Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung
Auf Rügen lebte man vor 500 Jahren gefährlich
Welcher ehemalige DDR-Bürger kennt ihn nicht: den aufmüpfigen Berliner Maurer-Polier Hannes Balla alias Manfred Krug in dem – später verbotenen – DEFA-Film „Spur der Steine“. Doch um diesen „Straßenfeger“ geht es hier nicht.
Beginnen wir mit einer Kriminalstatistik aus dem Mittelalter. Die besagt, dass die Insel Rügen im 16. Jahrhundert die meisten Rohheitsdelikte und Gewaltverbrechen im gesamten Herzogtum Pommern aufwies. Der Landvogt verurteilte die Mörder und ließ sie auf dem Galgenberg hinrichten. Betuchte Hinterbliebene spendeten manchmal noch einen Gedenkstein. Davon gibt es auf der Insel zwei: einen im Nordwesten in Schaprode (Fähre zur Insel Hiddensee) und im Südosten im 711 Jahre alten Gustow. Dort ist er an der Landstraße L 29 von Altefähr nach Poseritz direkt vor der Dorfkirche nicht zu übersehen. Er stammt aus der gleichen Zeit, als in der Gegend Brandenburger und Dänen gegen Schweden kämpften und auf den umgebenden Wiesen 1678 eine Schlacht ausfochten.
Obwohl in fünf Jahrhunderten arg verwittert, erkennt man auf dem 2,70 Meter hohen gotländischen Kalkstein vorn einen Menschen mit einem Schwert auf dem Kopf. Im Kirchenbuch gibt es eine Erläuterung dazu, wie der Rügener Historiker Alfred Haas 1938 herausfand. Eine aus der Hansestadt Stralsund zurückgekehrte Gruppe von Bauern, die stark angetrunken waren, geriet untereinander in Streit. Der herbeigerufene Pfarrer wollte schlichten, wurde aber dabei getötet. Zur Strafe mussten die Totschläger eine Kirche Bauen und einen Sühnestein, auch Mordwrange genannt, aufstellen.
Raue Sitten herrschten damals auf der heutigen beliebten Urlaubsinsel, deren Kriminalstatistik weit von der im 17. Jahrhundert entfernt ist.