das Erdgeschoss gehörte der Infanterie, die oberen Stockwerke der leichten Feldartillerie. Im Obergeschoss, in dem sich auch die Wohnung des Festungskommandanten befand, war ein Beobachtungs- und Befehlsstand für die vier Festungen der Hafenstadt eingerichtet worden. Während des Zweiten Weltkriegs verfügte das Fort über modernste Radaranlagen. Im Mai 1945 wurde seine Besatzung mit einem Kriegsschiff in Richtung Westen evakuiert.

Die 8. US-Flotte hatte bei ihrem Bombardement vor 80 Jahren die Festungen ebenso verschont wie die kaiserlichen Kasernen und die Kriegsschiffe im Hafen und auf der Reede, darunter der Kreuzer „Lützow“. Von 1945 bis 1992 nutzte die Sowjetarmee die Festung für ihre Radaranlagen, ebenso Teile des Kriegshafens und die Kasernen am Westrand der Stadt.

Heute werden die Innenräume der Engelsburg mit ihren Kreuzgewölben für Ausstellungen und Konzerte, sowie für gemütliche Gastlichkeit genutzt. Und vor den Schießscharten blühen – sehr symbolträchtig – wunderschöne Rosen.

Wer jedoch denkt, eine ehemalige Festung sei angesichts möglicher Kriegsgräuel für Konzerte, Grillabende und gemütliche Gastlichkeit nicht der rechte Ort, dem sei versichert, dass von keiner der vier Festungen im Ernstfall je ein Schuss abgefeuert worden ist. Man kann dort also beruhigt sein Grillsteak essen und sein Bier oder seinen Rotwein trinken.

Auf der Aussichtsplattform der Engelsburg gibt es eine Hinweistafel. Dort ist zu lesen: „Aus humanitären Gründen wurden die nicht mehr gebrauchten Bomben auf den Kurpark abgeworfen, der sich in der Nähe des Forts befindet.“

Der Artillerist Wilfried Sander, der das Bombardement in seinem Einmann-Deckungsloch im Kurpark überlebt hatte, schreibt hingegen, dass die Flugzeuge über dem Kurpark Bomben mit Berührungszündern, sogenannte Baumkrepierer, abgeworfen hatten, sodass es für die Menschen, die sich hierher geflüchtet hatten, kein Entrinnen gab.


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