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Sie hat die Minderheiten im Visier: Emilia Wójcik führt mit großem Engagement einen sorbischen Brauch in Oberschlesien ein.
Bild: WagnerSie hat die Minderheiten im Visier: Emilia Wójcik führt mit großem Engagement einen sorbischen Brauch in Oberschlesien ein.

Östlich von Oder und Neiße

Sorben und Deutsche vor ihrer Vogelhochzeit

Traditionssymbiose, um gemeinsame Minderheiteninteressen zu fördern, liegt im Trend

Chris W. Wagner
17.02.2025

Verkleidete Kinder, süße Überraschungen, Gesang und bunte Umzüge – das alles ist kein Karneval, sondern die Vogelhochzeit. Während dieses Fest in den sorbischen Gemeinden Sachsens und Brandenburgs traditionell am 25. Januar gefeiert wird und damit passé ist, wird der Brauch in Oberschlesien gerade entdeckt.

In Stubendorf [Izbicko], etwa 40 Kilometer von Oppeln [Opole] entfernt, gehört die Vogelhochzeit in den Winterferien seit einigen Jahren zum festen Freizeitangebot für Kinder der deutschen Volksgruppe. Eingeführt hatte den Brauch Emilia Wójcik, die viele Jahre als Grundschullehrerin in der Oberlausitz gearbeitet hatte und dort die Tradition kennenlernte. Zurück in ihrer oberschlesischen Heimat engagiert sich Wójcik in der Dorfgemeinschaft, die sich zum Großteil aus Mitgliedern der deutschen Volksgruppe zusammensetzt. Und weil in die Winterferienzeit auch der internationale Tag der Muttersprachen fällt, erinnerte sie sich an den sorbischen Brauch und an das beide Volksgruppen verbindende Element.

Dieses Kinderlied ist der Ausgangspunkt in Wójciks Vogelhochzeitsprojekt, das aus mehreren Stationen besteht. In diesen Stationen, also kleineren Gruppen, lernen die Kinder neben dem Lied und den dazugehörenden Bewegungen auch etwas über Vogelarten, die in unseren Breitengraden überwintern, backen Kekse in Vogelformen, bereiten Vogelfutter zu und erfahren etwas über die sorbische Minderheit in Deutschland im Vergleich zu den Deutschen in Oberschlesien.

Wójcik ist es ein Anliegen, den Kindern mit auf den Weg zu geben, „dass die Sorben, die das Fest feiern, eine Minderheit in Deutschland sind. „Es ist wichtig den Kindern zu zeigen, dass eine Minderheit zu sein vor allem kulturelle Werte in sich trägt, die unsere Bevölkerung hier auch bereichern. So wirkt sich das in Sachsen und in Brandenburg, wo die Sorben leben, aus. Ich würde mich freuen, wenn wir das in Oberschlesien genauso verstehen würden.“

Zu ihrem Projekt lädt Wójcik auch Lehrer und Multiplikatoren aus benachbarten Ortschaften ein, die gerne das eine oder andere aus Stubendorf übernehmen, zum Beispiel, wie man das Thema Minderheit mit Kleinkindern erarbeiten kann. Gründe genug wird es dafür geben, denn 2025 jährt sich die Verabschiedung des Minderheitenschutzgesetzes in Polen zum 20. Mal. Dies biete also besonderen Anlass, das Thema Minderheiten im Unterricht zu behandeln.

So hatten sich auch Parlamentarier dem Thema stellen müssen. Am 4. Februar wurde im polnischen Parlament eine Konferenz organisiert, die deutlich machte, dass neben den 13 bereits anerkannten nationalen und ethnischen Minderheiten, also den Deutschen, Weißrussen, Tschechen, Litauern, Armenier, Russen, Slowaken, Ukrainern, Juden, Karaimen, Lemken, Roma und Tataren, noch eine Reihe weiterer auf ihre Anerkennung warte. Die links-feministische Abgeordnete Wanda Nowicka ist Vorsitzende des Minderheitenausschusses im Sejm. Sie arbeitet seit der vergangenen Legislaturperiode an der Anerkennung der Griechen als Minderheit. Auch die Wilmesauer, eine Volksgruppe, deren Name vom Städtchen Wilmesau [Wymysoü/Wilamowice] in Kleinpolen direkt an der Grenze zu Oberschlesien, herrührt, ist darunter. „Wie lange warten die Wilmesauer schon darauf, dass ihre Sprache anerkannt wird. Schließlich könnte diese Sprache im Handumdrehen aussterben, denn diese kleine Minderheit ist sehr überaltert und schrumpft rasant“, sagte Nowicka in Warschau.

Das Wilmesauische hat sich aus einer mittelalterlichen deutschen Sprachinselsituation eigenständig fortentwickelt. Auch die National-Oberschlesier mit slawischem Idiom stehen um die Anerkennung ihrer Ethnie und Sprache an. Für sie hatte während der Warschauer Konferenz Henryk Kroll, der einstige Abgeordnete der Deutschen Minderheit, Partei ergriffen. „Das halte ich für ein wichtiges Unterfangen dieses Parlaments: die Anerkennung der (ober-)schlesischen Sprache. Die polnischen Regierungen, die vergangenen wie die gegenwärtigen, haben diese Sprache zerstört“, monierte er und forderte neben dem bereits anerkannten Kaschubisch nun endlich auch das (Ober-)Schlesische zu fördern.


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